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Der Israelit · 1904-04-28 · Heft 33 (28.4.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 33 (28.4.1904)
Date
1904-04-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jahrgang. Zweite Meilage zu M 33 des „Israelit?' Erster Deutscher IZudentag. (Original-Bericht des .Israelit".) (Schluß aus der ersten Beilage.) Durch die Betonung unseres Zusammenhangs, durch das kühne und selbstbewußte (Eintreten für unsere Rechte, für unsere Ehre, müsse den Juden gezeigt werden, daß sie keine schwachen Rohre mehr im Winde seien. Gelegentlich müsse man sich auch nicht davor scheuen, gewissenlosen Abfall vom Judenthum zu brandmarken, mit der ganzen Wucht der ehrlichen Uebcrzeugung. Wenn es noth thue, müsse auch eine Lertheidigung gegen feindliche Angriffe übernommen werden. Der Schwerpunkt des neuen Verbandes werde also in der täglichen geräuschlosen und unermüdlichen Arbeit des Ausschusses bestehen, doch müsse auch von Zeit zu Zeit eine öffentliche Versammlung der Delegirtcn Deutschlands zusammentreten, um dem Ausschuß die Wege zu weisen, die Ziele von neuem sestzustellen. Unsere Zeit sei die der Öffentlichkeit, alle Interessen können und müssen in der Öffentlichkeit behandelt werden, wenn sie zu einem gedeihlichen Ziele führen sollen. Die Juden seien am allermeisten ge nöthigt, mit ihren Wünschen in das volle Licht der Öffentlichkeit zu treten, man müsse sehen, daß die Art, wie sie ihre Wünsche und Rechte zu verwirklichen suchen, nur auf dem Gebiete der Rechtlichkeit und Ehrenhaftigkeit sich vollziehe. Für unsere Bestrebungen müsse ein Widerhall gefunden werden bei unseren eigenen Brüdern und auch draußen in unserem Vaterlande, soweit dort die Gesinnung für Recht und Freiheit verbreitet sei. Es könne nicht ausbleiben, daß in solchen öffentlichen Versammlungen ein mißfälliges Wort geäußert werde, ein Gedanke, der vielleicht ungeeignet sei, aber eine Korrektur der Mängel der Oesfeutlichkeit gebe nur die Öffentlichkeit selbst. Betreffs der Gesichtspunkte, welche bei der neuen Organisation leitend gewesen seien, hätte es ja von vornherein auf der Hand gelegen, daß die eigentliche Grundlage des Verbandes nur die Gemeinden des deutschen Israel hätten sein können in möglichster Ausgleichung, damit ungefähr immer die gleiche Zusammensetzung des Verbandes besiehe. Die Abgeordnetenwahl hätte aber nicht auf das allgemeine Stimmrecht begründet werden können, tveil dazu das Material fehle und der Verband keinerlei amtliche Macht besitze. Es hätten nur die offiziellen Vertreter der jüdischen Gemeinden aufgefordert tverden können, die ja schließlich auch durch Wahl, wenn auch durch indirekte, hervorgegangen seien. Ob später eine allgemeine Wahl eintreten könne, müsse noch dahingestellt bleiben. Reben den Gemeinden hätten dann die großen historisch gewordenen Verbände, die Bezirks- und Provinzialverbände, die Centralverbände, die Verbände der bayerischen und badischen Israeliten, die elsaßnchen Konsistorien in Betracht kommen müssen und endlich viele hervorragende Einzelpersonen, die ein Anrecht darauf hätten, daß ihre Stimme in dem Rathe des deutschen Israel gehört werde. Auch der Einwand, warum zu den bestehenden großen Verbänden noch ein neuer gegründet werde, sei hinfällig. Dieser Einwand hätte sich vielleicht schon daran stoßen müssen, daß es gerade die Leiter der beiden centralen Vereinigungen, des D. I. G. B. und des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, gewesen seien, die sich mit am lebhaftesten an der Gründung betheiligt hätten. Die Thätigkeit des D. I. G. B. sei auf das Innenleben der jüdischen Gemeinden gerichtet, auf die Hebung der Religion und Kultur innerhalb der jüdischen Gemeinschaft; in seinem Statut, auf Grund dessen er die Rechte einer juristischen Person besitze, sei der Ausschluß jeder Art von politischen Angelegenheiten sanktionirt. Dem Centralvereine deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens fehle andererseits doch diejenige Autorität, die eine offizielle oder offiziöse Vertretung des deutschen Judenthums allein ausüben könne, er sei immer nur ein Verein von Privatpersonen. Einstweilen würden diese Verbände mit dem großen Verbände der deutschen Juden einträglich Zusammenwirken zum gemeinsamen Heile Aller. In der heutigen Versammlung seien grundsätzlich nur zwei Länder nicht vertreten, Württemberg und Bayern. Die württem bergischen Glaubensgenossen hätten darauf hingewiesen, daß ihnen ihre staatliche Organisation die Dheilnahme an solchen immerhin politisch gefärbten Bestrebungen, wie sie der Verband verfechte, nicht gestatte. Es stehe zu boffen, daß der echt schwäbische Partikularismus und Individualismus, der vielleicht dieser Entschuldigung unbewußter Meise zu Grunde liege, vor den Bortheilcn des gemeinsamen Zusammenschlusses verschwinden werde. Den bayerischen Glaubensgenossen gestatte nach ihrer Angabe das bayerische Vereinsgesetz nicht den Anschluß an einen außerbayerischen Verein. Dem Verbände seien aus Gemeinden im eigentlichen Bayern in der Pfalz Beweise der lebhaftesten Sympathie und des größten Bedauerns zugegangen, nicht Mitwirken zu können. Der Augenblick werde kommen, wo ein Ausgleich auf Grund des bayerischen Gesetzes zu Stande kommen werde, und es dürfe fest vertraut werden, daß diejenigen, die noch draußen stehen, spater dem Verbände beitreten tverden. „Wir alle. Orthodoxe und Nichtorthodoxe," so schließt der Redner unter dem lebhaftesten Beifall der Versammlung, „alle diejenigen, die sich des Namens Jude mit Stolz bewußt werden, müssen zusammenstehen in diesem gemeinsamen Kampfe, der die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise ausschließt, und wie einst das kleine und zersplitterte Schweizervolk Macht und Ansehen erlangt hat durch Einigkeit, so werden auch wir dem Spruche des theuersten und volksthüinlichsten deutschen Dichters

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