Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 29 (14.4.1904)
- Date
- 1904-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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rj*r«o. iz ZsrKKlik. «# . Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentyum. Begründet von W*J}tnanu r« Oafttf. Dorrserstag, den 2S. Nisan 5664. 14. A-ril 1664. Ae AchiHtst im ßWa gflrniHfnlckiL Mn SettAld. Vou Kantor O. Kroner, Bartenstein O.Pr. Die Familie, wie sie sich bei den Juden bis in die Gegenwart hinein durch inniges Zusammenleben des Mannes und Weibes, der aufopfernden gegenseitigen Hingebung der Eltern und Kinder auszeichnet, verdient nicht nur unsere Aufmerksamkeit, sondern auch die aller Andersgläubigen. Wodurch sie sich so segensreich aufgebaut hat, was sie zu dieser wahrhaft sittlichen Bedeutsamkeit erhoben, das bewirkte die Religion, die Heiligkeit und Liebe. Auf diesen mosaischen Institutionen ist die Familie im Judenthum so herrlich aufgewachsen und hat solche schöne Blüthen getrieben. So lange die Religion als Herrscherin, der Gottesglaube und mit ihm die Liebe zu-dem Althergebrachten geehrt und geachtet worden, weilte die Zufriedenheit in bescheidener Demuth m den Wohnungen Israels. Zufriedenheit und gar Bescheidenheit ist langst aus unserer Mitte — nicht «ut im Judenthum — geschwunden. Unser Zeitalter lebt in einem Entwicklungsstadium des Fortschritts; jedoch dieser Fortschritt wird leider fälschlich auch in der Religion geübt. Das Judenthum war von jeher empfänglich für alle Neuerungen und folgte nicht immer den guten, sondern auch bösen Beispielen. Dies lehrt uns die Geschichte und auch die Gegenwart. Durch Anschließung an die Neuerungen, die auf dem Gebiete des Religiösen geschaffen werden, indem mau mit den alten Traditionen, den ehrwürdigen, überlieferten Gebräuchen bricht, glaubt man, einen Fortschritt zu zeugen, mit dem man stolz sich brüstet. Und wie viele nennen höhnend denjenigen, welcher bescheiden an den Gebrauchen seiner Vater festhält und sie in heiliger Ehrfurcht ausübt: Zeinen von der alten Welt," oder tvomöglich „beschränkten Menschen." Die so viel geschmähte alte Welt! Ja, sie ist alt. aber auch desto ehrwürdiger. In der alten Welt lebten unsere Eltern und Voreltern, die uns durch ihr Beispiel, Erziehung gaben; durch die wir das geworden, was wir sind. Und wenn wir von ihren Beispielen, von ihrem religiösen Vorbilde abweichen, so bezeigen wir uns hiermit nicht nur ungehorsam, sondern auch pietätlos. Auf die Pietät gegen Eltern baut sich das Wohl der Familie, und aus dieser das Wohl der Gesellschaft und des Staates auf. Wer sich seiner Religion schämt, schämt sich seiner Eltern und Vorfahren. Und eine Furcht vor Menschen bekundet bekanntlich Feigheit, dagegen Furcht vor Gott nur Ehre; möge es denen zur Lehre sein, die mit ängstlicher Scheu alles meiden, was jüdisch heisst. Blicken wir zurück auf vergangene Zeiten und wir dürfen garnicht zu weit gehen, wie sah es da im jüdischen Familienleben aus! Es gibt wohl wenige israelitische Brüder und Schwestern, die mehr oder weniger sich nicht gern des so anmuthigen, bei keinem Volke so schönen, innigen Familienlebens erinnern, welches sich insbesondere bei religiösen Festen zeigte. Wo man noch die strengen, religiösen Vorschriften übte und noch üben mag, da wird schon allein die Vorbereitung zu einem dieser Feste, mit einer Ehrfurcht und Liebe betrieben, die ein freudiges Empfinden in allen Herzen hervorruft. Die Heiligkeit war fast ausnahmslos vorherrschend in allen israelitischen Häusern, in allen Familien. Es wurde mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit darauf geachtet, daß nur keine von den Vorschriften und Gebrauchen versäumt ward, um alles rechtzeitig nach Gesetz und Ordnung vor Beginn des Gottesdienstes. vorbereitet und fertig gestellt zu haben. Und wahre Sabbatruhe kehrte dann ein, mit seiner erhöbe-, nen Heiligkeit und Liebe, in das jüdische Haus.