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Der Israelit · 1904-03-24 · Heft 24 (24.3.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 24 (24.3.1904)
Date
1904-03-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Iichrgaa-. »Weite Aeikage zu M 24 des „Ksraekit.^ ZeitungSuachrichl«« med Correspoudenzen. Deutschland. Berlin, 20. März. (Soziale Aufgaben.) Von beachtenswerther Seite wird geschrieben: .Es ist eine oft beobachtete Thatsache, daß bei dem so regen jüdischen Vereinsleben und bei der noch so starkbethätigten Wohlthätigkeitspflege oft gerade die dankcnswerthesten Anregungen unbeachtet bleiben. Es geht bei den Generalversammlungen der verschiedenen Vereine fast genau so wie bei denen der Aktiengesellschaften: es sind immer nur wenige Aktionäre, die es verstehen, die Bilanzen der Gesellschaften zu lesen, an denen sie ein erhebliches materielles Interesse haben; und wenn diese Wenigen gelegentlich etwas moniren oder irgxnd welche Anregung geben, so dürfen sie sicher sein, daß durch einige wenig bedeutende Ausführungen der Aufsichtsräthe und Direktoren die ganze Sache beseitigt wird und die übrige Versammlung Ruhe für die erste Bürgerpflicht hält und um Gotteswillen nicht sich für eine Sache erwärmt, die vielleicht den Leuten an der Spitze nicht ganz opportun erscheint. Genau dieselbe Erfahrung kann man im Vereinsleben machen und hatten wir bei der Generalversammlung des Hilfsvereins der deutschen Juden wieder zu beobachten Gelegenheit. Tie Diskussion beschränkte sich auf nebensächliche Punkte bis auf die Ausführungen des Herrn Ludwig Behr, die uns einer näheren Betrachtung Werth erscheinen. Der Redner konstatirte nämlich mit dankbarer Anerkennung die Verdienste, die sich, der Hilfsverein um die Bekämpfung des Mädchenhandels erworben habe, meinte aber, daß eine erfolgreiche Bekämpfung des Mädchenhandels erst dann möglich wäre, wenn man mit Ernst die Gefahren in's Auge fasse, die in dem außerordentlich starken Anwachsen des jüdischen Proletariats in den Großstädten liegen. Sodann sei zu berücksichtigen, daß die Großstädte einen außerordentlichen Verkehr von Durchreisenden haben, die sich hier aufhalten, theils geschäftlich, theils in der Absicht, sich zu vergewissern, ob ein dauernder Aufenthalt hier möglich sei. Diese Leute würden beherbergt von Gastwirthen, die ste ausbeuteten, und lebten in Herbergen und Lokalen, die man nicht anders als jüdische .Kaschemmen" nennen könne. Dort seien die Orte, wo die Vermittler des Mädchenhandels einander kennen lernen und ihren entsittlichen- .den Einfluß auch auf die übrigen ausüben. Auch die Benutzung des allgemeinen Asyls für Obdachlose übe moralisch einen schädlichen Einfluß aus. Es sei von der größten Bedeutung, diesen fluktuirenden Verkehr dadurch unter eine Kontrolle zu stellen, daß Institutionen wie der Hilfsverein für deutsche Juden der Idee näherträten, jüdische Asyle für Obdachlose und jüdische Herbergen zur Heimath zu errichten; erst dann würde inan die Wege gründlich kennen lernen, die der Mädhandel einschlage, und Mittel ausfindig machen, um ihn wirksam zu bekämpfen. Der Vorsitzende des Hilfsvereins, Herr James Simon, erwiderte, daß der von Herrn Behr angeregte Gegenstand allerdings von der höchsten Bedeutung wäre und ernstliche Beachtung verdiene. daß jedoch die Realisirung der angeregten Idee über den Rahmen der Aufgaben hinausgehe, die in das Programm des Hilfsvereins gehörten. Er empfehle, hierfür einen engeren Kreis heranzuziehen, der dieses Ziel weit besser und schneller der Verwirklichung näherbringen könne. Wir sind nicht der Ansicht, daß diese Ausführungen des Hern Vorsitzenden ganz zutreffen; denn wenn man den Mädchenhandel bekämpft, so soll man auch das Uebel an der Wurzel fassen, und das sind nicht zum wenigsten, wie Herr Behr unzweifelhaft richtig ausgeführt hat. diese vielen Tausenden im Lauf eines Jahres zur Beherbergung dienenden Gasthäuser niedrigsten Ranges. Herr Behr erklärte, daß er diese Anregungen bereits in den Bnei Vrith Logen gegeben habe, und wenn wir ihn richtig kennen, so glauben wir von ihm annehmen zu dürfen, daß er eine Frage, die er in dieser Weise einmal angeschnitten hat und über deren prinzipielle Wichtigkeit nur Einhelligkeit vorhanden sein kann, auch weiter verfolgen wird. Wir aber möchten auf diesem Wege, wenn nicht an den Hilfsverein für deutsche Juden selbst, dann doch jedenfalls an die leitenden Männer dieses Vereins appelliren und sie auffordern, sich die Idee des Herrn Behr zu eigen zu machen. Herr James Simon hat durch seine Organisation des Hilfsvereins in vollster Weise den Befähigungsnachweis erbracht, solche Dinge in der richtigen Weise zu propagiren und zu verwirklichen. Herr Dr. Paul Nathan, dessen wahrhaft liberale Gesinnung durch das von ihm entworfene Statut über das Verniächtniß der Frau Baronin Cohn genügend erwiesen ist. und der durch seine öffentliche Thätigkeit dokumentirt, daß er ein Feind jener sozialen Rückständigkeit ist. der man noch vielfach im Liberalismus begegnet — diese beiden Männer erfüllen doch wirklich alle Vorbedingungen, um auch den von uns berührten Gegenstand aufzunehmen. Wenn also nicht schon die persönlichen Ausführungen des Herrn Vehr genügt haben sollten, um ein ernstliches Interesse für diese Frage wachzurufen, wollen wir hiermit unsererseits dazu beigetragen haben, dieses Interesse zu verstärken. Die Schwierigkeiten mögen groß sein, aber ein russisches Sprichwort

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