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Der Israelit · 1904-05-11 · Heft 37 (11.5.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 37 (11.5.1904)
Date
1904-05-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45, Jahrgang. m sr. © El» KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthunr Begründet von t>r. in Önins. Mittwoch, den 26» Jjar 5664, 11, Mat 1904. Also sprach j)hilippson! (Schluß.) Ivl. Mainz, 10. Mai. Wir, die das Erbe der Väter rein und ungeschmälert auf unsere Kinder und Enkel vererben wollen, wir stehen dem Gedanken eines Zusammengehens und Zusammenwirkens mit unseren Liberalen durchaus ablehnend gegenüber. Wir müssen daher konstatiren, dass Herr Dr. Adler-Lübeck seinen Antrag, daß der neue Verband auch die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" zum Anschluß an die Gesammtorganisation auffordern soll, aus eigenem Antriebe gestellt hat. Von der „Freien Vereinigung" hat er kein Mandat hierzu erhalten. Wir machen nicht mit, das wissen die liberalen Herren, und es ist merkwürdig. daß uns unsere Gegner besser kennen, als unsere friedliebenden Freunde. Wir fürchten zwar die Liberalen nicht, wir fürchten sie nicht, so lange sie uns und wir ihnen feindlich gegenüberstehen, aber wir fürchten sie, wenn sie unsere Freunde werden wollen. Aber selbst von ihrer Freundschaft fürchten wir nichts, die wir die liberalen Phrasen in ihrer ganzen Hohlheit und Leere durchschauen können, sondern wir fürchten für die grosse Masse des jüdischen Volkes, die nicht in der Lage ist. Schein von Sein zu unterscheiden, die nicht gewillt und zum weitaus grösseren Theil nicht geschickt genug ist, um die Maske von dem wahren Wesen der Dinge zu entfernen, die es nicht gelernt hat, hinter die Coulissen zu blicken. Für diese unsere Brüder wäre Gefahr, wenn wir uns verleiten ließen, tolerant und conciliant werden zu wollen, wenn wir mit den liberalen Kreisen in einem Verbände für das Judenthum wirken wollten. Diese könnten mit Recht fragen: Wozu uns das schwerere Judenthum, wenn das leichtere auch Judenthum ist? Wozu uns all die „Ceremonien" und Er- ° schwerungen, wenn man auch ohne sie Jude ist? Wozu uns der Sabbat, dessen Feier mit solch' ungeheuren Opfern verbunden ist, wenn man mit Sabbatschändern, als mit gleichberechtigten Faktoren im jüdischen Leben, verkebren darf und soll? Wozu uns die Speisegesetze, die Reinheitsvorschriften, wenn man mit Uebertretern dieser Gesetze paktirt? Auch ohnedies ist die Verwirrung der Begriffe so gross und hat schon solch' unermeßliche Schäden dem Judenthum zugefügt, dass es ein Verbrechen wäre, diese Verwirrung zu vergrößern. Auch heute wissen schon gar Viele, dank der „segensreichen" Thätigkeit der Kompromißorthodoxen, nicht' 0ZD' s'2 zwischen rechts und links zu unterscheiden, zwischen den na:» und den c’jox v'ivE den Ja- und Amensagern, und wir sollten die Hand dazu bieten, die Gegensätze noch mehr zu vertuschen? Wir sollten die Interessen des Judenthums im Verein mit Kreisen vertreten, die schon längst mit dem Judentum gebrochen haben, deren ganzes Sinnen und Trachten darauf ausging, das wahre Judenthum in Vergessenheit gerathen zu lassen, die mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln das orthodoxe Judenthum in Misskredit zu bringen versuchten, die in des Wortes wahrster Bedeutung vorn PN den Weg zur Wahrheit gemordet haben? ' Nein, es führt keine Brücke von ihnen zu uns und von uns zu ihnen. Oder sollten wir mit ihnen zusammen unser Judenthum vertheidigen, unser Judenthum, das nicht das ihrige ist. Ein Passus in den Statuten des neuen Verbandes lautet: „Religiöse Fragen dürfen nicht diskutirt werden, es sei denn, daß es sich um Abwehr von Angriffen handelt." Dieser Passus ist so lehrreich und so bezeichnend für das ganze System, daß wir ihn unbedingt näher untersuchen müssen. „Religiöse Fragen dürfen in dem Verbände der deutschen Juden nicht besprochen werden," so lautet der erste Theil dieses Paragraphen. Wenn man

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