Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 62 (4.8.1904)
- Date
- 1904-08-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. I<chrg«g. Jfl (JJ8. «in Eentral-Hrgan für das ortyodore Judenlhum Begründet von Id». Ifeftmatt» in Ofiittf. Donnerstag 2 3. Aw 5864. 4. August 1804. Tis ZvütiiAiii i» iriittn (§ninlisip. Von Dr. Hermann Mein. titürtictzuna.) Mainz, im August. Zu all dielen Beweisen für das Dasein Gottes tritt für uns Jrtten noch ein schlagender Beweis hinzu. Dieser Beweis sind wir selbst, ’"y er.« Ihr seid meine Zeugen, sagt Gott. Das Judenthuw. ist vor Allem eine historische Religion, d. h. eine Religion, die sich hauptsächlich auf historische Thatsachen stützt. rfrrt cy nesn nrc, sagt der weise König. Gut ist' Weisheit, wenn sich ihr das Moment der Tradition, das von den Vätern Ererbte. Ueberkommene und Uebcrlieserte zugesellt. Wir besitzen eine immerwährende und fortlaufende Offenbarung Gottes in der Geschichte Israels. Rach der Entartung des Menschengeschlechtes zur Zeit der großen Fluth wird mit Abraham ein Geschlecht begründet, das zum Träger der göttlichen Offenbarung geeignet ist, für alle Zeiten. Das Geschlecht wächst heran, vermehrt sich, wird zum Volke und enipfängt, nachdem es im eisernen Schmelztigel Mizrajims geläutert ist. die göttliche Lehre am. Berge Sinai. Am Sinai tritt Gott zum ersten Mal in unmittelbare Bezicbung zu seinem Volke. Er erscheint selbst dem Volke und bringt ihm die Lehre, die fortan sein ganzes Leben gestalten soll. Mit dem persönlichen Erscheinen Gotteam Sinai schwindet der letzte Zweifel, der vielleicht im verborgenen Winkel manchen Herzens eingenistet gelvelen sein mag. es ist einein jeden Zweifel anck für die fernste Zukunft vorgebeugt. Gott erschien einem Volke von sechsmalhunderttausend erwachsenen, urtheilssähigen Männern; das Doll hörte die göttliche Stimine und die Väter erzählten es ihren Kind-rn und > so entstand die festgefügte Kette der Tradition, an der kein Glied fehlt, die bis in unsere Zeit hineinreicht. Es! wäre interessant zu untersuchen, lvo, wann und warum i ein Zweifel an dieser unbestreitbaren Thatsache ent-! stand. Vielleicht kommen wir in einem anderen Zuj sammenhang auf diese Erscheinung zurück. Vom! Sinai ging das Volk als das auserwählte hinweg, als! das auserwählte in dem Sinne, daß es zum Träger , göttlichen Geistes bestimmt wurde, und so die Pflicht! erhielt, besser, reiner, edler, bescheidener zu sein, als alle i anderen Menschen — und es ging in die Wüste. In der : Wüste wird es dann noch vierzig Jahre erzogen, damit ' es reif für den Besitz des Landes werde. Durch das . Wandern sollte das Volk lernen, in allen Lagen;u Gott! emporzublicken, durch die Wanderung sollte ihm der? ganze tiefe Sinn seiner Bestimmung erschlossen werden.! Es nimmt das verheißene Land in Besitz, verfällt in ' Götzendienst und wird unglücklich, kehrt zu Gott zurück und findet Rettung. So geht es Jahrhunderte, bis; das Volk sein Land verliert und in die Verbannung I wandert. Erst im fremden Lande hat es Gott lieben gelernt, daß es von Ihm nicht mehr läßt, wenn es auch j noch häufig Seine Gebote mißachtet. In das Land der Väter zurückaelehrt. bleibt es zwar treu seinem Gotte, zieht sich aber durch Paririsucht, Uneinigkeit und! Bürgerzwist wiederum die Verbannung zu. Zum * zweitenmale wird das Heiligthum unseres Volkes zerj stört und nun beginnt für die Juden eine Geschichtsj epoche, die nichts ist als eine fortlaufende Reihe der ' wunderbarsten Ereignisse, der offenbarsten Wunder. Ein Volk, klein und unbedeutend an Zahl und dennoch zerstreut über den ganzen Erdball; gehaßt, verfolgt von allen Nationen und dennoch unzerstörbar; verachtet und verstoßen allüberall und dennoch von größtem Einfluß; arm. elend und heimathlos und dennoch theilnehmend an jeden« Välkermorgen. an jedem Aufblühen der Kultur; zum entwürdigenden und häufig entehrenden Schacher gezwungen, und dennoch nichts höher schätzend.