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Der Israelit · 1904-03-07 · Heft 19 (7.3.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 19 (7.3.1904)
Date
1904-03-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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419 salem. An diese Zuschrift knüpfte sich eine lebhafte Polemik unb diese Polemik veranlagte mich, bei meiner Anwesenheit in Palästina im letzten Dezember und Januar eine Probe auf das Exempel zu machen. Ich sandte durch die türkische Post 60 Briefe und Karten und ungefähr die gleiche Zahl durch die österreichische resp. deutsche Post. Ich kann nunmehr konstatkren, dag von den 60 Sendungen, für die ich die türkische Post benutzte, nur die Hälfte angekommen ist, während die durch die deutsche und österreichische Post expedirten Briefe und Karten fast ausnahmslos ihr Ziel erreicht haben. Ihre Leser, sowie der Herr Dr. C. selbst werden sich demnach ein Bild davon machen können, inwieweit es zweckmäßig ist. die türkische Post zu benützen, wenn man Werth darauf legt, daß die Sendungen ankommen. Hochachtungsvoll gez. W. Bambus. Magdeburg. 6. März. Am 2. März. Vormittags 8 Uhr, verstarb der langjährige Rabbiner der hiesigen Synagogcngemeinde, Herr Dr. phil. Moritz Rahmer. Er wurde am 16. Dezember 1837 zu Rybnik in Oberschlesien geboren, besuchte die jüdischtheologische Lehranstalt zu Breslau und wurde 3862 als Rabbiner nach Thorn und 1867 als Nachsolger des nach Wien berufenen Florentiners Dr. Güdemann nach Magdeburg berufen. In dieser Stellung wirkte er mithin 37 Jahre als Rabbiner und Leiter der Religionsschule. Von Schöpfungen, die er in seiner Genicinde in's Leben gerufen hat. verdienen in erster Linie genannt zu werden: der israelitische Wittwen- und Waisen-Unterstützungsvercin und der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur. Rahmer war auch schriftstellerisch in hervorragendem Maße thätig; so redigirte er etwa 25 Jahre lang eine Fachzeitschrift, die „Jsr. Wochenschrift". Um das öffentliche Wohl hat sich der Verstorbene vielfach verdient gemacht; in Folge dessen wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger 1876 in das Stadtverordnetenkollegium gewählt, dem er bis 1894 angehörte. Vor etwa vier Jahren wurde er von einem tückischen inneren Leiden befallen; seitens der Gemeinde wurde ihm deßhalb ein Substitut gestellt. Mit dem 1. April d. I. sollte er laut Gemeindebeschluß in den Ruhestand treten; es tvar ihm nicht mehr vergönnt. die wohlverdiente Ruhe zu genießen. Die Beerdigung fand am Sonntag Mittag um 1 Uhr von der Synagoge aus nach dem jüdischen Friedhof hierselbst statt, nach vorhergegangener Trauerfeier in der Synagoge. Dr. Rahmer huldigte der sog. Breslauer Richtung, die er in Wort und Schrift eifrig vertrat. Als Vertreter dieser Richtung bat er den „Israelit" von dessen Erscheinen an stets auf's eifrigste bekämpft und zwar nicht immer.in vornehmer Weise. Oesterreich. Krakau. (Kinderraub in Galizien.) Ilus einem Dorfe neben Reusandec wurde kürzlich das Fünfzehnjährige Mädchen Gitel Epstein entführt. Dasselbe fand im Kloster der Felizianerinnen in Krakau Aufnahme, wo es auch getauft wurde. Der Entführer wurde durch das Kreisgericht Reusandec des Verbrechens der Entführung schuldig erkannt und zu einer Kerkerstrafe verurtheilt. Da die Eltern des entführten Kindes nur nach jüdischem Ritus getraut waren, so verlangten die uneheliche Mutter und der uneheliche Vater, der zugleich seinerzeit durch das Gericht zum Vormund der Minderjährigen bestellt wurde, auf Grund des § 145 a. b. G. B. die Entfernung deS Kindes aus dem Kloster und Zurückstellung desselben an die Mutter. Das Bezirksgericht Reusandec als Vormundschaftsbehörde hat jedoch diesem Ansuchen keine Folge gegeben, gleichzeitig die Vormundschaft dem bisherigen Vormund abgenommen und einen hiesigen Advokaten zum Vormund des Kindes bestellt. Der Vertreter der genannten Eltern, Landes- und GerichtS- Advokat Dr. Rafael Landau in Krakau, hat gegen diese Entscheidung an das Kreisgericht Reusandec rekurrirt und gleichzeitig, da die unehelichen Eltern des KindeS nunmehr nach bürgerlichem Gesetz getraut wurden, daS genannte Kind dadurch legitimirt wurde und die Rechte eines ehelichen 5tindes erhalten hat, die sofortige Aufhebung der bestellten Vormundschaft verlangt. Die Entscheidung hierüber ist bis nun nicht erfolgt. 'Rußland. Petersburg. In Rußland fängt man jetzt, wo man das Geld und die Kraft der Juden für den Krieg, in Ostasien braucht, an, Toleranz zu predigen. Schade nur. daß selbst ein liberales Blatt, wie die „Reue freie Presse", auf diesen Köder angebissen hat. Aus dem Gespräch mit einem russischen Staatsmann theilt dar Wiener Blatt folgendes mit: „Die Grundlage für die innere Politik in Rußland bildet das Manifest des Kaisers Nikolaus II., welches — es wird dies ausdrücklich betont -r— die Toleranz proklamirt und ferner die lokale Selbstverwaltung, sowie die Hebung de^ Bauernstandes als Hauptprogrammpunlte enthält. Rußland werde und. wolle allenReligionsbekenntnissen in seinem weiten Ge-, biete gegenüber gleich tolerant sein und verlange von den Bewohnern des Reichs nichts, als daß sie sich als Russen fühlen, als Russen denken, als Russen handeln. (!) Von diesem Gesichtspunkte aus sei auch die Judenfrage anzusehen. Rußland zahlt jetzt . sechs Millionen Juden in seiner Mitte. Die Regelung ihrer Verhältnisse werde allmählich erfolgen. Jetzt tage im Ministerium des Innern eine Kommission, deren Aufgabe es ist. sestzustellen, wie innerhalb des deü Juden angewiesenen Wohngebietes der Unterricht unter ihnen gefördert werden könne. Man lege auf dieses Mittel. die Judenfrage zu lösen, ein großes Gewicht und-sei ' überzeugt, daß dies der Weg sein werde, die Affimi- . lation Herbeizufuhren, die darin bestehen soll, daß sie unbeschadet ihres religiösen Glaubens Russen werden, als solche ihre Denk- und Fühlioeise sich manifestiren. Mit nationalcn Aspirationen wolle man sich nicht befassen, umsomehr lege man Gewicht darauf, daß sie in

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