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Der Israelit · 1904-05-16 · Heft 38 (16.5.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 38 (16.5.1904)
Date
1904-05-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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823 Jugend neben der allgemeinen Bildung die Kleinodien jüdischer Geistesschätze nicht vernachlässige, vielmehr, ausgerüstet mit dem Schutzvanzer religiösen Wissens und religiöser Gewissenhaftigkeit dem Kampfe der Gegenwart und ihrer Versuchungen standzuhalten vermöge. Lennfcld. Am 10. Mai feierte Herr Lehrer Wolf dahier sein 50jähriges Lehrerjubiläum. Als Anerkennung seiner sehr erfolg- und segensreichen Thätigkeit erhielt derselbe vom Großh. Oberrath der Israeliten das Bild Sr. Kgl. Hoheit des Grotzherzozs von Baden in Lebensgröße mit sehr huldvollem Schreiben. Von Nah und Fern, von Freunden und Bekannten liefen zahlreiche, herzliche Glückwünsche ein, die beweisen, wie Herr Wolf allerseits geachtet und geehrt wird. Der Jubilar, der sowohl in geistiger als auch in körperlicher Beziehung eine noch fast jugendliche Frische zeigt, war nur in zwei Gemeinden thätig — vor 22 Jahre in Großeicholzheim und 28 Jahre in Sennfeld — eine Thaisache, die man heute selten antrifft. Möge die Zukunft auch feiner Herrn Wolf nur heitere und glückliche Tage bringen. Ungarn. Budapest. (Kossuth in der Bibel.) Eine interessante, doch wenig bekannte historische Reminiscenz über Ludwig Kossuth, dem großen, ungarischen Freiheitskämpfer, auf ihre Wahrheit zu prüfen, hat jüngst Herr Sekretär Schwarz in Essek versucht. Die Reminiscenz lautet folgendermaßen: Der Vater Ludwig Kossuth's wirkte in Monok im Zempliner Komitat als Advokat und in dieser Eigenschaft setzte er üch einst in irgend einer Prozeßsache mit dem dortigen Rabbiner, der ob seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit allgemein gleichsam als Wunderrabbi verehrt wurde, in heftigen Gegensatz. Geängstigt durch diese Spannung, versuchte die fromme Mutter Kossuth's, die in ihrem Mvsticismus wahrscheinlich das Walten überirdischer Mächte fürchtete — das frühere gute Verhältniß wieder herzustellen. Zu diesem Vehufe begab sich die gläubige Christin, begleitet von ihrem kleinen Sohne Ludwig, eines schönen Tages in die Wohnung des Rabbi. Mit der ganzen Wärme der guten Gattin entschuldigte sie dort die Handlungsweise ihres Mannes, um die Verzeihung des Rabbi zu erlangen. Der freundliche Rabbi hörte die Advokatensgattin milde an und versicherte ihr schließlich unter freundlichen Worten, daß er nun nicht mehr zürne. Doch die Mutter Kossuth's begnügte sich nicht mit dieser Versicherung, sondern erbat vom Rabbi als Beweis vollkommener Versöhnung dessen Segen für ihr Söhnchen Ludwig. Nachdenklich blickte der Rabbi auf den kleinen Knaben, stellte an ihn sodann einige Fragen, welche der Junge klug beantwortete, worauf der Rabbi, seine Hand auf dessen Haupt legend, ihn mit den Worten segnete: „Nossato nes lireacho l'hissnoffes mkpne Koschet, selah!" Dü hast Deinem Freunde ein Panier gegeben. sich zu erheben für die Wahrheit. Selah! (Psalmvers 60. 6.) — Tiefbewegt dankend entfernte sich die Mutter Kossuth's. Die späteren Ereignisse ließen den ahnungsvollen Segen des Rabbi sich verwirklichen. Kossuth schwang' das Panier der Wahrheit und wurde seinem Volke der Paladin des Rechts und der Gerechtigkeit. ' Herr Sekretär Schwarz theilte diese Sage dem Sohne Ludwig Kossuth's, dem hervorragenden unga^ rischen Parlamentarier Franz Kossuth mit der Anfrage mit, ob sich in seinen Familientraditionen hierüber Anhaltspunkte finden. Hierauf antwortete der Abgeordnete Herr Franz Kossuth dem Fragesteller^ daß ihm und seinen Angehörigen diese biblische Beziehung auf das Leben seines Vaters bisher völlig unbekannt war. er sei erfreut und überrascht, daß der Name „Kossuth" sogar in der Bibel vorkomme und dankte ihm für die Mittheilung dieser ebenso sinnigen wie interessanten Renn«' niscenz. Schweiz. Basel. Dem Jahresbericht der Israelitischen Armen-Kasse in Basel für das Jahr 1903 entnehmen wir: , Die gesammten ‘ direkten Einnahmen erbrachten im Jahre 1903 13.627.91 Frs. gegen. 12.128.52 Frs. im Vorjahre, also einen Mehrertrag von 1499.39 Frs. Auch die Ausgaben weisen eine Steigerung auf. Für die Armen Basels und der nächsten Umgebung verausgabten wir 7868.44 Frs. (gegen 7767.67 Frs. im Vorjahre), während die Durchreisenden uns Kosten im Betrage von 4232.40 Frs. (gegen 4011.80 im Jahre 1902) verursachten. Noch immer wird die Kasse von durchreisenden Russen und Rumänen stark in Anspruch genommen, die entweder in der Ferne eine Zuflucht suchen, oder,, durch die rigorosen Zulassungs-Bestimmungen in Amerika gezwungen, in die Heimath zurückkehren. Wir verausgabten allein für Reiseunterstützungen 902.30 Frs. (gegen 674.25 im Vorjahre). Nur durch peinliche Sparsamkeit hat obiger Satz erreicht werden können. Rußland. Petersburg, 11. Mai. Es ist erfreulich, daß in den gebildeten Kreisen Rußlands, vielleicht unter dein Eindrücke der traurigen Ereignisse auf dem Kriegsschauplätze, die Verachtung für die Hetzer, welche die'. Exzesse in Kischinew veranstaltet hatten, immer beul-' licher hervortritt. 'So fand, vor einigen "Tagen' in, Petersburg die Generalversammlung der pädagogischen' Gesellschaft eines Vereins der Gymnasial- und Burgerschullehrer der Residenz statt, in der die Anwesenden, '

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