Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1904)
- Date
- 1904-05-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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814 erkennung tragen.-Juden sind's nicht, gemeinsam können wir nur mit solchen gehen, mit denen .uns das Gotteswort «eint" und der Abfall und die Treue, die Anerkennung und die Verleugnung, die Wahrheit und der Wahn können nicht Hand in Hand gehen. Und Heuchle! und Leichtsinn ist's, diesen Gegensatz überbrii^en zu wollen. Aber die ganze Reform ist nichts weiter als dieScheinverhü klung dieses Gegensatzes. Ihre Rabbiner leugnen, daß die Thora von Gott gegeben, leugnen, daß die Prophetie etwas anderes sei als Ausfluß menschlicher Begeisterung, und dennoch erklären sie das Judenthum nicht für ein Altweibermärchen, sondern erzählen von Gott und Thora, und wie wenn sie daran glauben würden. Und es gibt doch nur die Alternative: Ist es eine Wahrheit und keine Lüge, daß Gott heute vor viertausendzweihundertundsechzehn Jahren am Choreb Seinen heil. Willen kundgethan, und ist die Thora, welche-ihr entrollt und über welche ihr. laut bekennend, daß Gott es ist, der sie uns gegeben, den Se-! gen sprechet, wirklich die von Gott gegebene Lehre, so ist dieses euer Bekenntniß ein Hohn und Spott, wenn ihr nicht nach den Gesetzen handelt, die diese Thora vorschreibt, es vielmehr als veraltet und ungültig erklärt. Ist die Thora das W o r t Gottes, so schafft das von diesem Gottesworte verpönte Mahl aus euren Häusern, schließet eure Werkstätten, Verkaufsläden und Bureaus am Sabbat und Feiertagen — so zollet Gehorsam dieser Thora. Denn Ungehorsam ist Götzendienst, und Gehorsam, nicht Chöre und Orgel, verlangt Gott. Wollt ihr das aber nicht, und ist die Thora Menschenwerk, dann seid so ehrlich und konsequent, eure Tempel zu schließen, und den Ehrennamen Juden nur denen zu lassen, die ja noch dem Sinai geeint gegenüberstehen." Und die erste Grundlage des Judenthums ist. daß wir in dem auf dem Sinai geoffenbarten Gesetze Gottes gesetz in Wahrheit erkennen, nicht das Gesetz, welches der weise und große Moses für sein damals auf niedriger Kulturstufe stehendes Volk als am geeignetsten ersonnen und in frommer Täuschung für Gottes Wort ausgegeben hat; — und als unser Gesetz müssen wir es erkennen, welches nicht allein für ferne und vergangene Zeiten berechnet gewesen, sondern uns. unseren Kindern und spätesten Enkeln von Gott gegeben worden ist. auf daß wir es erfüllen in jedem Augenblick unseres Daseins, mit jeder Fieber unserer Kraft-und dann würden wir es erfahren, nicht der Geist, nicht die Bildung, nicht die Ehre, nicht der Reichthum vermögen wahrhaft Frieden der Menschenbrust zu bringen, aber am Schabuath-Feste. dem Feste der Gottesosfenbarung, wurde durch das darzubrivgende «Minchas Bikurim" die große Wahrheit vor die Seele geführt, daß die Unterordnung des ganzen Menschenwesens unter Gottes Gesetz keine Verkümmerung des irdischen Daseins, kein Verzicht auf Genuß und Freude sei, sondern recht eigentlich die Erlangung des wahren Lebensgenusses, der wahren Freude an den irdischen Gütern, der wahren Freiheit und Selbstständigkeit bedinge. Der Tag der Gesehesoffenbarung ist zugleich «das Fest des Schnittes der Erstlinge deiner Thätigkeit." Oede ist das heilige Land, auf welchem ehedem die Saaten als Gott geweihte Saaten reiften, um unter dem Jubel der nach dem Zionsheiligthum wallenden Schaaren, in ihren Erstlingen als Ausdruck der Gotteshuldigung getragen zu werden. Wenn aber wir allesammt. vom Schowuoth-Geiste beseelt, das Treugelöbniß zu Gott und seinem Gesetze, als unsere eigentlichste Lebensaufgabe betrachten, dann wird der Tag kommen, wo das «Schir chodosch", das neue Lied von der Rückkehr zu Gott, die Menschheit durchhallt, und die «Mincho Chadoscho". die «neue Gabe", gebracht wird von allen Völkern «ihr Erstes" als Huldigungsgabe ' ans Gottes Altar. Zettmtgsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin^ im Mai. In einer Zeit, in welcher von der Aerzteschaft mit aller Kraft die Parole ausgegeben wird, alles Trennende zu unterlassen und nach der Solidarität aller deutschen Aerzte zu streben, hält es ein Theil der christlichen Aerzte für angezeigt, ihre jüdischen Kollegen einfach zu boykottiren. Diese auffallende Thatsache geht deutlich aus den nachstehenden Inseraten von Privatärzten hervor, die christliche Assistenten oder Vertreter suchen: In der Nr. 5 der «Münchener Medizinischen Wochenschrift" vom 2. Febr. 1904 sucht Dr. G. Liebe. Waldhof. Elgershausen, Kreis Wetzlar, für seine Heilanstalt für Lungenkranke einen appr. christlichen Assistenten: Dr. Dietel in Zwickau für seine Privatfrauenklinik einen Assistenzarzt (Christ); Dr. Wolf in Dresden ll während seiner Reconvalescenz einen christlichen, in allgem. Praxis etw. erfahrenen Assistenten; in der Nr. 6 derselben Zeitschrift vom 9. Februar dss. Js. sucht das Sanatorium Berlin W. sofort tüchtigen christlichen Assistenten; in der Nummer 19 vom 10. März sucht Dr. Wüster in Dresden-Löbtau j einen Assistenten, Christ, für die Praxis; Dr. B. Lange, Straßburg i. E., Poststr. 13, einen chirurgisch vorgebildeten Assistenzarzt unter Angabe über Studiengang, Familie und Religion; in der Nummer 11 t»m 18. . März die Heilanstalt für Gemüths- und Nervenkranke «Lindenhof" in Coswig bei Dresden einen christliö^n Assistenzarzt mit etwas psychiatrischer Vorbildung.