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Der Israelit · 1904-02-11 · Heft 12 (11.2.1904) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 12 (11.2.1904)
Date
1904-02-11
Page
– (sequence 28)
Language
German
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276 terrichts. Das historische Moment tritt in den Psalmen des Gebetbuches ganz besonders hervor. (Psalm 34,136,132 u. a. m.) So lohnt sich hier oft die an - lehnende Methode. David's vereitelter Plan, den Tempel zu bauen, ist die geschichtliche Grundlage zum Psalm 132. Vernünftigerweise werde ich die Uebersetzung dieses Psalmes an die betreffende bibl. Geschichte anschließen. (Stufe der Anwendung!) Das Gleiche geschieht mit Psalm 3 im Nachtgebet; seiner Uebersetzung geht die Erzählung von David's Verfolgung durch Absalom voraus. Bezüglich der Ein- und Abtheilung der Gebetsstücke. hinsichtlich ihrer „Systematisirung" muß Folgendes beachienswerih erscheinen. Die Eintheilung in Morgen-, Mincha- und Abendgebet ist selbstverständlich und leicht. Gesagt muß aber dem Kinde werden, daß Schacharit und Mincha den zwei Tomidopfern entspricht, und welch' hohe Lehre dieses Opfer gepredigt: „die tägliche Lebensweihe!" Darum wich es nicht aus seiner Bedeutung und Rangstufe selbst am heiligsten Festtage. Das tägliche Fortarbeiten an uns selbst hat den Vorzug gegenüber einer einmaligen „Besserung", etwa zur Zeit der Herbstfeiertage. Der Schüler ist der beste, der immer fortarbeitet, nicht etwa auf die Prüfung alles auf einmal zwingen möchte. Solche Vergleiche leuchten ein. Todir wescheenau todir, todir kaudem! Beim Mussafgebete erachte man es nicht für überflüssig, darauf hinzuweisen, daß es dem Mnssafopfer entspricht und daß dieses eine vermehrte, erhöhte Lebensweihe lehren will für Sabbat, Neumond und Festtag; daher auch stets a l aulas hatomid. Alle Mussafgebete enthalten daher zweierlei: erstens.die Erwähnung des Mussafopfers. im Anschlüsse daran die Bitte um den Wiederaufbau des Tempels. Man verlasse sich nicht darauf, daß das Kind solches selbst herausfindet. So muß auch bei der Werktagsschmono Esre die Dreitheilung in Lob-, Bitt- und Dankgebet hervorgehoben werden. Treffend und trefflich ist hier der bekannte Hinweis auf das Vortragen einer Bitte beim Könige: zuerst die huldigende Anrede, hierauf die eigentliche Vittvorstellung, dann Dank und Abschied. Das Kind muß wissen, daß die Bitten mit ato chaunen anheben und mit der allgemeinen Bitte um Erhörung des Gebetes schließen; (Schema kaulenu) es muß die Systematisirung in 3 erste. 12 (bezw. 13) mittlere und 3 letzte Segenssprüche kennen. Damit im Zusammenhang und im Vergleich muß bekannt gegeben werden, daß alle übrigen „Schmono-Esre" nur eine mittlere Brocho enthalten, mit Ausnahme des Mussaf vom Neujahrsfeste. Solche Vergleiche gehören zur Gründlichkeit, sind aber auch anregend und anspornend. Unsere Gebete zeichnen sich überhaupt durch strenge Svstematisirung aus. (Die Erwähnung vom Auszug aus Aegvvten vor Morgens- und Abends-Schmono- Esre die Bitte um Frieden am Ende aller Hauptgebete, der Anfang der Schlußbitte in allen Schmono-Esre (außer dem werktägigen) mit elohenu welohe awosenu u. s. w.) Es würde zu weit fuhren, hier in's Detail zu gehen. Die Vergleiche find keineswegs an den Haaren herbeigezogen, sondern natur- und sachgemäß; sie bringen erst Nebersicht in das Ganze durch die Gliederung des Stoffes. Zur Uebersichtlichkeit rechne ich auch die Gepflogenheit, jedem Gebetstheil eine Üeberschrift zu geben, bezw. in wenigen Worten die Inhaltsangabe zu machen. (Dies ist ein methodisch bedeutender Vorzug der poetischen Verdeutschung unserer Gebete durch Rabbiner Dr. Goldschmidt-Offenbach!) So wird mir das Kind sagen müssen: die erste Abtheilung des Schema enthält: unser Glaubensbekenntniß, die Pflicht der Liebe zu Gott, die Pflicht des Thorastudiums, der Denkriemen und der Pfostenschrift; der zweite Abschnitt enthält die Lehre von Lohn und Strafe, wiederholt die Pflicht des Thorastudiums, der Denkriemen und Pfostenschrift, u. s. w. Die ersten 3 Segenssprüche des Schmono-Esre heißen schon in der Mischna ihrem Inhalte nach sehr richtig owaus, gewuraus und keduschah. Das Kind muß aber auch die in gewuraus erwähnten „Machtthaten" aufzählen können. Immer Uebersicht und Gliederung — oder nach Herbart Vergleich und Klarheit. Bezüglich der Stoffauswahl ist schon oben betont, daß man oft an die bibl. Geschichte anknüpfen soll. Nach der Chanuka- und Purimgeschichte beispielsweise al hanissim, nach der Erzählung der Kämpfe gegen Sichon und Og etwa Psalm 236; wenigstens gehört dies zur Darbietung der historischen Grundlage. (Ich spreche hier nicht von den Hauptgebeten, die ja wohl in jeder Schule behandelt werden!!) Es empfiehlt sich aber für die Stoffauswahl noch manches zu berücksichtigen. das bisher sehr stiefmütterlich behandelt wurde. Solche „Brachfelder" sind in den meisten — auch strebsamen Schulen — beispielsweise die verschiedenen Kiddusch, obwohl sie gerade im häuslich-religiösen Leben eine Rolle spielen und so recht volksthiimlichen Charakter angenommen. Nicht minder volksthümlich ist L'cho daudi und Jigdal; in jedem Gotteshause ertönt deren Melodie, jeder nimmt Interesse und Antheil daran. Dasselbe ist bei Moaus-Zur der Fall. Der Charakter der Volksthümlichkeit muß uns ein Wegweiser sein in der Stoffauswahl: wir dürfen dergleichen Stücke nicht übergehen! Gerade aus diesem Grunde darf auch das Kaddisch nicht fehlen beim Ueberfetzungsunterrichte! Ganz abgesehen von der liturgischen Wichtigkeit und Bedeutung dieses Gebetes beim Gottesdienste überhaupt, muß doch in Betracht gezogen werden die Belheiligung der Gemeinde hierbei durch das sogen. ..Nachsagen" und die Wertschätzung des Kaddischsagens im Trauerjahre! Ist es nicht oft ruhrend. zu sehen, mit welcher Zähigkeit sich selbst religiös Indifferente an diese altgeheiligte Volkssitte klammern?

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