Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-02-28 · Heft 17 (29.2.1904) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 17 (29.2.1904)
Date
1904-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450003--60183-2521071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

867 ’S, „Frage sie doch selbst, sie wird eS Dir auch sagen, daß ihr gar nichts daran liegt, daß der Geistliche ihr ein paar Tropfen Wasser auf den Kopf gesprengt hat. deßhalb wäre sie doch Jüdin. Und Du siehst es doch, daß sie sich für eine Jüdin hält, sonst würde sie sich doch nicht weigern, Schinken und dergleichen zu essen!" Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Das ist wahr. Und hat sie denn nicht im Grunde recht? # Was können die paar Tropfen Wasser nützen oder schaden? Sie ist wirklich ein gescheidtes Kind." „Sie ist Dein Abgott." „Lasse sie nur erst wieder frisch und gesund sein, dann bringe ich sie sofort in ein israelitisches Institut." Sie widersprach nicht mehr, war nur froh, daß er auf die Idee mit dem Rücktritt nicht mehr zurückgekommen war, und so wenig mütterliche Zärtlichkeit sie für die ihr so wenig ähnliche Tochter empfand, hielt sie es doch kür gerathen, sich liebend besorgt für sie zu zeigen. „Wenn Du darauf bestehst, sie in ein Institut zu geben, so wirst Du doch hoffentlich eines in der Nähe wählen, damit wir sie öfters sehen können." „Wenn hier in der Näl-e ein in jeder Beziehung entsprechendes Pensionat besteht, werde ich es sicherlich vorziehen, sonst müssen wir uns entschließen, sie weiter fortzugeben." . „Das wäre hart, sie ist noch gar so jung." „Wenn Du meiner Bitte entsprochen und die Redlich behalten hättest, wären uns alle diese Unannehmlichkeiten erspart worden." „Das war unmöglich, ich begreife nicht, daß Du das nicht einsiehst? Nein, nein, so schwer ich das Kind entbehren werde, den Fluch der Lächerlichkeit darf man nicht aus sich laden." „Ich werde mich selbstverständlich nach einem Institut in der Nähe umsehen, aber wenn ich in der Ferne ein besseres wüßte, würde ich mich durch die Nähe nicht bestechen lassen." „Nun ja, wohin Du sie auch geben wirst. Du wirst sie fleißig besuchen, für Dich ist das eine Kleinigkeit. Aber für mich als Dame ist das schon weit schwerer, ich werde am meisten dabei leiden." Es lag ihm auf der Zunge, ihr vorzuhalten, wie sehr ihre Worte mit ihrem Gebühren in jüngster Zeit kontrastirten, aber das hätte doch wiederum zu unangenehmen Erörterungen führen können, und wenn Aurelie unmuthig war, dann konnte sie sehr unangenehm werden, während, wenn man sie in guter Laune zu erhalten wußte, sie sehr liebenswürdig sein konnte. Er behielt daher seine Bemerkung für sich und sie verbrachten den Abend in heiterster Stimmung. Am andern Morgen jedoch, bevor Grünwald sich in's Comptoir begab, suchte .er die Wohnung des Verwalters auf, um sich nach dein Befinden seines Kindes zu erkundigen. Frau Müller konnte ihm der Wahrheit gemäß berichten, daß Frieda alles, was sie ihr auf Anordnung des Arztes gereicht, sowohl gegessen, als getrunken hatte und sehr munter gewesen war. Jetzt schlief sie noch, aber sie führte den Vater an ihr Lager und ihm wollte es scheinen, als ob ihr Aussehen sich bereits' etwas gebessert, ihr schmales Gesichtchen etwas weniger bleich als Tags zudor. Der Arzt hatte versprochen, im Laufe des Vormittags sich nach der kleinen Patientin umzusehen und dann später den Bankier im Comptoir aufzusuchen um ihm Bericht zu erstatten. Grünwald ließ ihn durch die Frau des Verwalters erinnern, nicht sein Versprechen zu vergessen. „Er wird wohl nicht daran vergessen," entgegnete sie lächelnd, „der Herr Doctor wohnt doch in der Nähe Ihres Contors und überdies werde ich ihn daran erinnern." Doktor Baßler hätte jedoch auch ohne dies nicht daran vergessen, er interessirte sich für seine kleine Patientin ganz besonders. „Guten Morgen, Herr Grünwald!" rief er. als er die Thüre zu dem Privatzimmer des Bankiers öffnete, „bringe Ihnen einen Brief von Ihrem Töchterchen." Grünwald war ihm mit ausgestreckter Hand entgegen gegangen, indem er den Gruß erwiderte. „WaS macht meine Kleine und wie finden Sie sie?" (Fortsetzung folgt.) Auflösung des siM nbw-Räthsels in Nr. \5. DmX --- Freund — 2'1« --- Feind. Unter den Einsendern der richtigen Lösungen wurde geloost und erhielt die Gcwinnerin Frau Dr. Hokzer—S chwedt a. O. „Zwei Flaschen Champagner" (nDD bv "lPr) gratis und franco zugesandt. Wochen-Kalenöev. Mittwoch, 2. Mär?. 18. Adar. ü'hb \vw. Frtllag. 4. März, 17. Ader. Sabbat-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 5 Uhr 45 Min. '' Samfiag, 5. Marz. 18. Adar. nn» nns, hjwi '3. Sabbat-AuLgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 7 Uhr 05 Min. — Berlin 6 Uhr 31 Min. — München 6 Uhr 42 Min. — Stutt» gart 6 Ubr 50 Min. — Strasburg 7 Uhr 00 Min. — Posen. " 6 Uhr 20 Min. - Stettin 6 Uhr 27 Min. -. BreSlau g Uhr 17 Min. — Wien 6 Uhr 27 Min.Pari» 0 Ubr 50 MU» — Prag ü Uhr 30 M»- witniTSj

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.