Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1904)
- Date
- 1904-03-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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49! Oderstraße, im Hause „Zum weißen Bar", wohnhaft gewesenen, einer sehr bekannten Breslauer Familie angehörigen, 78 Jahre alten Wittwe Jaschkowitz und ihrer verlobten Tochter verübt wurde. Auf dem jüdischen Friedhofe in der Claasenstraße befindet sich das Doppelgrab. besten granitener Denkstein in einem hebräischen und deutschen Gedicht die ruchlose That schildert. Manche ältere Bewohner Breslaus werden sich noch aller Einzelheiten derselben erinnern, und besonders des imposanten Leichenbegängnisses, bei welchem der damalige Rabbiner Dr. Abraham Geiger die Grabrede mit dem Bibelterte begann: „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen." Und als der Redner mit thränenerstickter Stimme auf die Schmach hinwics, welche den 3 00,000 Bewohnern Breslaus angethan sei, blieb kaum ein Auge tbränenleer. Der ruchlose Mord ist ungesühnt geblieben, trotzdem die Polizei- und Justizbehörden damals eine fieberhafte Thätigkeit nach den Mördern entfaltete. Auch die ausgesetzte hohe Belohnung von 500 Thalern für Ermittelung der Mörder blieb wirkungslos. Frankreich. Paris, 14. März. (Ludovic Trarieux ist t o d t.) Er erscheint als eine der edelsten Gestalten dieses wirklich heldenhaften Zeitabschnittes, wo ein Häuflein von Männern es gewagt hat. gegen tief eingewurzelte Bornrtheile zu kämpfen, um das verletzte Recht zu vertheidigen. Trarieux. der sich als einer der Ersten an die Seite Scheurer-Kestner's stellte, hat sich dadurch der Verleumdungen und Schmähungen einer gewissenlosen Bande ausgeseht, er bat sich auch dadurch von seiner Partei, auf die er stets einen großen Einfluß ausgeübt. getrennt und auch seine weitere, sehr aussichtsvolle politische Zukunft geopfert. zögerte jedoch nicht einen Augenblick; er folgte dem Rufe seines reinen Gewissens und seines großen Herzens; er weihte dem Dienste der Wahrheit seine stolze Unerschrockenheit und seine bewundernswerte Beredtsamkeit, und war in allen Gefechten in den ersten Reihen zu finden. Die Dreyfusaffaire ermöglichte ihm. die ungeheure Macht der Lüge zu erkennen. In Aller Erinnerung sind noch die Worte, die er an Dreyfus nach seiner Verurtheilung in Rennes gerichtet hat: „Das traurige Schauspiel Ihrer Leiden hat in uns Allen die Gefühle der Solidarität und der Güte wachgerufen. Und beim Anblick der gegen Sie begangenen Ungerechtigkeit haben wir an all die Enterbten und Leidenden gedacht, die noch weit mehr als Sie einer helfenden Hand bedürfen." Und zum Schutze der Schwachen und Enterbten hat Trarieux an alle Männer, die die Dreyfusaffaire gruppirt hatte, appellirt. Er gründete die Liga zur Verteidigung der Menschenrechte, und bis zum letzten Athemzuge verfolgte er sein großes Werk und verbreitete in allen Gauen Galliens Worte der Wahrheit und des Rechts. Dieser edle Mann stirbt einem tapferen Krieger gleich auf dem Schlachtfelde. Trarieux ist tobt! Die Gerechtigkeit weint auf dem noch frischen Grabe, sie hat einen ihrer treuesten Diener verloren! Pi. Rußland. Petersburg. Der Rücktritt des Unterrichtsministers Gebeimrath Sänger wird in jüdischen Kreisen sehr bedauert. Sänger, eine loyal denkende Persönlichkeit, war nach dem bekannten Grafen Tolstoi der erste Ünterricbtsminister. der den Muth hatte, die unter Alexander III. eingefirhrte fünfprozentige Norm bei der Aufnahme von Juden in die Lehranstalten des Reiches zu durchbrechen. Er wies alle Universitäten an, die Anfnahmegesuche von Juden nach Möglichkeit zu bewilligen und erklärte sogar in einem Erlasse, daß der eingeführte Prozentsatz auf Gewerbeschulen keine Anwendung finden dürfe. Der Krieg im Osten Asien» zwischen Rußland und Japan nimmt das höchste Interesse Aller in Anspruch. Jede Neuigkeit, die »nS der Telegraph von dort bringt, wird mit Svnmuiig entgegengenommen, jede Bewegung der kriegfüdrenden Mächte wird mit größter. Aufmerksamkeit verfolgt. Aber da» öffentliche allgemeine Interesse beschränkt sich augenblicklich nickt allein ans Ostasien, auch die Zustände auf der Balka,»Halbinsel erheischen die grüßte ■ Aufmerksamkeit unserer leitenden Kreise- Auch Deutschland ist. durch den Ausstnnd der Hereros in unlrrcr Kolonie Siidwestafrika leider in einen Krieg mit diesein wilde» Bolksstamme verwickelt - worden. Ncberall. ivolnn wir blicken, ist Unrude. Bewegung. —" In solchen Zeiten der Erregung will Jedermann, der theilnimmt' an den weltbewegenden Ereignissen — und wer thut die» im 20. Jahrhundert nicht? —schnell über Alles eiirgebend unter» richtet kein und dos Publikum greift in Erster Linie nach de» Zeitungen, die am schiicllsten und zuverlänigsten daS berechtigte Berlaiigen zu erfüllen wissen. Wiederum m eS d S „Berliner.. Tageblatt", das. keine Opfer schenrnd. seine Bedeutung alS Wcltblatt *»» rechtfertigen und zu befestigen sucht. — Der militärische Berichterstatter dieser Zeitung. Serr Oberst Gädke, ist bereits nach dem Kriegsschauplätze abgereist. wo er die Er» cigniffe auf russischer Seite verfolgt und seine Berichterstattung im Bereiii n>it dersenigen des iapan shen Korrespondenten de« „Berliner Tageblattes"' ermöglicht es. drn Lesern dieser Zeitung rin unparteiliches, anschauliches und de» Tatsachen entsprechende» Bild von den Borgänge» in fernen Osten zu bieten. Neben diesen nns;ergewöd"Uchen Korrespondenten au? dem Kriegsschauplätze ist datz „Berliner Tageblatt" durch seine eigenen, an allen Welt» platzen, wie Poris. London. Petersburg. Wien.Rom.Konstantinopel. Ncwyork. soiuie an allen größeren Bcrkebrszcutreu angestellten Spezial'Korrcspondciiten vertreten, die diisem Blatte allein zue Berfiigung siebe». — Die Parlanu ntsdcrichte werden im „u. t." anerkanntermaßen sehe anSfübrlich behandelt und erscheinen in einer besonderen, sogenannten Parlameursausgabe. die. noch mit S<n? iti rt/»tt tut? statt fl9ni»O0ti %«st«4\C4f<\Y Adtihat« .. _ ege ihrer unbeeinflußten Haltung in kaufmännischen und industriellen Kreisen eines vorzüglichen Rufes und wird wegen ihrer Unabhängigkeit als zuverlässiger Wegweiser auch vou Brivat-Kopitalitten geschätzt. - Großen Beifall finden auch die ausgezeichneten O r»g i >i a l-K e u i l l c t o u 8 aus olle» Gebieten der Wissenschaft und schöllen Knnste. sowie die hervorragenden belletristischen Gaben, insbesondere R o m a u e und Novellen erster A»ltore»l. welche im täglichen Noman'steuillcton des T." erscheinen, so erscheint im nächsten Quaital ein «euer Roman von Hugo Ludtiner unter dem Titel: „Krau SchubelS Tochter", eine allf Berliner Bode»» spielende Erzählung. dre in llotter. natürlicher Tonart und mit scharfer Lebensaunassung geschrieben ist. Kerner erhält seder Abonneilt des „Berliner Tageblattes" kostenfrei sechs werthvolle Zeitschriften, und zwar au jeden! Montag: „3 e i t g e i st", wisseusch '.sülche und feu«lleton»lische Zeitschrift, icdem Mittwoch: „Technische Rundschau" illustrierte volm-'chttische Fachzeitschrift. iedem Donnerstag und Sonntag: ..Der Weltspiegel". illustrie,te S-Ubivochenchronik. an jedem Freitag: „Ulk", farbig illustriertes, satimsck-polit'sche« Witzblatt, jedem Sonnabend: „Haus Hof Garten", illustrierte Wochenschrift für Garten» und HauSwirthschaft. Da« ..Berliner Tageblatt", welches gegenwärtig mehr als «5 000 Aboniieuten besitzt, erscheint täglich 2mal. auch Montag« in einer Morgen» und Abendantzgabe. im ganzen Itzinal wöchentlich. AboiutrinentSi"-eis für olle 7 Matter zuraniinen bei alle» Dostanstalten des Deutschen Reiche« v M. 7ö Pf. für da« Vierteljahr oder 1 M. V2 Pf. für de» Monate. »