Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 36 (9.5.1904)
- Date
- 1904-05-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450020--60606-2521563- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
45, Jahrgang. M S«. Gn KenLrat-Hrgan für das ortyodore Iudenlyum. Begründet von «r Tehmsnn Ui Oaittf. toritag, de« 24. Jjar 5064, 9, Mai 1904, Tn ZixliisNs des fttyur Acmkibilins. Rritisch beleuchtet von Raphael Breuer. in. Im IV. Abschnitt seiner Broschüre versucht der Verfasser die Frage zu beantworten, woher es denn komme, daß der moderne Zionismus in orthodoxen Kreisen nicht den Anklang und die Verbreitung gefunden, die er doch, „vermöge seines inneren Gehaltes", verdient. Wenn der Herr Verfasser diese auffallende Erscheinung, die ihn selber offenbar sehr peinlich berührt, damit zu erklären sucht, daß man es den Orthodoxen nach all den traurigen Erfahrungen, die sie im letztverflossenen Jahrhundert gemacht, nicht verdenken könne, wenn sie mit einem gewissen Mißtrauen gegen alles „Neue", das ihnen von „aufgeklärter" Seite geboten wird, erfüllt sind, und daß dieses Mißtrauen dem modernen Zionismus gegenüber, an dessen Spitze keine gesetzestreuen Männer stehen, wenn auch nicht gerechtfertigt, so doch psychologisch sehr erklärlich ist, so sind damit, wie wir gesehen haben, die orthodoxen Argumente keineswegs erschöpft, ist aber doch bannt der Kern der Sache scharf genug berührt, daß wir begierig sein können, wie der Herr Verfasser die Grundlosigkeit dieses Mißtrauens darzulegen vermag. Die Abfertigung, die der Verfasser dem orthodoxen Mißtrauen zu Theil werden läßt, wird die Leser so ungemein interessiren, daß ich es mir nicht versagen kann, sie hier wörtlich — an den Pranger zu stellen: „Wir erwidern hierauf folgendes: In erster Linie ist das hohe Ziel und die große Tragweite, die der Zionismus für uns hat, viel zu wichtig, als daß ujtS dies nicht veranlassen könnte, die Angelegenheit rein objektiv zu beurtheilen und eingedenk des Spruches unserer Weisen vom »22 naia pbnpa die Wahrheit anzunehmen, von welcher Seite sie auch kommen mag, und das Wesen der Sache von der Frage der Personen zu trennen. Des Ferneren wollen wir bedenken: daß von dem Momente, wo diese an der Spitze stehenden Männer sich in Dienste der jüdischen Nation gestellt, wo sie mit großem jüdisch-brüderlichem Herzen die Vereinigung unseres Volkes liebevoll erstrebend, die Fahne des jüdischen Nationalismus entfaltet, und mit ihrer Action Tausende unserer Brüder, die früher das Judenthum verleugneten, dem Judenthum zurückerobert haben, von diesem Momente müssen wir, unbeschadet unseres tiefen Bedauernsüber ihren unreligiösen Lebenswandel, ihnen unsere Hochachtung, als nnvr<2 im '21X2 ',ivv und in gewissem Sinne als evm nn '272 unsere Anerkennung zollen. „Wir wollen ferner erwägen, daß vermöge der eigenartigen Verhältnisse, in welchen sich unser Volk in unserer Zeit befindet, eine erfolgreiche geistige Bewegung zu nationalen Zwecken, nur von der Initiative der nicht frornmen Kreise zu erhoffen war. Gesetzt den Fall: das gesetzestreue Jüdenthum hätte in seiner Mitte einen Mann mit den Fähigkeiten und Geistesgaben eines Dr. Herzl und dieser wäre mit der neuen Idee des jüdischen Nationalismus in die Oeffentlichkeit getreten — er würde in.den Kreisen der „Gebildeten und Aufgeklärten" sicherlich nicht jene Erfolge erreichen, wie sie Dr. Herzl zu verzeichnen hat. Man würde denselben höchstwahrscheinlich als bigotten Schwärmer, seine Ausführungen, wenn dieselben noch so geistreich begründet wären, doch nur als Ausfluß der in der öffentlichen Meinung leider so sehr im.Ansehen gesunkenen jüdischen Frömmigkeit mitleidig be- - lächeln. Ist ja der „Judenstaat" von Herzl selbst von vielen Seiten verlacht worden. Aber die Persönlichkeit Dr. Herzls, seine sonst freisinnigen Anschauungen, die