Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1904)
- Date
- 1904-05-05
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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768 da sie, in ihrer Abtrünnigkeit von Thora und Mizwoth, von gesehestreuen Juden als Brüder anerkannt, nothwendig zur Erkenntniß gelangen müssen, dass jüdische Gesetzestreue ein Luxusartikel sei. der das Wesen des Judenthunrs nicht ausmache. Freilich meint der Verfasser auf S. 28, daß es selbst bei der einseitigsten Entwicklung des Judenthums nach nationaler Richtung hin, niemals dazu kommen werde, daß der nationale Gedanke den religiösen ganz verdrängen werde. Noch gäbe es in der Menschengeschichte kein Beispiel, daß irgend eine Menschengemeinschaft den Gedanken an Religion ganz entbehren könnte. Kein Volk und keine Nation existire auf Erden, die nicht irgend ein religiöses Glaubensbekenntniß hätte, daß zu befürchten wäre, das nationalistisch entwickelte Judäa könnte einstmals religionslos dastehen. Immer werde dasselbe eine Religion haben müssen, und diese könnte doch selbstverständlich keine andere sein, als die angestammte jüdische. Also nur wacker darauf losgestürmt gegen das Heiligthum des jüdischen Gesetzes! Speit Eurer Mutter nur schonungslos in's Angesicht und rühmet Euch dessen im Kreise gleichstrebender Genossen! Tretet sie mit Füßen. Eure Mutter, bohrt ihr ein Schwert mitten in's Herz hinein, und wenn sie röchelnd Euch zu Füßen liegt, dann versetzet ihr nur noch einen Fußtritt — es schadet nichts, der Oberrabbiner von Papa hat mit weiser Kennermiene versichert, davon sterbe man nicht, die jüdische Religion kann unmöglich sterben, deßhalb schadet es gar nichts, wenn man sie einstweilen, bis die Zeiten günstiger werden, an den Marterpfahl nagelt, sie wird sich schon wieder erholen. Und so etwas wagt der ehrwürdige Oberrabbiner von Papa seinen Lese.rn aufzutischen! — Nachdem der Verfasser von S. 29 ab eine ausführliche Schilderung des internationalen Antisemitismus' entworfen, die Organisationsbestrebungcn der Alliance isrcuMe universelle und des „großen" „Baron Hirsch n'v " besprochen, die Bedeutung des rein nationalen Gedankens für das gesetzestreue Judenthum (eine fixe Idee!) noch einmal an der Hand von zionistisch gedeuteten Bibelversen eingehend gewürdigt, faßt er seine Darlegungen auf S. 45 dahin zusammen, daß. wenn auch vielleicht die nationale Idee von den derzeitigen Wortführern des Zionismus nicht in dem vom Verfasser dargelegten Sinne aufgefaßt werde, dies in seinem Urtheile über den Zionismus nichts zu ändern vermöge. . , Wir stehen hier wieder vor einem grellen Widerspruche des Verfassers. Auf S. 25 ladet er die gesehestreuen Juden zum Anschluß an die zionistische Bewegung mit dem Bemerken ein, daß die maßgebenden Führer des modernen Zionismus wiederholt entschieden erklärt hätten, die religiöse Ueberzeugung jeder einzelnen Partei und selbstverständlich in erster Linie die der Gesetzestreuen achten und nichts unternehme» zu wollen, was geeignet wäre, dieselbe zu verletzen. Sind aber die Wortführer des Zionismus in einer Beziehung kompetent, dann dürfen sie auch in einem andern Falle nicht ohne Weiteres bei Seite geschoben werden, zumal es direkt widersinnig erscheint, sich ein zionistisches' Heerlager vorzustellen, das aus lauter einzelnen Fraktionen besteht, von denen sich jede einen anderen Zionismus zurecht legt als die andere. Darum herbei ihr Bachurim all, Ungarns Bachurim herbei — der Popener Row ist wieder Harb! (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. Oesterreich. Wien. (Ein jüdischer Korvetten- Kapitän.) Der Vizeadmiral z. D. Paaschen veröffentlicht in der „Deutschen Revue" Skizzen aus seiner Dienstzeit in der österreichischen Marine. Da heißt es: „Ich gedenke noch einer letzten Episode meiner österreichischen Dienstzeit. Der Herbst des Jahres 1866 brachte durch den Abzug der französischen Garnison aus Rom die Freiheit des Papstes in Gefahr. Man befürchtete eine Revolution, und Oesterreich entsandte zum Schutze des Papstes die Korvette „Erzherzog Friedrich", zu deren erstem Offizer ich ernannt worden war, nach Civitavecchia. Mit Hinblick auf die Heiligkeit des Zweckes, aber in der Eile und in den Wirren nach dem verhängnißvollen Kriege, war die Auswahl des Stabes bezüglich der Konzession in wenig sorgfältiger Weise erfolgt. Nur die Minderzahl bestand aus Katholiken, ja der Kommandant war — horribile dictu — glaubensfreudiger Jude, ich. der nächste, lutherisch, dann gab es noch mehrere Protestanten und einen Griechen. Wir geben uns indessen der Hoffnung hin, daß der Papst hiervon nichts bemerkt hat und sirb im Falle der Nothwendigkeit einer Flucht in unseren Armen vollkommen sicher gefühlt haben würde." Ungarn. Tokoy, 25. April. Am 24. dieses Monats verstarb plötzlich der als Talmudgelehrte und großer Zadik hochberühmte Rabbiner zu O. Liszka (Eomitat Zempl^n), Verfasser des in Fachkreisen sehr geschätzten talmudischen Werkes ro-QTi bv. Trotzdem die Kommunikation durch den bestehenden Streik der Eisenbahner gestört war, versammelten sich am darauffolgenden Tage viele Hunderte Religionsgenossen aus den benachbarten Gemeinden, um dem großen Manne das letzte Geleite zu geben. Trauerreden hielten die Herren Oberrabbiner Glück-Tolesva, Winkler-