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Der Israelit · 1904-02-28 · Heft 17 (29.2.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 17 (29.2.1904)
Date
1904-02-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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379 mon"-Standpunkte angelangt ist. Doch nein, ich Willis ja umgekehrt machen; die Alten sprachen das Jahr hindurch die Wahrheit und konnten sich im Purimscherz so eine Umstellung wohl leisten, bei uns aber werden im Allgemeinen die Hamane gelobt und die Mordechai's getadelt, und nur am Purim wird einem die wahre Betitelung gestattet/ ohne daß man sich eine Lerbalinjurienklage zuzieht. (Mit dem Boruch oder Orur Mordechai ist hier in Frankfurt überhaupt nicht zu spaffen — sapienti sat). Hoffentlich hat der Herr Redakteur ein purimlich Rühren und erblickt in diesen Zeilen die Garantie dafür, daß ich vom Schuschan Purim an bis zum nächsten Tanis Esther kein Sterbenswörtchen Wahrheit mehr schreibe, obgleich man mich in jüngster Zeit verdächtigte, so grob und salonunfähig zu sein, nicht zu lügen. Von wem ich nun gerade Dieses Mittel gelernt habe, und um mich von allem Verdachte zu reinigen, nur als Maske die Wahrheit sage, das will ich verrathen, und an dieser Stelle meinen Vorbildern den tiefgefühltesten Dank aussprechen. Es fanden-sich nämlich hier eine Anzahl Leute; diese Leute hatten merkwürdigerweise immer eine unheimliche Angst, daß man sie — so groß sie auch waren — für Kinder d. h. für kindisch hielt. Da hatte einer von diesen Leuten einen rettenden Gedanken, der sich auch bald zur That verdichtete. Er dachte nämlick, es gäbe keinen glänzenderen Gegenbeweis als den. daß sie sich einmal alle als Kinder verkleid et en. und im wirklichen Leben somit doch sicher keine Kinder seien. Gedacht, gethan — und nur noch einige spottsüchtige Bösewichter wagen es zu behaupten, gerade jetzt erst hätten sie die wahre, unverstellte Kindifchkeit der Veranstalter erkannt. Ich gehöre nicht zu diesen Bösewickitern und bin fest überzeugt, daß, um in dieser Art der Beweisführung Schule zu machen, jene Leute schon einige Wochen vor Purim — zufällig zur Faschingszeit — dieses Fest veranstalteten, so daß ich noch rechtzeitig zu Purim diese Lehre in praxi verwerthen kann, und alle Leute, die behaupten, ich würde das Jahr hindurch Wahrheiten sprechen, durch diesen wahren Purimartikel — Lügen strafen kann. Also Wahrheiten soll ich sagen. Gut denn: Man hat viel Aufhebens gemacht über die neue Synagoge, die wir bald bekommen, und man ist über den gefundenen Platz und über die ganze Lage etc. begeistert. Ich entnüchtere nicht gern Begeisterung, und am wenigsten sagt mir heute Nüchternheit zu, aber trotzdem fühle ich mich gedrungen, den allgemeinen Begeisterungstaumel zu dämpfen und Folgendes zu schreiben: Unsere neue Synagoge wird ewig unvollständig bleibm, sie wird einem Haus ohne Dach, einem Chase» ohne Narrheit, einem Tanis Ester ohne Purim, einer Khille ohne Klatsch, einer Koscher-Spezereihandlung ohne Aufsicht, einem Nachlas-Zvi-Abend ohne Herrn R., einer zionistischen Äersammlung ohne Geschrei, turz und gut. sie wird allem Unvollständigen und Lückenhaftem in der Welt auf ein Haar ähnlich sehen . — wenn nicht folgende zwei Einrichtungen schleunigst eruirt werden. Erstens: am äußeren Treppeneingang der neu zu errichtenden Synagoge wird ein Ehrengericht eingesetzt, dessen Aufgabe es ist, sowohl alle mündlichen Schmähungen, als auch die thätlichen Handlungen, die sich zwischen den Synagogenbesuchern auf der Treppe entspinnen sollten, vorkommenden Falls zu notiren, zu bezeugen u. s. w. Das zweite ist ein insbesondere für Hochzeiten zu installirender automatischer Synagogenchor, der nie versagt. Soll doch auch, wie wir gehört haben, die neue Synagoge mit einer Trauung cingeweiht werden, nämlich mit derjenigen des Khillomitgliedes, welches — an de m Tage geboren wurde, da zum erstenmal von unserem Synagogen-Neubau die Rede war. Doch nun genug Wahrheit. — Jetzt ein paar Zeilen im alten Schlage... Boruch Homon.. Du lieber Leser bist ein herrlicher Mensch, hast so ein jüdisches Herz, und auch Dein Kopf hat nichts mit jenem Thiere gemeinsam, welches uns zum Genüsse verboten; überhaupt wir Frankfurter sind alle — Ideal-Menschen, wir haben immer so saubere Vorhemden und so glänzende Cylinder am Sabbat; und wenn wir auch nicht alle am Tanis Ester fasten, so halten wir doch umsomehr in orthodoxer Weise den Purim, und das nicht nur einen Tag, wie unsere Ahnen, sondern wegen Sfeko djemo halten wir das ganze Jahr Purim Sudoß, und hören nie auf, uns zu verstellen .... . . . Noch ein kleines Purimräthsel. Wo kommt ein jüdischer Journalist in der Megilo vor? Gelt, das wißt Ihr nicht, und doch ist's einer der zehn Söhne Hamans, nämlich Dalphaun.

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