Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1904)
- Date
- 1904-03-17
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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45. Jahrgang.1 KW«Le AÄGs WM 22 des „IsrsMt.^ perlen aus Bibel und Talmud. Aphoristisch aneinander gereiht. Von Rabbiner I. Nobel—H alberstad t. IV.*) mn %tx2 nw nraput onw -cp2 m*» 21 pm •a mein nn4n mp2 nnbii rnaton *131 b^p» bx-!p' &»:; ppap2 ^221 02 crb npjw;:rnb pa cnpj pa praop p1» '22 by (B*3p a^rrn) *iex2P (22 by pp*>vn annp px’2c*. mpn nws pwn pcs:o an paV-ap aro6 121 trenn wnn pfonop pa fnn: napa rasa rzzi (na bxpm') aasup warn 'Viim '21« (dp) awwp p«*) an; dtp s'X2 nSwwi cm? n» »b» ^2 npn v"ax hv2 ’^x a? o*o top) 2LX2P a^Tin rr?zsn ca nn by a’apa (t*B ^XpiIT Psp^ ,X^ nüC) VU2X1 R. Awira erklärte: Es war das Verdienst der tugendhaften jüdischen Frauen jener Zeit, daß Israel von Aegypten erlöst wurde. Heimlich mußten stch die Gattinnen zu ihren von der Last und Qual niedergedrückten Galten stehlen und ihnen Lebensmuth und Daseinsfreude, wenn auch nur auf kurze Momente, einflößen. Die tyrannische Unterdrückung erstreckt sich auch auf den auch dem Thiere des Waldes eigenen Naturtrieb und die Mutterschaft wurde den Müttern zum Verbrechen angerechnet, das sie in Höhlen und Klüfte und in ihre elenden Hütten bannte. So wurde Generationen das Leben gegeben. Dies Leben entbehrte alles dessen, was das Menschenleben froh macht, nur des Einen entbehrt es nicht: der Reinheit seines Entstehens, denn die jüdischen Frauen blieben rein und treu. Es fehlte das Erbarmen und die liebevolle Hand zur Pflege der Neugeborenen. Nur eines fehlte nicht: der Gottesschutz. Das freie Feld war die erste Wiege der Sklavensprößlinge, als waren es junge Tiger und Affen. Die Aegypter sahen die neugeborenen jüdischen Kinder und wollten sie vernichten. Da geschah ein Wunder. Die Kinder wurden vom Erdboden verschlungen. Nun kamen die Aegypter mit Rindern herbei, spannten die Rinder an den Pflug und führten den Pflug über die — Menschensaat. — «lieber meinen Rücken pflügten die Pflüger." — Doch als der Pflug vorbei war, sproß es hinter dem Pfluge aus der langgedehnten Furche wie wildes Feldgewächs empor. Die Menschensaat wuchs zum Tageslicht hinauf, Israels Schaar vermehrte sich, sie wurde groß und schön und reif. Herangewachsen. wandte sich die Jugend ihren Stammhäusern zu. Herde für Herde kam die junge *j Fortsetzung auS Nummer 12. Aufzucht in ihr Heim, und das war Israels Inbegriff des Schmuckes, und das waren die frühesten Herolde der Gotteserkenntniß und der Gottesverkündung am Meere. Diese Schaar konnte es zuerst ausr.ufen: „Ties ist mein Gott, und ich will ihn rühmen!" (Jnhaltsgetreu nach Sota 11 und Jalk. 2,15.) Erklärung. Unter dem Schleier dieser röthselhaften Symbolik ist das Angesicht einer alten,, schweren Zeit, der Leidenszeit Israels, verborgen, und wer den Schleier hebt, hat ein gut Stück mittelalterlicher Geschichte unseres Volkes entschleiert, •rav je. „Es könnte sich vermehren," so lautete seit uralter ägyptischer Zeit das Losungswort der Hasser gegen das jüdische Volk. Dieser von einem bösen Getvissen der Unterdrücker zeugenden Furcht entstammten all die grausamen durch K'indestödtung — wie einst in Aegypten — oder Eheverhinderung — wie einst in Mähren und Böhmen — auf die Volksverminderung abzielenden die „Familianten" betreffenden Edikte. Was wurde nicht alles gefabelt von dem revolutionären Geiste und der staatszersetzenden Kraft, die diesem schwachen Volke Israel innewohnen sollten. Zum Frohndienste und zur Peitsche der Tyrannen traten hohe Zölle und Stenern hinzu, oder sie lösten einander ab in ihrer verderblichen, entmannenden Wirkung. Der mächtige Naturtrieb, den der Schöpfer seinen Geschöpfen eingepflanzt und den Thieren des Hauses und Waldes nicht verwehrt wird, wurde beim Juden zum Steuerobjekt gemacht, um die leeren Kassen geldbedürft tiger Fürsten und Landstände zu füllen. Der Judenhaß verfolgte den Juden bis in die Brautkammer und verlöschte die Hymensfackel in seinem Hause. Da zog sich, von Ausnahms- und Ausschließungsgesetzen schwer getroffen, die jüdische Familie, die jü-' dische Gemeinde in ihr Kämmerlein, in ihr Ghetto zurück. Israel befolgte die Mahnung seines Propheten: „Geh, mein Volk, komm in deine Kammern, verbirg dich' einen Moment, bis der Grimm vorbei gezogen!" (Jes.) Vor dem Grimme des Feindes verbarg sich da der Jude mit allem, was ihm lieb und theuer war, mit seinem Geistesfchaffen und Herzensweben, mit feinen Greisen und seiner Erinnerung, seiner Jugend, seiner Hoffnung und seinen Schulen, seinen Leiden und Freuden im Dunkel des Ghetto. Im Ghetto ging den Juden die Menschensaat auf, die sich vor dem Blicke des Feindes — und nicht nur des ägyptischen — nicht sehen lassen durfte, und es war, als wäre diese Saat mit aller freudigen Erwartung, die sich für Ellern und Lehrer an sie knüpfte, vom Erdboden verschlungen worden. Doch „siehe, eS schläft und schummert nicht der Hüter Israels," und es schläft und schlummert nicht