Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 38 (16.5.1904)
- Date
- 1904-05-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. 'M 38. Ein Ientrat-Hrgan für das orthodo-ee ZudenLHum. Begründet von Wf. in Dnini. Morrtsg, den ZUIN Feste "unserer Gesetzgebung. Pesach brachte uns die Freiheit, Schobuoth das Gesetz. Pesach ließ uns zu Menschen werden, Schobuoth zu Juden. Pesach führte uns aus Egyptens Frohnjoch, Schobuoth ließ uns um Horebs Höhe sammeln. Ja sammeln, „Und Israel lagerte gegenüber dem Berg." „Mit einmüthigem Sinn und einmüthigem Herzen, während bei jedern anderen Lagern Streit und Zank, ist" (Rasch! z. St.). Und wollen wir heute erkennen, wie wir den Bund gehalten, in welchem wir am Sinai zu Gott getreten, wie weit wir es verstanden treue Enkel der Ahnen, die das Gesetz empfingen, zu sein, wie tief das Sinaiwort in unserer Mitte Wurzel gefaßt, dann dürfte es wohl keinen besseren Gradmesser dafür geben, als den, ob der Sinai auch für uns seine sammelnde, einigende Kraft habe, ob auch heute ganz Israel „einmüthig gegenüber dem Berg lagert". Noch ist's kein Monat her, da kamen in der Reichshauptstadt aus allen Theilen Deutschlands jüdische Männer zusammen, die es zweifellos ehrlich und redlich mit dem meinten, was sie sprachen. Einen allgemeinen Verband deutscher Juden. Und was war das erste Statut dieses Verbandes? „Religiöse Fragen sind ausgeschlossen." Es ist nur ein Symptom, aber ein charakteristisches Symptom, für die so triibe und bedauerliche Zerklüftung, die in unserer Mitte herrscht. Heute eint uns nicht das Gottesgesetz, sondern es trennt uns. Juden, Menschen die auf Gottes weiter Erde keine andere Mission haben, als eben — Juden zu sein, Gottes offenbartes Gesetz hindurchzutragen durch der Völker Mitte, und sich von diesem Gesetz nicht Hinweglorken und nicht hinwegdrohen zu lassen, diese Juden bilden einen Verband mit der ausgesprochenen Absicht, von diesem Gesetze darf nichts gesprochen werde«. Das Gottesgesetz einte 2. Siwan 5664. 1«. 'Mai 1904. uns am Fuße des Sinai, aber auch Jahrtausende später, als wir von Land zu Land getrieben, ohne eigene Scholle dem Hohn und dem Druck einer ganzen Welt ausgesetzt waren, da schuf uns das Gotteswort eine kleine Welt, die wohl hinter Ghettomauern eingepfercht war.aber in dieser kleinen Welt da feierte das Gotteswort seine höchsten Triumphe, ließ in so reicher Seligkeit, in so unzerstörbarer jüdischer Heiterkeit seine Bekenner und Pfleger alles Herbe und Bittere ertragen, daß uns unwillkürlich der Unterschied auffällt, wie im Gegensatz zur heutigen Zeit wir doch relativ so wenig Klagen über den damaligen „Antisemitismus" hören. Weil unsere.Ahnen wußten, wofür sie litten, weil unsere Ahnen sich eins wußten mit den Vätern, die am Sinai gestanden. Und das haben wir nicht, wir „stehen nicht einig, eins mit unseren Vätern, mit unseren Ahnen dem Berge gegenüber". Wenn heute Moses unter sein Volk träte, und er würde suchen und würde bei den Kindern fragen, die ihm vielleicht Bescheid geben könnten, was Hellas Myhcnwelt war. wie der Walhalla Bewohner heißen, aber die eigene Welt, die jüdische ist ihnen fremd. Und trenn Moses in die Bethäuser treten würde, und die in Sammt und in Seide gehüllte Thora sehen, und die rauschenden Orgelklänge hören würde, und wenn unser Lehrer Moses dann nach Stätten suchen würde, an denen „gelernt" wird, und würde keine finden, würde er dann dieses Volk als das seine betrachten, als die Nachkommen jener um den flammenden Sinai Versammelten, die so freudig ihr „Naase wenischmo"- Gelöbniß ablegten. Nein, das sind nicht unsere Glaubens genossen und trügen sie noch so unverkennbar die Zeichen ihrer Stammes genoffenschaft, , und glänzte ibr Name noch so hell in den Annalen der Wissenschaft und Kunst, und möchte ihre Größe noch so sehr den Legierstempel — selbst nichijuoischer An-