Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 35 (5.5.1904)
- Date
- 1904-05-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450019--60597-2521553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
45. J-chrg-«-. Zweite Aeikage z« Jfi 35 dss »Zsraekit.'' D« Amsms Lcs Aiilln 8l>m«ldbi«tts. Kritisch beleuchtet von Raphael Breuer. il Die Begeisterung des Verfassers für den rein nationalen Gedanken fließt aus zwei Quellen. Er erscheint ihm nothwendig zur Erreichung des Zieles, das sich der moderne Zionismus gesteckt, ferner zur Neubelebung des Nationalbewußtseins im eigenen, orthodoxen Lager. Das zionistische Ideal — Errichtung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk — könne begreiflicherweise, wie jedem Einsichtigen einleuchten werde, nur durch Vereinigung des ganzen jüdischen Volkes erreicht werden. Da sei es nur der nationale Mittelpunkt, der das in religiöse Parteien stark zerklüftete Judenthum zu einer gemeinsamen Thätigkeit zu sammeln, zu concentriren und „es zu einem, auch auf dem Gebiete der Politik in Anbetracht zu ziehenden Faktor zu gestalten vermag". Wie schade, daß der Papaer Oberrabbiner seine conciliatorischen Kräfte im Veßprimer Komitat vergeudet. Als Vorstandsmitglied des Allgemeinen Rabbinerverbandes in Deutschland würde sich ihm ein weit ersprießlicheres und ausgedehnteres Feld eröffnen, das in religiöse Parteien stark zerklüftete Judenthum zu einer gemeinsamen Thätigkeit zu sammeln, zu concentriren und es zu einem auch auf dem Gebiete der Politik in Anbetracht zu ziehenden Faktor zu gestalten! Wirklich jammerschade! Und mit welch' bewunderungswürdiger Kaltblütigkeit der Herr Oberrabbiner die Zweitheilung von „National" und „Religiös" wieder aufnimmt, obwohl er klipp und klar zwei Seiten vorher nachgewiesen, daß, „objektiv genommen." die heilige Lehre keinen Unterschied kennt zwischen „Religiös" und „National", und jetzt mit der ausgesprochenen Absicht, einen religionslosen, nationalen Mittelpunkt zu schaffen, sich zu der Konzession versteht, über seine Religiösität einen Schleier zu werfen, damit nur keiner Anstoß daran nimmt, damit ein friedliches Zusammengeben nicht von vornherein ausgeschlossen sei, und alle, ave ohne Ausnahme, wetz Bekenntnisses auch immer, sich zu gemeinsamer Arbeit sammelten. Herbei Ihr Bachurim Ungarns alle, die Ihr in Lösung talmudischer Schwierigkeiten eine Fertigkeit erlangt habt, versuchet doch einmal Euren Scharfsinn an dieser Unbegreiflichkeit zu wetzen— der Popener Row ist Harb! Aber noch in anderer Beziehung erscheint dem Verfasser die Belebung des jüdisch-nationalen Gedankens von gebieterischer Nothwendigkeit. Der geehrte Herr Verfasser macht nämlich in unbeschreiblichem Herzenskummer die betrübende Wahrnehmung, daß auch in vielen gesetzestreuen Kreisen das nationale Leben und Empfinden stark vernachlässigt werde, indem sich viele statt n&a pnr ,vn-2rr Arpad. Isidor, Carl und Moritz nennen (S. 22), daß ferner in schmählicher Verkennung des cvb 'b csr» Gedankens der deutsche Jude sich für berechtigt hält, auf den ungarischen als auf einen Halbasiaten, der ungarische auf. den Pollack, der Pollack auf den Litwack mit Geringschätzung herabznblicken (S. 23). Nachdem dann der Verfasser über ein Witzwor! mittelmäßiger Qualität ’Xnoi pnbbrrv vwoo iven i-po hüte dich, mein Sohn, vor einem Millionste! Pollack und einem halben Millionstel Litwack, seiner gerechten Entrüstung Ausdruck verliehen, gelangt er zum Resultat, daß die Fahne des jüdischen Nationalismus auch in den Kreisen des gesetzestreuen Judenthums zu entfalten sei, damit das durch unser G o l u s - Geschick in den Hintergrund gedrängte „Iüdisch-Nationale" durch das rein Religiöse nicht ganz verdrängt' werde (24)." Also das „Jüdisch-Nationale" hat auf Dr. Herzl warten müssen, um in gesetzestreuen Kreisen zur Anerkennung zu gelangen! Bis dahin war in jüdischen Kreisen das „Jüdisch-Nationale", d. h. der „jüdischnationale" Stolz, der sich Niederdrücken, aber nicht brechen, stoßen, aber nicht zerdrücken läßt, war das Bewußtsein der jüdisch-nationalen Bestimmung, des jüdisch-nationalen Berufes etwas so gänzlich Unbekanntes, etwas so sehr in den Hintergund gedrängtes, daß der Papaer Oberrabbiner mit der zionistischen Fahne in der Hand kommen muß, um dem national-jüdischen Gedanken das verlorene Terrain zurückzugewinnen! Und von wem ward das „Jüdisch-Nationale" zurückgedrängt? Vom rein „Religiösen"! Als ob der jüdischnationale Stolz kein religiöser wäre, als ob er nicht mit Außerachtlassung des rein.Religiösen seinen ganzen Inhalt verlöre, als ob die Erfüllung des sabbatlichen Werkverbotes nicht ebenso eine jüdisch-nationale That wäre, die der nationalen Bethatigung nur unendlich größere Opfer und Entsagungen auferlegt, als die jüdische Namengebung, und der Zionist nicht besser daran thäte. statt mit Emphase sich Abraham zu nennen und jüdisch-nationale Lieder zu singen, lieber den Namen Arpad zu führen, sich still zu verhalten — und dafür am Sabbat nicht zu schreiben! Wahrlich, Herr, in unsererZeit Oberrabbiner einer großen jüdischen