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Der Israelit · 1904-03-17 · Heft 22 (17.3.1904) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 22 (17.3.1904)
Date
1904-03-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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.482 Jahresabrechnung weist die folgenden Posten auf: An Beitragen von 152 Mitgliedern wurden 4739.40 M. und an Zinsen 497.62 M. vereinnahmt. Die Ausgaben für Krankengeld an 50 Mitglieder beliefen sich auf 2867.60 M. und das ärztliche Honorar einschließlich der Vergütung für zahn- und spezialärztliche Hülfe auf 516 M. Für Sterbegeld wurde für 1 Mitglied 160 M. bezahlt. Weitere Ausgaben waren Gehalt des Boten 500 M.. Drucksachen, kleine Ausgaben etc. 64 M. Die Abrechnung schließt mit einem Gewinn von 1081.15 M. ab, wodurch das Vereinsvermögen auf fast 12,000 M. angewachsen ist. Die Abrechnung wurde als richtig anerkannt und dem Kassirer Decharge ertheilt. Bei den alsdann vorgenommenen Wahlen wurden der ausscheidende Herr H. Gottlieb per Akklamation wieder zum Vorstandsmitglied gewählt und die Herren W. Peine und I. Wolffsberg zu Ausschussmitgliedern ernannt. Zu Revisoren wurden die Herren D. Israel und L. Gottschalk wiedergewählt. Der uächste Punkt der Tagesordnung lautete: »Antrag der Herren S. Worms und H. Hirsche! sen. auf Herabsetzung des wöchentlichen Beitrages von 60 auf 50 Pfg." Die Antragsteller begründeten ihren Antrag damit, daß die augenblickliche Finanzlage des Vereins, insbesondere der günstige Abschluß des Jahres 1903, wohl eine derartige Herabsetzung des Beitrages erlaube, während der Vorstand die Ansicht vertrat, daß man erst die wertere finanzielle Entwickelung der Kaffe abwarten müsse, ehe man in die Herabsetzung des Beitrages willigen könne, denn wenn der Mitgliedsbeitrag einmal ermäßigt sei, dürfte es schwer halten, eine Erhöhung desselben wieder vorzunehmen. Nach längerer Debatte wurde dann auch der Antrag auf Herabsetzung, des wöchentlichen Beitrages abgelehnt. Dagegen wurde auf Antrag des Vorstandes beschlossen, in Zukunft von der Erhebung eines Eintrittsgeldes von den neu eintretenden Mitgliedern abzusehen. Rußland. Petersburg. Die „Jewish World* rheilt mit, daß sie glaubwürdige Nachrichten über das Vorkommen erneuter antisemitischer Unruhen in Kischinew besitzt. Ein Pöbelhaufen zog zuerst durch die Straßen, zerschmetterte sodann an den jüdischen Privathäusern die Scheiben und begab sich schließlich zu den Geschäften. Die großen Scheiben der Auslagefenster wurden zertrümmert und man hatte schon begonnen, in altbewährter Weife die Geschäftsinhaber und Verkäuferinnen zu prügeln und die Läden auSzupliindern, als Militär und Polizei erschien und das Volk auseinandertrirü. Die „Iewish World* behauptet, daß in Kischinew Panik hrrrschti- Sie erhielt diese Nachricht auf dem Wege, über dir Bukowina. Die Nüssen duldeten nicht, daß von Lcischinew aus telegraphisch über diese Vorgänge berichtet wurde. Der Petersburger Korrespondent der Pariser »Aurore* berichtet nun auch über den Antisemitismus, deu die russischen Regierungskreise gegenüber den Aerzten zeigt: Der Minister des Innern behielt sich danach das Recht vor, die Liste der nach dem fernen Osten zu versendendem Reservisten zu revidiren und die Folge davon war, daß von Petersburg aus unter 180 Militärärzten 110 dem jüdischen Aerztestande entnommen wurden. Auf den ersten Blick könnte man dies fast für eine Bevorzugung der jüdischen Aerzte halten, in Wirklichkeit soll es jedoch dem Minister des Innern in erster Linie darum zu thun gewesen sein, in dieser kritischen Periode die jüdischen Aerzte, die alle als liberal angesehen werden. aus Rußland loszuwerden. Außerdem sollen die christlichen Konkurrenten der nach dem Osten kommandirten jüdischen Aerzte ihr Möglichstes gethan haben, um den Minister zu veranlassen, die jüdische Konkurrenz auf ärztlichem Gebiete auf so einfache Art zu brechen. Empörend ist es und muß natürlich von den jüdischen Aerzten auch als erniedrigend empfunden werden, daß man den nach dem fernen Osten kommandirten christlichen Aerzten Reisegeld in der Höhe von 1250 Rubel auszahlt, während die jüdischen Aerzte nur 900 Rubel erhalten. Die Familien der jüdischen Reservisten werden, während ihre. Versorger auf dem Wege nach dem Kriegsschauplätze sind, angeblich schlecht behandelt. Der Korrespondent der „Aurore* behauptet, daß man die bisher außerhalb des Ghettos wohnenden Judenfamilien solcher Reservisten zwinge, im Ghetto zu wohnen. vermischtes. ' Q erlitt. D»r kürzlich verstorbene Graf Waldersee weilte vor einigen Monaten in Berlin und war eines Abends bei einer bekannten Persönlichkeit der Hochfinanz zu Gaste. Er erzählte von seinen Erinnerungen aus dem Kriege 1870/71 den er als Mitglied des Generalstabcs mitgemacht hat. Dabei theilte Graf Waldersee folgendes mit: Als eS sich um die Festsetzung der von Frankreich zu fordernden Kriegsentschädigung handelte, ließ Fürst Bikmarck sowohl Bleichröder als Erlanger zur Berathung nach Versailles kommen. In der 1. Conferenz theilte Bismarck ten beiden Sachverständigen mit, daß er beabsichtige, 5 Milliarden zu fordern. Eine solche Summe, die seither ihre Schrecken verloren hat, war im Jahre 1871 noch etwas Unerhörtes. Erlanger fiel beinah in Ohnmacht, als er die Ziffer hörte und sprach: »Aber Excelleaz, 5 Milliarden giebt es ja gar nicht. Wenn Sie seit der Geburt des Stifters der christlichen Religion jeden Tag Ivo Mark zurückgclegt hätten, so würden Sie sie noch immer nicht beisammen haben." Brsmarcklachte und entgegnet« .Seit der Geburt deS Stifters der christlichen Religion? Darum habe ich mir ja den Bleichröder kommen lassen, denn der datiert noch ron der Erschaffung der Welt her." Scss. Die Univcrsitätsbchörde verbot das Farbentrage» für Verbindungen, die wesentlich rellgiöskonfeffionellea Zwecken Kienen ^oder nur Angehörige bestimmter Konfessionen aufnehmeo.

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