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Der Israelit · 1904-08-08 · Heft 63 (8.8.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 63 (8.8.1904)
Date
1904-08-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45« Jahrgang. Deilage zu Jf* 63 des „Israeli?". Viriitl Silss»tlkiil siik Sit jSSischk Lt»ölktl»iiz i» (yijirii *) Wien, 4. August. Durch einen bienten Rabbiner erhielt ich dieser Däne Einblick in eine Anschrift, welche der an der Spitze genannte Verein am 1?. Juli an die sammtlichen Rabbiner Wiens aerichtet hat. Die Zuschrift enthält die Bitte an den Adressaten, seinen Einfluß zur Sicr^ mebrnng der Mitgliederzahl geltend machen zu wollen. Besonders oder bittet der Verein vorerst, und zwar in kürzester ^rift, die Empfänger dieses seines Schreibens, über ihre Absichten Mittheilung zu machen, um so über Ziel und Umfang der Propaganda sammtlichen 'i-.-iener Rabbinern rechtzeitig den nöthigen Ueberblirk zu ermöglichen. Dem Schreiben ist noch ein gedruckter Bericht (83 Zeilen) über die bi-che ri ge Thätigleit des Vereins beigegeben, sowie ein warm gehaltener Aufruf '.um Anschluß an den Verein. Der Bericht erstreckt sich über die Zeit seit Gründung des Vereins im Jahre 1001 bis Rovemver I;><> '. und zeigt, daß der rege Eifer der Gründer und Mürberer dieses Vereins in der kurzen Frist seiner Wirksamkeit sehr erfreuliche Resultate erzielt hat Im Jahre 1002 hatte der Verein 35 Ortsgruppen mit 3000 Mitgliedern, welche 33.000 fronen an Mitg'.icdcrbeiträgen leisteten; an Spenden liefen ea. 53.000 Hroncn ein. Unter diesen Spenden befinden sich 25.0« »0 Mark dom Hilis verein für die notbleidenden osteuropäische Inden in Frankfurt a. M.. 10.000 Vcart vom Hilfsverein für deutsche Inden in Berlin nnd 500«' .Sirenen vom Mnrdnruim der Baron .Hirsch- Stiftung. Dcr Bericht giebt ein sehr anschauliches Bild von dem. was der Verein in der kurzen Zeit seines Bestandes geleistet hat. Er -zählt die verschiedenen Industrieen aus. die einzusühren versucht wurden nnd tl-atsächlich mit sehr schönem Erfolge sich auch praktisch deiväbren.?lber die Berichterstatter sind weit davon entfernt, aus kbren Lorbeeren zu ruhen. Sie wissen, wie ihre bescheidenen Mittel in keinem Verhältnis zu dem lotend sieben, dem sie steuern möchten. Der schöne Erfolg der bisherigen Aestrehungen hält sie nicht zurück, die Ortsgruppen und jedes einzelne Mitglied wiederholt zn bitten, das Streben des Vereins durch Rath und That zu unterstützen. Die an die Wiener Rabbiner gerichtete Bitte um Mittheilung ihrer A b s i ch t e n ' ist daher vielleicht *) Vergleiche den Aufruf in Nr. 59 nnd 01 dss. Bl. auch eine Bitte um Darlegung ihrer Ansichten. Denn die Absicht, thatkräsiig für eine Sach« einzutreten oder ihr kühl und abwariend gegenüber'-ustchen, wird jedenfalls durch die Ansicht bestimmt, die man von einer Sache hat. Auf die Frage nach meiner Ansicht und Stellungnahme zu der galizischcn Hilfsaktion habe ich sie meinem Gewährsmann eingehend auseinander gesetzt. Ob er in seiner Antwort diese meine Auffassung zu dcr seinigen machen wird, weiß ich nicht. Es ist mir zweifelhaft, weil er meinte, ich solle auf eigene Faust diese meine Ansickuen dem Hilfs-Komitee mittheilen. Da ich aber erstens lein Rabbiner und zweitens nicht gefragt bin. ungefragt aber nicht gern Rathschläge ert heile. so bin ich leider nicht in der Lage, diesen Schritt zu thun. Aber die Sache geht ja die ganze öffentliche jüdische Meinung an. Die Aktion zu Gunsten unserer Brüder und Schwestern in Galizien kann nur gewinnen, wenn sie von allen Seiten in breitester Öffentlichkeit verhandelt und nicht von der Tagesordnung abgesetzt wird, bis sie das thätige Interesse aller Kreise errungen hat. Bei der Findigkeit der modernen Postverwaltung ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß diese Anregungen doch an die rechte Adresse gelangen. Galizien,, das jüdische Galizien mit seinem Niesenelend, in dem zwischen sieben- und achtmalhunderttausend jüdische Seelen schmachten, ist und bleibt das Schmerzenskind aller jüdischen Anliegen. Ich bin sicher, daß jeder fühlende Mensch, der diese Zeilen liest, sich glücklich schätzen wird, durch Eintritt in den galizischen Hilfsverein sein Scherflein zu dem großen Rettungswerke beizutrogen. ivenn er je das namenlose, unermeßliche Elend mit eigenen Augen gesehen hätte, das hier zum Himmel schreit. Denn man muß es selber gesehen haben, um es zn begreifen, schildern läßt es sich nicht. Der Reichsraihs-Abgeordnete Dr. B N k - Lemberg, sagte auf der jüngsten Generalversammlung nach dem vorliegenden Berichte: „Die herrschenden Zustände seien ganz unglaubliche und alle Schriften. Bücher und Reden reichten nicht ans. um dieses Elend zu schildern, ja selbst den an der Spitze der Gemeinden und deS Armenwesens stehenden Männern scheine es unüberwindlich." Auch der Aufruf des galizischen Hilfsvereins vermag diese Kalamität nicht in ihrem ganzen Jammer zu schildein. Vieles, vieles stxift er kaum, vieles deutet er nicht einmal an. fei es aus Rücksichten der Tiscretion oder der Oekonomie, welche ein kurzgefaßter Aufruf verlangt. 426335

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