Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1904)
- Date
- 1904-08-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1370 lichrn Umfanges fassende Heft bietet eine reiche Fülle äußerst interessanten litterarischen und Illustrations- Materials. Eine Reihe hervorragender Männer 'aus allen Länden», die dem Verewigten im Leben nahe gestanden haben, vereinigten sich, um dem edlen und seltnen Manne ein Denkmal von bleibendem Werth zu setzen. Die Abhandlungen bieten nicht nur höchst werthvolle Beiträge zum besseren Verständniß des Mens ch e n Herz! und den Bestrebungen des Führers Hcrzl, sondern gewähren auch tiefe Einblicke in die innere Geschichte der zionistischen Bewegung, sowohl nach der intern-organisatorischen, als auch nach der externen diplomatischen Seite hin. Den Reigen eröffnet der berühmte Orientalist und persönliche Freund des Sultans. Prof. Dr. H. V a m b e r y. Budapest, der in fesselnder Weise über die von ihm eingeleiteten Beziehungen des Zionistenführers zur Hohen Pforte berichtet, wie auch über die Beurthcilung. die die Bestrebungen Her.zls am Goldenen Horn fanden. Der hervorragende Wiener Publizist. Redakteur der ..Neuen Freien Presse". Dr. W. Goldbaum, ein langjähriger Freund und Kollege Herzls, zeichnet in seinen Umrissen ein ergreifendes Bild des Menschen und Schriftstellers. Während Israel Z a n g w i l l (London) in seiner prickelnden Weise „die große Tragödie" charalterisirt, die sich in Herzls Lrbensgang spiegelt, gibt Max N o r - d a u (Paris) in erschütternden Worten dem Schmerz über den Heimgang seines Freundes und Mitkämpfers Ausdruck. Was der bekannte hebräische Publizist N. S o k o l o w (Warschau) über die nur wenigen Eingeweihten zugänglichen Tagebücher, die Herzl hinterlassen hat. mitzutheilen weiß, ist geeignet, lebhaftes Interesse zu erregen, ebenso wie die Erinnerungen eines der hervorragendsten Führer der deutschen Juden, mit dem Herzl durch, die Vermittlung des Rabbiners Dr. G ü d e m a n n bekannt wurde, und der wohl der erste war, dem der „Judenstaat" tni Manuskript vorgelefen wurde. Dr. M. Gasser (London) spricht eingehend und mit großer Sachkenntniß über die Zukunft des Zionismus, während Gust. G. C o h e n in Hamburg, außer interessanten persönlichen Reminiszenzen drei sehr lesenswertbe Briefe Herzls. die als Facssmile wie dergegeben sind, mittheilt. Heinrich lyork Steiner (Wien) entwirft ein anziehendes Bild des Zionisten führers im Kreise seiner Familie und Freunde und schildert ferner die letzten Tage des Verblichenen. Einen tief empfundenen Nachruf widmet die Baronin Bertha von Suttner ihrem verewigten Freunde. Dr. I. Eljaschoff (Warschau) gibt einige in die Tiefe von Herzls Eigenart führende Apercus. Martin B »- ber (Berlin) behandelt Herzls Verhältniß zur Historie, während Dr. Theodor Z l o c! st! (Berlin) in feinsinniger Weise auf Grund zweier Portraits der Verstorbenen die großen Wandlungen zeichnet, die sein Schicksal an seiner äußeren Erscheinung vollzogen hat : und wie er allmählich verblutet ist. Nicht ohne tiefe | Rührung wird man die letzte litterarische Arbeit Herzls j nn Faksimile). ein Aufruf an die jüdische Jugend! lesen. Auch einige der feinsten älteren Arbeiten des feinsinnigen Künstlers Herzl findet man hier wieder, wie „Salon in Lydien". „Mauschol". „Die Menorah". Gegen fünfzig glänzend ausgeführte Illustrationen schmücken das vornehm ausgestattete Heft, von denen die meisten interessante Darstellungen aus dem Leben und Wirken Herzls bringen. Erschütternd wirkt d:e Reproduktion des neuesten großen Gemäldes „Golus". von dem berühmten Maler Hirßenberg, nebst 10 Ein zclstudien zu demselben, von einem erklärenden Text bk gleitet. So bildet dieses Heft an Jnbalt und Ausstattung ein schönes und würdiges Denkmal der Pietö' und der Erinnerung an den großen Toten. Mit Rücksicht auf den beträchtlich erweiterten Umfang des vorliegenden Heftes wird dasselbe in: Einzelverkauf zum Preise von 1 Mk.. auf Kunstdruck Papier 1.50 Mk. abgegeben. Letzte Nachrichten. Budapest, 11. Aug. Die Durchführungskommission der Orthodoren in Ungarn erläßt nun auch ihrerseits einen Aufruf gegen den ..Misrachitag" in Preßburg. Besondere Bedeutung erhält dieser Aufruf durch einen zweiten Brief des Oberrabbiners von Preßburg, in dem er alle Gesetzestreuen, besonders aber seine Schüler warnt, sich den Zionisten anzuschließen und an der in Preßburg stattfindenden Versammlung theilzunehmen. Der Wortlaut des Briefes folgt in nächster Nummer, wie auch die Namen einer stattlichen Anzahl von Ober rabbinern. die sich dem in der vorigen Nummer dieser Blätter, veröffentlichten Aufruf neu angeschloffen ha ben. Nunmehr dürfte die Frage, ob man sich dem Zionismus anschließen sott oder nicht, für jeden gcsetzestreuen Juden endgiltig gelöst sein. vermischtes. Miltenberg. Freitag, den 26., Samstag den 27. und Sonntag den 2S. August findet, so Gott will, die feierliche Einweihung der neuerbautcn Synagoge daselbst statt. Eudtknhnerr, 8. Aug. In der Gemeindevertreter- Nhung unseres russischen Nachbarortes Kibarty am Donnerstag den 4. d. M. wurden auch drei jüdische Herren: Kaufmann. Simon Go'ldberg. Kaufmann Josef Wolschansky . und Bauunternehmer Sally iLlotowskn als Gemeindeortsvertretcr auf die Dauer von drei Jahren gewählt. Eduard Segall. Briefkasten der Redaettt«. I. in Auerbach: Wenn ein antisemitischer Lehrer durch -ine tüchtige Tracht Prügel einmal selbst eine gute Lehre erhält, so ist d.is ja an sich ganz schön, jedoch kein so bedeutendes Ereigniß, um besonders in unseren Spalten erwähnt zu werden.