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Der Israelit · 1904-03-21 · Heft 23 (21.3.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 23 (21.3.1904)
Date
1904-03-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Kenlrat-Grgan für das orthodoxe Iudenlhum. A.Msr»iso4.i MkkmHk Hkilsgt jlt ßs 23. lNr. 1. XXJ( X XXXX X;X X J{ X X J(XX X XJC ^X ){ X XXX X X XXX X X X X- A Poloyeti r. Noch einmal „Babel und Bibel". Ein verspätetes, bescheidenes Laienwörtlein zu Delitzsch's gleichnamigen Broschüren von E m i n. Berlin und Leipzig. Verlag von Friedrich Luckhardt 1903. Mit dem einleitenden Grundsatz, daß wissenschaftliche Wahrheit von Zeit und Mode unabhängig sei, entschuldigt oder rechtfertigt der Verfasser das verspätete Erscheinen des Büchleins, das er „Laienwörtlein" nennt, weil er zugesteht, absolut nichts von babylonischer Sprache und Litteratur zu verstehen. Da jedoch die Babel-Vibel-Frage keine rein affyriologische ist, anderseits die bloße Kenntniß positiver Thatsachen noch keine richtigen Schlußfolgerungen verbürgt, sondern auch wissenschaftliche Methode ein wesentlicher Faktor sei, glaubt Verfasser das Recht zu haben, mitreden zu dürfen. Er charakterisirt die Methode des Professors Delitzsch etwa folgendermaßen:: „In Israel war es so oder ähnlich wie in Babel, und zwar treffen wir die Sache bedeutend früher in Babel, als in Israel: folglich hat Israel die Sache von Babel entlehnt. Entlehnt, Alles entlehnt!" Verfasser sucht die Unhaltbarkeit dieser Schlußfolgerungen durch die nachgewiesene Unhaltbarkeit verschiedener, auf ähnlicher Grundlage beruhender, ehemaliger Hypothesen bez. des GegenseitigkeitsverhLltnisses der indogermanischen Sprachstämme nachzuweisen. Der Verfasser geht von der Annahme aus. daß es einen ursemitischen Kulturstamm gegeben habe, von dem sich die Babylonier wie die Israeliten allmählich divergirend abgeschieden haben. Bei den Israeliten haben sich die ursemitischen Mythen. Gebräuche, Einrichtungen etc. reiner erhalten, als bei den Babyloniern. Strikt widerlegt er die Behauptung, „die Schöpfungs¬ oder Sintflurhgeschichte sei von Moses erzählt oder erdichtet worden", und legt jene Berichte in eine graue Urzeit zurück, in der Moses, ja sogar Abraham, noch lange nicht lebte. Sowohl hierbei als auch bez. der Behauptung, daß der Sabbat bis in die urfemitische Periode zurückgehe, sucht der Verfasser einen Konflikt mit den Bibelgläubigen zu vermeiden, weist vielmehr immer daraus hin, daß seine Annahmen der Bibeltradition nicht widersprechen. Den Hauptbeweis für seine Ansichten erbringt er damit, daß gemäß der Erfahrung bei Beobachtung der Entwicklung anderer Kulturvölker, die Schrift das erste, der Mythus das letzte Kulturdarlehen sei, das ein Volk vom anderen empfange. Wie sollte also das jüdische Volk den babylonischen „Mythenschatz" auf litterarischem Weg erworben, seine eigne Schrift aber im Gegensatz zur babylonischen gewahrt haben? Auch die Verschiedenartigkeit der Namen gilt ihm als Beweis (Tisuthros und Noah, Nizir und Ararat), während z. B. der Koran bei allen Entlehnungen aus der Bibel die betreffenden Namen unverändert beibehalten hat. Schließlich wird das Verhältniß des alten Israel zu Babel mntn^i?? mntrmckis als ähnlich dem gegenwärtig etwa zwischen China oder dem islamischen Orient und dem europäischen Abendlande | bezeichnet. Wenn auch der Verfasser sich verschiedentlich bemüht, seine Ansichten in keine Gegensätzlichkeit zum Bibelglauben zu stellen, so scheint er dennoch selbst keineswegs auf dem Standpunkte der Bibelgläubigkeit sich zu befinden. Das ersehen wir namentlich aus folgendem Passus der letzten Seite: „Freilich eine Frage wird vielleicht in Ewigkeit aller wissenschaftlichen Methode trotzen: Was war die Ursache der eigenartigen Entwicklung Israels — einer Entwicklung, die selbstverständlich, wie bei allem Menschlichen, niemals abgeschlossen war und niemals abgeschlossen sein wird? Wie entstand der Keim des spezifisch israelitischen Wesens? Nun. wir können hierauf, selbstredend ohne den Behauptungen in der ersten Frage eine Berechtigung zuzuerkennen, dem Verfasser die Antwort geben, die jeder Nachlesen kann 2. B. M. 6,7 oder ibid. 19, 5 u. 6. sowie a. a. O. — Im gläubigen Erfassen dieser Stellen erklärt sich von selbst, was der Schluß des Schriftchens staunend berichtet: Zwei Zweige, die noch so deutlich die gemeinsame Wurzel erkennen lassen, und welch' ungeheure Verschiedenheit der Entwicklung, des Wesens und des Schicksals. Hier: eine gebietende Weltmacht, eine ungeheuer reich entwickelte Kultur, die Außenwelt bekämpfend und besiegend und zuletzt — versunken und

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