Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1904)
- Date
- 1904-03-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450009--60329-2521231- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
507 Zeitungsnachrichten und Correfpon-enzen. Deutschland. Berlin, 19. März. Der Kriegsminister hat dem Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens auf eine Anfrage, ob jüdische Unteroffiziere zur Kapitulation zugelaffen werden und einen Civilversorgungsschein erhalten können, mitgetheilt. daß ihnr keine Bestimmung bekannt sei. daß den Angehörigen jüdischen Glaubens wegen ihres religiösen Bekenntnisses der Eintritt in die Unteroffizierlaufbahn verwehrt werden könne. Auch sei bis jetzt kein Fall zu seiner Kenntniß gelangt, in dem ein Unteroffizier seiner Glaubenszugehörigkeil wegen von weiteren Kapitulationen ausgeschlossen sei. Berlin, 18. März. Freiherr von Hammerstein, der Freund Stöckers und einer der „Erfinder" des Antisemitismus, der bekannte frühere Chefredakteur der „Kreuzzeitung", der in dieser Stellung und als Reichtags- und Landtagsabgeordneter lange Jahre hindurch einen nicht zu unterschätzenden politischen Einfluß ausoeübt hat, und dann wegen Unterschlagung und Wechselfälschung eine längere Zuchthausstrafe erlitt, ist, wie die „Kreuzzeitung" meldet, in der Nacht zum Mittwoch in Charlottenburg nach langem schwerem Leiden an den Folgen einer Verkalkung der Arterien gestorben. Er hatte am 21. Februar sein 66. Lebensjahr vollendet. Köln, 18. Marz. Herrn Rabbiner Dr. Plato ist in dieser Woche eine selten hohe Auszeichnung zu Theil geworden. Se. Majestät der-Kaiser verlieh dem greisen Gelehrten den rothen Adlerorden NI. Klasse, der ihm von Bürgermeister Josse mit einer herzlichen Ansprache überreicht wurde. — In der vorgestern stattgefundenen Repräsentanten.'Versammlung wurde die Einführung der Orgel mit zehn gegen fünf Stimmen zum Beschluß erhoben, nachdem sich zuvor Herr Rabb. Dr. Rosenthal in feierlicher Form entschieden dagegen ausgesprochen, wogegen Herr Rabb. F r a n k, der sich bisher in dieser Frage reservirt gehalten, offiziell für die Einführung ausgesprochen. Herr Herm. van C l e e f verlas hierauf einen von sämmtlichen konservativen Mitgliedern des Revräsentanten-Kollegiums und des Vorstandes eingelegten energischen Protest. Ausführliches hierüber wird Ihnen von berufener Feder noch berichtet werden." Tarmstadt, im März. Blättermeldungen zu Folge ist dieser Tage der erste jüdische Richter im Großherzogthum ernannt worden, und zwar durch die Bestellung des Gerichtsassessors May in Worms zum stellvertretenden Amtsrichter in Osthofen. Vivi.. sequentes! München, 11. März. Soeben lese ich das Svendenverzeichniß im ersten Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums, von Herrn Dr. Lucas in Glogau. Darin figurirt eine Spende mit dreitausend Mark ans der Bernh. Fränkelschen T a l m u d - T h o r a st i f t u n g. Wir wissen ja nicht, was die isr. Kultusverwaltung München unter Talmud-Thora versteht, so viel aber wissen wir, das; der selige Herr Bernhard Fränkel, der ein strengorthodoxer J.'hudr war. keineswegs sein Geld zur Beförde'uncbibellritischer Studien etc. verwendet haben wollte. Und das muß wohl der isr. Kultusverwaltung auch bekannt sein, daß Stiftungen im Sinne des Testator; zu verwenden sind. Hoffentlich genügen diese Zeile'!. die isr. .KultusVerwaltung zu veranlassen, künftighin Stiftungen, die für jtt bestimmt sind, auch dafür zu verrrenden. H. T. Wltthetllllige» WS öen M. Ameullnelllru und für dieselbe«. (Sämmtliche jüd. Wanderbettelverelne unv «affen für Durchreisende find gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die fie auf dem Gebiete ihrer Lhiitigkeit machen, rukommen zu lassen.) AscherSteben. Dieser Tage kam ein Russe Namens Bernhard Gregor e witsch an die hiesige Kasse und mit ihm ein junger Mann von 15—16 Jahren. Er zeigte ein Schriftstück vom Vorstande in Warschau vor, er sei bei den Verfolgungen in Kischiuew verunglückt und zugleich mit seiner Familie in's Unglück gerathen. Der Mann gibt den bei ihm befindlichen jungen Mann für seinen Sohn aus und erbittet auch für seine Frau Unterstützung, die stets nach den örtlichen Umständen entweder beim Vorstande oder am Bahnhofe sich aufhalten soll. Hier nannte er unwissentlich zwei solche Orte. Ich warne hierdurch vor diesem Erzschwindler und bitte die Cassierer, auf ihrer Hut zu sein. M. Schloß. Vermischtes. Posen, 17. März. Ein engerer Wettbewerb für eine neue Synagoge in Posen wird von der dortigen Synagogengcmeinde mit Frist zum 1. Mai d. I. ausgeschrieben. Es handelt sich um einen Monumentalbau, der 700 Männer¬ und 600 Krcucnplätze enthalten soll. Der glücklich gewählte Bauplatz ist von allen Seiten durch Straßenzüge begrenzt. Berichtigung. Die vierte Zeile unseres Artikels „Hamburg" im Hauvtblatt der Nr. 22 muß lauten: „verschieden. Am 10. März fand." Kerner stammt der weiter unten zitirte pDD nicht auS der Haftorah, sondern aus der Sidrah.