Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 39-40 (19.5.1904)
- Date
- 1904-05-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Zchrgasg. rße Mrilage zu Jß 39 L 40 -rs „Israelit". Zur Abwehr! - Boa Obcrrabblncr M. A. Roth, Papa. Geehrter Herr Redakteur! Unter der Ueberschrif» „Der Zionismus des Papaer Oberrabbiners" brachte der „Israelit" eine Artikel-Serie über die von mir verfaßte Broschüre: Der Zionismus vom Standpunkte der jüdischen Orthodoxie. Die Art und Weise, wie an meinem Merkchen Kritik geübt wird, macht cs mir zur Unmöglichkeit, mich diesbezüglich mit dein detreffenven Rezensenten in eine Polemik einzulaffen, um denselben zu widerlegen. Ich überlasse es getrost Andern, dieses gegen mich geübte Vorgehen, als auch das Zeugniß, welches sich der Rezensent mit dieser seiner Arbeit ausgestellt, zu qualifiziren. Was mir die Feder in die Hand drückt, ist die Rücksicht, welche ich gegen den „Israelit", als ein Organ der jüdischen Orthodoxie, schuldig zu sein glaube, und setze voraus, nachdem Sie diese famose Artikelserie gegen mich gebracht haben, daß Sie diesen wenigen Worten der Abwehr und der Richtigstellung unverkürzt in Ihrem geschätzten Organ Raum gewähren werden. Große, das orthodoxe Judenthum in seinem Innersten berührenden Fragen dürfen nicht mit vorgefaßten Meinungen, sondern müssen ehrlich geprüft erwogen, und nach.dem Resultat dieser Erwägungen gewissenhaft entschieden werden. Das erheischt das wohlverstandene Interesse der Orthodoxie. In meinem erwähnten Merkchen habe ich eine solche, das Judenthum und speziell das orthodoxe Judenthum in seinem nefstcn Innern betreffende Frage, nämlich: Können und sollen die Orthodoxen den Zionismus, — d. h. die in unserer Zeit zu Tage getretene Bewegung des jüdischen Volkes, welche erstrebt Palästina zur Heimstätte des jüdischen Volkes zu machen. — selbstverständlich ist unter dem von mir gebrauchten. Worte Zionismus nur dieses, aber nicht irgend eine ketzerische „Philosophie des Zionismus", wie mir der Rezensent fälschlich imputirt, verstanden — unterstützen oder nicht, nach meiner besten jüdischen Ueberzcugung zu entscheiden versucht, und bin zu dem Resultate gelangt, daß wir selbstverständlich bei vollkommener Aufrechterhaltung unterer Prinzipien, dies thun können uno sollen. Ich habe nun durchaus nichts dagegen, daß meine Argumentation geprüft und einer Kritik unterzogen werdet Ja, .ick wünsche es. In einer so wichtigen Frage soll jeder nach feiner Ueberzeugung urtheiken// _ r I %ber dies ist durchaus nicht in der von Ihnen ge-' brachten Rezension geschehen. Der Kernpunkt 'der Frage wird.gar nicht in Erwägung gezogen — sie wird im Vorhinein als entschieden betrachtet. Der Satz: „Der Zionismus" — mag was immer unter diesem Worte verstanden sein, selbst eine mn bv wr rrsc so es nur Zionismus heißt — „ist das Grab der Thora", wird zu einem unanfechtbarem Dogma erhoben, wer daran zweifelt, ist kein orthodoxer Jude mehr. Mit dieser Voraussetzung wird nun zur Beurtheilung meiner Broschüre geschritten, und im Vorhinein nicht nur über die Broschüre, sondern auch über den Verfasser der Stab gebrochen. Da wird in dem armen Merkchen herumgesucht, was nur irgendwie die Handhabe zu einem solchen Vergehen bieten kann, muß herhalten, um die ketzerischen Absichten dieses Papaer Oberrabbiners zu erhärten, die unschuldigsten Redewendüngen, aus dem Zusammenhänge herausgerissene Satztbeile, sogar kleine Fälschungen (? Red.), darf man sich erlauben, um nur den gewünschten Beweis zu erbringen. Auch wenn es nicht in der Broschüre ausdrücklich gesagt wäre, hätte es der Kritiker sehr gut wissen können, daß ick die Abrogirung des jüdischen Religionsgesetzes mindestens ebenso entschieden verurtheile, als er — aber ich habe das Mort Zionismus erwähnt und „Zionismus ist das Grab der Thora", mithin darf mir mit „gutem Gewissen" alles mögliche 7Vc-,rr£K imputirt werden, und die Kritik erblickt in dem Merkchen nicht die Ventilirung einer ernsten Frage, nicht die versuchte Lösung eines für die jüdische Orthodorie schwierigen Problems, sondern ihm ist das ganze „Machwerk" nichts anderes als ein „Kniebeugen vor einem Kreis, wo das alte Judenthum vom Königsthrone gezerrt und über dem Grabmahl der eingesargten Thora lustig in den Winden die reinnationale Zionsfahne weht." Ich verwahre mich entschieden, daß mir eine derartige Gesinnung zugemuthct wird, und möchte auch sehr bezweifeln, daß mit einem solchen Vorgehen seitens der orthodoxen Presse die Interessen derselben gefördert werden. Mit solch* billigen Phrasen kann eine die Lebensinteressen unseres Volkes und unserer NTivx berührende Frage nicht gelöst werden. Daß Liebe für mein Volk und für Zion aus meiner Schrift spricht, soll keineswegs geleugnet wer-, den. aber seit wann sind denn nari und PN nän mit jüdischer Orthodoxie unvereinbar? und wehe uns, wenn es bei einer weiteren Entwicklung der orthodoxen Journalistik in der vom erwähnten Referenten eingeschlagenen Richtung, je dazu kommen sollte, daß jüdische Orthodoxie und Zionsfeindschaft identische Begriffe werden sollten. Ich wiederhole: ick sage nicht I von ibap. Man prüfe, erwäge und urtheile. Aber' j Verdrehungen. Fälschungen {? Red.) und Verdächtig ungen. wenn diese auch auf noch so geistreich seinlnlleNder Weise vorgebracht werden, sollten mindestens bei