Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-03-07 · Heft 19 (7.3.1904) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 19 (7.3.1904)
Date
1904-03-07
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450005--60243-2521133
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

w<l:m m-M Kl -W? für das P' >311 rthodM MuderrthunM-! K Q 7 Mar; 1904. sNr. 8 WWW mm mm «ui er Nu8e. \ Zeitgemälde von I. I. Kruszewski in autorisirter Uebsrtra.ulng. Heinrich, den man so gleichgiltig abgethan llnd an seiner Eigenliebe gekränkt hatte, dürstete nach Racke, lästerte, schwatzte und faselte ganz ungereimtes Zeug, welches man ihm natürlich nirgends glaubte. Inzwischen aber schritt Baron von Krieg, der davon gar keine Notiz nahm, tapfer zum Altäre. Die keusche Liebe des glücklichen Brautpaares am Weichselstrande wurde bekränzt mit der Orangenblüthe. und von der Kirche aus begab sich das junge Ehepaar in das Ausland, um seitdem in verschiedenen Hauptstädten und Bädern und auf allen Landstraßen sich zu amüsiren. Das traurigste Schicksal und der schwärzeste Undank traf die unglückliche Frau Wtorlowska von Seiten des Schwiegersohnes und der Tochter. Man erklärte ihr. es sei keine Möglichkeit, sie im Hause zu .behalten und in den Salon zu setzen. Der Baron sagte seiner Zukünftigen ohne Umschweife, sie habe sich zu sehr kompromittirt. Musa. opferte die Mutter mit römischem Stoizismus. Man liquidirte ihre Schulden, bezahlte sie bis auf den Heller und setzte Frau Wtorkowska eine ziemlich kärgliche Pension ans, um ihrer Verschwendung in moralischer Hinsicht nicht Vorschub zu leisten. Man kündigte ihr an. daß sie außerdem keinen Groschen bekommen werde, und verabschiedete sie sehr höflich, ind-m man ihr zu verstehen gab, laß sie mit der Tochter nur privatim verkehren könne. Anfangs war Frau Wtorkowska. die von einer Begleitung Musas auf Reisen und von der Führung , ihres Haushaltes geträumt hatte, ganz starr vor Ver-! wundcrung. Sie schrie und protestirte. Der Baron! aber war so schneidig, wie ein Messer und wies sie mit j unerschütterlichem Schweigen ab. Musa spielte wie- > derum die Rolle der willenslosen, gehorsamen Gattin. | Die arme Frau büßte die Täuschung mit Krank-! heit. Was aber war zu thun? Sie miethete sich eine , Wohnung auf dem Unterwall und unterhielt Be-! Ziehungen, die ihr Abends ein Whist oder Ecart,' j sicherten. Auch hielt sie sich eine junge, heitere Gesell-! schafterin, nahm sich ab und zu wieder eine neue, bis-! weilen auch zwei — zum Zeitvertreibe. Ihr Haus war sogar ziemlich besucht, obgleich sich Niemand gern dazu bekannte. Sofranow, Gras Baworow, einige junge und alte Elegants blieben ihr treu auch im Unglücke. Aber dies gehört schon nicht mehr »n unsere Geschichte. Man kann üch vorstellen, wie unangenehm die Begegnung Heinrichs mit Musa ihnen beiderseits sein mußte. Ließ sie sich aber voraussehen? Wer hätte einen solchen Zufall erwartet? In dem Momente, als der Baron mit seiner Gemahlin die Grotte betrat, fiel Musas Blick auf Heinrich. Sie erkannte ihn, wurde verlegen,, und wollte mit einem leisen Aufschrei wieder umkehren, als Heinrich überaus höflich sich verneigte, ein heiteres Gesicht annahm und, wenn auch etwas sauersüß, lächelte. Der Anstand erlaubte es nicht, eine Szene zu machen. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.