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Der Israelit · 1904-02-22 · Heft 15 (22.2.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 15 (22.2.1904)
Date
1904-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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So lebte Frieda denn ausschließlich von Wasser und Brod, doch sie klagte gegen niemanden, nicht einmal gegen ihre jugendlichen Freunde im Nachbargarten, mit denen sie täglich, wahrend ihre Brüder unterrichtet wurden. zusammen kam. Aber sie schwand zusehends dahin und Frau Christiani, die Wirthschafterin. hatte die Mutter wiederholt gebeten, sie möge ihr gestatten, dem sichtlich leidenden Kinde möglichst viel Milch und Eier zu geben. Aber Frau Grünwald führte ein strenges Regiment und bedrohte jeden ihrer Leute mit sofortiger Entlassung, wenn sie es wagen würden, den Ungehorsam ihrer Tochter zu fördern. Grünwald war langer als er geglaubt hatte auf seiner Reise aufgehalten worden, erst nach drei Wochen kam er heim. Er war ein zärtlicher Vater, hatte jeden? Kind ein schönes Geschenk mitgebracht, das Schönste seiner Tochter. Aber er erschrack, als er sie erblickte.- „Wie siehst Du aus! — was ist Dir Kind?" „Mir ist nichts/ erwiderte sie lächelnd. Aber ihre Haltung war so matt, selbst ihr Lächeln erschien ihm schmerzlich. Aengstlich sorgend zog er sie an sich. „Du mußt mir sagen, Liebling, was Dir ist — ich sehe es Dir ja an, daß Du leidest." „Mir ist nichts/ wiederholte sie leise, aber ihre Lippen bebten. „Frieda hat mir durch ihre Ungezogenheit und durch ihren Ungehorsam viel Verdruß gemacht/ fiel seine Frau ein, die mit. zunehmendem Aerger die Zärtlichkeit des Vaters beobachtet hatte. „Frieda ungezogen und ungehorsam? — Aber das kann ich mir ja gar nicht denken —" „Wenn Du Dir's auch nicht denken kannst, es ist doch so — und darum sieht sie vermuthlich auch nicht gut aus/ „Aber was ist denn vorgcfallen?" forschte er. „Nun. Du weißt doch, daß ich die alte Jüdin, die Redlich entlassen und eine andere Haushälterin. Frau Christiani, ausgenommen habe und darum will unsere ungehorsame Tochter nicht essen, was auf den Tisch kommt, sie kann ja nicht wissen, ob's koscher ist", fügte sie höhnisch lachend hinzu. Grünwald wechselte die Farbe, er drückte sein Kind einen Augenblick fester an sich, dann aber ließ er' es aus seinen Armen. „Gehe hinein. Herzchen, ich habe mit der Mama etwas zu sprechen." Aber das zarte Kind, das seit Wochen kein freundliches Wort aus Elternmund vernommen, füblte sich durch die zäHliche Sorae des Vaters seltsam erschüttert. Sie taumelte einiae Schritte vorwärts, dann aber brach sie ohnmächtig zusammen. Grünwald schrie laut auf und hob sie emvor in seinen Armen und als. er sie so bleick und mit geschloffenen Augen wie leblos sab. über-, siel ihn eine entsekliche Angst: druckte mit solcher Heftiaseit. an.den Schellenknopf, daß zwei Dienstboten UeichEtigds^Zim'mer stürzten.;? „Eilen Sie zum Doktor! geschwind! geschwind! — er muß sofort kommen. — Und Sie bringen Wassers Essig, kan cke cologne — geschwind! geschwind! das Kind stirbt! — „Aber mache Dich nicht lächerlich mit Deinen Uebertriebenheiten", tadelte seine Frau. ' Vv: „Zu was stehst Du noch immer mit hem großen' Mädchen auf dem Arm? — lege sie auf's Sopha, .sie wird bald wieder zu sich kommen — ich bin auch schon öfters ohnmächtig gewesen, davon stirbt man nicht/'. Er entsprach ihrer Aufforderung, sorgsam bettete er das noch immer regungslose Kind auf das Kanapee — und da kam auch schon die Haushälterin mit allem, toas er verlangt hatte. „Fürchten Sie nichts,^ gnädiger Herr", sagte sie, während sie sich um die Ohnmächtige bemühte, „dem Kinde wird gleich wieder gut sein." Und als sie sah. daß Frau Grünwald sich entfernt hatte um, wie sie sagte, ihr Riechsalz zu holen, fügte sie leiser hinzu: \ .7 -;' v : „Das hat man ja voraussehen können, daß - so was kommen muß. so'n feines Kind kann das nicht er-! tragen, Brod und immer nur trockenes Brok ^.Oft und oft habe ich's der Gnädigen gesagt, ich mochte dem 5kind viel Milch und Eier geben, aber nein, nein! hat sie immer gesagt, wer der Ungehorsamen etwas giebt, der muß sogleich aus dein Haus. — Aber sehen Sie nur, gnädiger Herr, die Wimpern bewegen sich/gleich wird's gut sein." ■ ’ Es dauerte in der That nicht lange, bis Frieda die Augen aufschlug, verwundert blickte sie um sich, schien im ersten Augenblick nicht zu wissen, was mit. ihr vorgegangen, aber ein glückliches Lächeln umspieltes ihre bleichen Lippen, als sie des Vaters ängstlich befolgtes Gesicht über sich geneigt erblickte. v. ‘J - „ Lieber, lieber Papa", flüsterte sie., . ‘°. „Mein liebes, kleines Mädchen, fühlst Du Dich jetzt besser?" - - . »Ich fühle mich ganz wohl,.Papa, ganz gewiß! Ich häbe mich nur so gefreut, daß Du wieder da bist, ich glaube davon ist mir schwindlich geworden, das ganze Zimmer hat sich um mich gedreht/"-'- - Er erwiderte nichts, streichelte ihr Nur liebkosend das schmale blasse Gesichtchen. Da kam auch.schon der Arzt, das Mädchen hatte ihn unterwegs getrofsem upd hatte auch ihm bereits mitgetheilt, was der Vater durch die Haushälterin erfahren, denn die' Dienstboten!halbes sich wiederholt über das herzlose Gebühren ihrer Herrick aufgehalten.. V-.. V . ' Ti4VYTt!*"T Mit freundlichem Gruß trat der-Arzt'zu der kleinen Patientin. ' „Nun, wie geht's denii./liebie Klyne?" . . . '; 5 ////V ~ -Danke gut/, erwiderte das' Kmd, :.mip ijs.,nu^ vorhin schwindlich geworden, weil, ich mich.so.geArüt habe,' daß Papa wieder gekommen ist.? - "

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