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Der Israelit · 1904-04-11 · Heft 27-28 (11.4.1904) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 27-28 (11.4.1904)
Date
1904-04-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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596 Kischinew. (Die Zu stände in Kischi - n e w.) Nebst Odessa wurde von den russischen Antisemiten auch unsere Stadt wieder zum Schauplatz ihrer aufwieglerischen Thätigkcit gegen die Juden gemacht. Zahlreiche Emissäre der sogenannten „Krusckewa?- Partei" tauchten in der abgelauscnen Woche dahier ans und eröffneten eine Agitation gegen die Juden. Tausende von Proklamationen mit gehässigen Verleumdungen der Juden wurden in allen Volkstheehäusen, und in allen anderen Lokalitäten für das Voll verbreitet. Unter anderem wurde in der Proklamation erzählt, daß die aus Rußland nach Amerika ausgewanderten Juden zwei Millionen Dollars gesammelt hätten, um dem Mikado ein Kriegsschiff unter dem Namen ..Kischinew" zum Geschenk zu macken. Die Agitation hat unter den Juden in Kischinew große Bestürzung hervorgerufen. Viele wohlhabenede jüdische Familien verließen die Stadt, während die ärmeren ein Gesuch an den Gouverneur von Bessarabien richteten, und ihn um Schutz baten. Vor einigen Tagen erließ der Gouverneur von Bessarabien. Fürst Urussow, folgende ' Kundmachung: „In der Stadt Kischinew werden in der letzten Zeit verschiedene falsche Gerüchte verbreitet, welche die Bevölkerung beunruhigen und einen Theil der Einwohner zum Haß gegen den andern aufwiegeln. Indem ich vor dem Kaiser für die Ruhe in der Stadt und für die Sicherheit der Bevölkerung die Verantwortung trage, fordere ich die Einwohner von .Kischinew auf, den unsinnigen Gerüchten keinen Glauben zu schenken und sie nicht zu verbreiten. Die Schuldigen an der Verbreitung von Gerüchten, welche die Geister und die Leidenschaften aufregen, werden der Bestrafung auf Grund der verschärften Ueberwachung verfallen." Ferner hat Fürst Urussow jedwede Ansammlungen in den Straßen sowie das Tragen von Waffen verboten. Die letztere Verfügung ist allerdings auch gegen die Juden gerichtet, welche in ihrer Angst vor der eventuellen Wiederkehr der vorjährigen Judenerzesse sich mit Waffen versehen, um sich in der Nothwehr vertheidigen zu können. Aber während Fürst Urussow in Kischinew selbst energische Maßnahmen trifft, um den Ausbruch von Exzessen gegen die Juden zu verhüten, hat die schon erwähnte „Kruschewan- Partei", durch die Hetzartikel des Publizisten Menschikow in der „Nowoje Wrenrja" angeeifert, zahlreiche Agenten nach den Städten in Bessarabien entsendet, um die unwissenden Volksmassen gegen die Juden aufzuhetzen. In vielen Städten Bessarabiens befindet sich die jüdische Bevölkerung in großer Aufregung, zumal in den Straßen nicht selten ganz offen und unverholen Drohungen gegen die Juden ausgestoßen werden. Fürst Urussow sah sich daher veranlaßt, wie aus Kischinew geschrieben wird, an die Polizeichefs und an die Bezirkshauptleute in Bessarabien folgendes Cirkular zu richten: „Um die Thätigkeit der böswilligen und elenden Agitatoren zu paralysiren, toelche in dieser unruhigen Zeit einen Theil der Bevölkerung gegen, den anderen aufhetzen, aufzufordern, zu konstatiren,' daß die ganze Bevölkerung des Gouvernements -chne Unterschied der Nationalität und des Glaubens mit gleichem Eifer auf den Altar des Vaterlandes Opfer an Geld und anderen Gegenständen niederlegt: daß die unsinnigen Gerüchte von den Sympathien eines Theiles der Bevölkerung für die Feinde Rußlands von böswilligen Personen verbreitet werden, welche unwürdige und eigennützige Ziele verfolgen. Derartige Subjekte müssen daher der Lüge überführt und mit aller Strenge bestraft werden." Diese Kundmachung soll auch in den Kirchen auf dem flachen Lande zur Verlesung gelangen. Warschau. Seitdem die neue, im zweiten Jahrgänge erscheinende Jargontageszeitung „Der Fraind" sich durch schnelle und gute Berichterstattung und durch gediegene Artikel in dem Idiom, der jedem russiscken Juden verständlich ist. einen großen Leser- und Freundeskreis erworben, sowie auch einen schönen äußerlichen Erfolg errungen hat. entstehen allerorten neue jüdische Tageszeitungen im Jargon. Es ist dies in gewisser Beziehung sehr zu bedauern, denn die Pflege der hebräischen Sprache läßt dadurch bedeutend nach, daß so angesehene hebräische Blätter, wie der „Hameliz" in Petersburg und der „Hasman" in Warschau, ihr Erscheinen aus Mangel an Abonnenten einstellen müssen, deren ersterer zuletzt nur noch 18. letzterer nur noch 39 zählte und die sich sämmtlick den Jargonzeitungen zuwenden. So erscheint seit einigen Wochen in Petersburg unter der Redaktion von Rabbinowitz „Der Tag", in Odessa „Die Zeit", deren Redakteur Mr. Greenberg ist. In Nordamerika existiren schon seit langem einige Jargonblätter, und jetzt wurde sogar in Südafrika eine solche unter dem Namen „The Jewish Free Preß" gegründet. vermischtes. Straß bürg. An der hiesigen Universität habilitirte sich Herr Dr. Paul Asch. Sohn des Sekretärs des israelitischen Konsistoriums als Privatdozcnt für Chirurgie. Briefkasten -er Nedaetion. Hamburg: Ihre Naivität isi bcwundernswerth. Damit ober dienen Sie weder der Sache noch jener Autorität, zu der Sic verzückt cmporbl'ckcn. Die bereite Angelegenheit bietet ja noch außerhalb Hamburgs Interesse. * S.?l. S.: Ob in den angesragtcn Städten dir betr. Einrichtur gen existieren, wissen wir nicht, indessen sind die zuständigen orthodoxen Rabbiner (Dr Breuer—Frankfurt a.A., Dr. Kahn—Wiesbaden» zweifellos gern bereit. Ihnen ln dieser Sache anhand zu gehen. Briefkasten -er Expedition. ... ‘ M. B. in Steinach: Mark 2.32 dankend empfange«.'

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