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Der Israelit · 1904-02-28 · Heft 17 (29.2.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 17 (29.2.1904)
Date
1904-02-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. zu Jfs 17 des „Ssmeüt". VkltzkWAk in Lilhtt i)t$ Änllmiis. HI. Eine sinnige Legende erzählt, daß einstens der alte Erzieher des letzten Assyrerkönigs diesem den Sturz seines Thrones prophezeit habe. Aufgebracht erwiderte Sardanapal: ..Mein Thron steht tausend Jahre, drum wird er ewig stehen." ..Ich habe neunzig Mal den Lenz gesehen" — antwortete der Greis — „werd' ich drum niemals sterben?" Und der alte Mentor hatte recht. Unmerklich verwitterte die despotische Herrlichkeit der Erbauer Ninives und Babels, von der ganzen großen chamitischen Völkergruppe ist nicht viel mehr als der Name geblieben. Gesunken ist der Thron der Pharaonen, dahin der durch seine Intelligenz und Unbesiegbarkeit berühmte Militärstaat Babylon, und Ruinen sind an der Stelle des bunten Straßengewühls und der wohllüstigen Prunkgemächer des weitherrschenden Ninive; denn bei ihnen allen war die Größe und das Glück Weniger um das Elend und die Verzweiflung der Vielen erkauft, und deßhalb grinste unter ihrem blühenden Scheinleben die Larve der Verwesung. Aber trotz alledem hatten auch sie ihren Daseinszweck. auch sie ihre Mission auf Erden. Und das ist das einzig Großartige an Gottes Weltordnung, daß auch unbewußt jedes Einzelwesen und jede Staatengruppe nur Vollstrecker Seines Willens sind, und daß sie alle selbst dann am Heilesbaum der Menschheit Mitarbeiten. wenn sie glauben zu zerstören. So zeigten wir z. B. schon oben, wie Nebuchadnezar nichts anderes war, als die von Gott geschwungene Geißel zur Züchtigung der noch entarteteren Pharaonen. Am ergreifendsten und anschaulichsten finden wir dieses Walten Gottes in der Geschichte, in den großen Eroberungen , die im dritten Jahrtausend die Perser zum Weltreiche machten. Diese Eroberungen waren zugleich das ungeheure, unvermeidliche Ende chamitischer Weltherrschaft, und der wunderbare Anfang japhetitischen Geisteslebens, das seinen Blüthegipfel in Hellas fand. Persien nabm vermittelnde Stellung ein. Die Perser waren auch ihrer Abstammung nach ein Mischvolk aus chamitiichem und japhetitischem Stamme entsprossen. letzteres freilich überwiegend.') Reiner und veredelter war auch ihre Gottesanschauung. Wohl haben auch sie noch nicht das Bewußtsein. datz e i n Gott Licht und Dunkel. Glück und Unglück. Leben und Tod, geschaffen; wohl haben auch sie in Ormuzd und Ahriman zwei gegensätzliche Ver- I) Vergl. darüber Cbsrdla, Tojsi» en Pcne, Fol. III Cop. XI Mf. treter des Lichtes und der Finsterniß. aber doch unendlich geläuterter, als im Baldienst, war ihnen das Licht nicht bloß Licht als solches, sondern das Reine des Geistes, das Gute und Erstrebenswerthe, und mithin auch endlich zum Sieg gelangende. Und wett alle Menschen diesem Ziele sich nähern können, war auch keine Trennung in Kasten mehr bei den Persern allzu scharf ausgeführt?) . ' Wir haben übrigens in'unserer Megillah Ester ein nicht zu unterschätzendes historisch! snd kulturhistorisches Dokument für das damalige Staatenlebrn Persiens. Wir treten vor allem keinem unbeschränkten, orientalischen Despotismus entgegen, es hat vielmehr der Staat sein pTi n „Gesetz und Recht", und weist neben den Gesetzen auch lebendige Ausleger derselben. Rechtskundige und Chronisten auf. Sogar der König zollt der Rechtsidee seine Huldi'gung, indem er überall auf die Rechtsformen achtet. Auch das „Volt" wird wenigstens nicht ignorirt und auch es darf an den Tafelgenüssen der Großen theilnehmen.... Und dennoch, wie viel Rechtslosigkeit bei allen Rechtsformen, lvie ist doch alles, nur leere Form, und muß sich als solche jeder Laune des Fürsten unterordnen. Ein Morgenbesuch bei einem Fürsten genügt, um einen Menschen an den Galgen zu bringen. Ein ministerieller Vortrag — und das Dekret zur Riedermetzelung einer ganzen Völkerschaft wird gegeben — und das königliche Dekret genügt dazu! Und des Königs Majestät, wie wird sie ferngehalten von jeder Berührung mit Menschen, wer sich ihr ungesucht naht, ist todesschnldig. Ach, der König soll nicht wissen, daß es auch Leid und Jammer gibt. Trauergewänder dürfen sich in den Palästen der persischen Majestät nicht blicken lassen: „Der König und Haman setzen sich zum Wein, während die Stadt voller Bestürzung ist." So war in Persien die Idee des Rechts wohl schon vorhanden.- die Praxis war noch chamitisch. Und es brach sich Persiens . Macht an hellenischem Freiheitssinn, und ein ganz japhctitisches Reich übernahm die Erbschaft der Weltenführung. Aeußerlich nicht bedeutend, walzte es mit seiner Kultur doch den ganzen Entwicklungsgang der Menschheit um. Und wie stellt sich das Judenthum zu - hellenischen Idealen? Was deutet uns die ideale Kunst- - schövfung griechischer Bildhauer? Was bedeutet uns. die Nation, die noch bis heute allem Menschenstreben ihr Gepräge aufdrückt? Wie stellt sich Japhets Blüthr ru. dem. was wir. erkannt als uysern Maßstah. .den idesL „Rechtß Md),der Menschlichkeit?"?)-' . vl rbpvob npijn pS rcro •i) SJi-rfll. Hegels SSrrfc. (‘-Berlin 183") Bd. ft T. 176. 3) vqrxn 26. 17. (Fortsetz, folgt.) —o

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