Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1904)
- Date
- 1904-02-11
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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268 *,uu an dem betreffenden Orte auch wirklich gestattet. I sei. Gleichzeitig hat der Minister den Oberprokurator heiligen Shnod ersucht, zu erwägen, ob nicht dieselbe Maßregel auch für diejenigen Juden zu treffen sei, die in den Schoß der Staatskirche ausgenommen zu werden wünschten. Der Synod ging bereitwillig darauf ein und hat die gesammte griechisch-orthodoxe Geistlichkeit angewiesen, Juden nur dann zur Taufe zuzulaffen, wenn der polizeiliche Aufenthaltsschein beigebracht würde. Damit ist den schädlichen. Judentaufen ein gründlicher Riegel vorgeschoben, denn fie fanden fast ausnahmslos statt, um der polizeilichen Ausweisung zu entgehen. Die Aufenthaltsberechtigung besaßen die wenigsten.* Vorausgesetzt, baß die Nachricht des antisemitisch angehauchten Blattes den Thatfachen entspricht, so befindet sich die russische Regierung formell und materiell zweifellos im Recht. Menschen, die mit dem Heiligsten Schacher treiben und sich den mit ihrer Zugehörigkeit zum Judenthum verknüpften Mühseligkeiten durch Preisgabe des Väterglaubens feige entziehen, verdienen es wohl, daß man ihr schändliches Gebühren scharf überwache. Das Judenthum verliert an solchen sittlich durchseuchten Existenzen am allerwenigsten. In ihrem Innern waren sie dem Judenthum verloren, auch bevor, sie ihre Gesinnungslosigkeit durch Vollziehung des Glaubenswechsels besiegelten. Aber sollte die russische Regierung, die dieses verächtliche Renegatenthum förmlich züchtet und großzieht, das Uebel nicht besser bei der Wurzel zu fassen suchen? ILLr. MTsVlsi. Lemberg. (Ein salomo-nisches Urtheil.) Vor vierzig Jahren war's, in einer kleinen galizischen Stadt. Da begegnete Reb-Schmul dem Reb-Manasse. „Schulem-aleichem,* sagte Reb-Schmul. „Aleichem-schulem,* sagte Reb-Manasse. „Wohin gehen Sie?" fragte Reb-Schmul und der Reb-Manasse antwortete: „Wo werd' ich hingehen? Ich geh' nach Vrodv." Da haf der Reb-Schmul eine große Freude gehabt und war sehr beglückt über den Zufall, denn er hatte eine Bestellung nach Vrody. Fünfzig Gulden wollte er seiner Frau schicken, der Esther, und der Post trauie er nicht recht. Da bat er den Reb Manasse, der Esther das Geld zu Lberbringen. „Gern,* sagte der. Aber die Hälfte wollte er für die Mühe des Ueberbringens. Ob er meschugge sei? meinte der Andere. Einen Gulden wolle er geben. Manasse aber zuckte die Achseln. Er wollte was haben für seine Mühe. Dem Reb-Schmul kam aber ein Gedanke. Er gab dem Reh- Manassr dir fünfzig Gulden und sagte: „Gib der Esther so viel davon, als Du willst.* An seine Frau schrieb Schmul einen Brief: fie ollte sich nur an den Rabbi wenden, wenn der Reb Manasse sie allzu stark über's Ohr hauen wollte. Des Letzteren Reise dauerte drei Tage. Er überbrachte der Esther in Vrody die Grüße ihres Gatten und erzählte ihr, wie ihm Schmul die fünfzig Gulden gegeben und dazu gesagt: „Gib der Esther soviel davon, als Du willst!* Und dann gab Reb-Manasse der Esther einen Gulden, denn neunundvierzig wollte er. Die Esther schrie: „Räuber, Dieb, Betrüger! Gib mir meine fünfzig Gulden!* Reb-Manasse sagte: „Ich gebe Dir soviel, als ich wiM* Man ging zum' Rabbt. Der alte Graubart ließ sich den Hergang der Sache erzählen, und haarklein berichtete ihm Reb-Manasse alles, zuvörderst das, was ihm Reb-Schmul gesagt: „Gib der Esther davon soviel, als Du willst.* Die Sache war schwer zu entscheiden. Der Rabbi strich lange seinen grauen Bart, und der armen Esthkr klopfte schon das Herz vor Angst. Aber endlich hatte der Rabbi seinen Spruch gefunden: „Also sprich, Manasse, wieviel willst Du von dem Gelde?" ..Neunundvierzig Gulden, Rabbi.* „Also gib ihr soviel, als Du willst, die neunundvierzig Gulden, und behalte den einen Gulden für Deine Mühe.* Der Reb-Manasse jammerte und schwor das Blaue vom Himmel herunter, aber es half ihm nicht. Noch heute loben die Juden in Vrody die Weisheit des Rabbi Jsaak-Hazadok, Isaak des Gerechten. (L. M. L i l j e n, Jugend.) ' A«densvrrN<b»r»ng«-^rkrMHLsl ru LrivNg. m«f Geaenseitigkeir er» richtet 1830 (alte Leivziaer). Die nn Dorff offenen Sitifirf erzielten Resultate sind, soweit sie sich Alte Zeit, da der Rechnungsabschluß noch nicht vollendet ist. übersehen lass«'», wiederum sehr erfreuliche aeivesen. ^n der Todesfallabtheilimg sind 0060 Versicherungen über M. 57.502.300 Versicherungssumme beantragt und 5968 Dersiche» rungeu über M. 47.868.800 abgeschl>-ffen morden,. daS sind 433 Der» sicherungen mit M. 3.Ö99.500 Versicherungssumme mebr als im Vorjahre. Ebenso war in der Lebensfollabtheilnng der Zugang größer ats im Jahre 1902. so daß das JaH^ 1803 mit e'nem Gefammt.niqanjj an wuen Versicherungen in Hohe von rnnd bO MiUiv» ne» Mark olle frühere» Jabre ühertrifft. Auch in anderer Hinsicht sriqm die Ergebnisse des JabreS 1903 ein erfreuliches Bild. Der Abgang dnrch Aufgabe. Rückkauf und Umwandlung der Versicherung hat trotz der Zunahme des Geschäfts» umfang-s aogenommen und die Auszahlungen für Sterbefälle haben nicht mebr zugenommen. als im Hinblick auf den Zugang neuer Versickerungen und das Aufrücken der vorjäbrigrn Verücher» ten in elae böbcre Altersklasse zu erwarten stand. Da sich ferner der Zinsfuß fast gar nickt geändert hat und die Dermaitungskostrn auf ihrem niedrigen Stande gehalten werden konnten, so darf mir Zuversicht erwartet werden, daß sich au den günstig»n äußeren Erfolgen auch ein recht günstiges finanzielles Ergebnis? gesellen wird. £jm laufenden Jabre beträgt die Dividend»' für die länger alS fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan A, wie seit mebr als eiueiu Jahrzehnt. 42V, der ordentlichen (lebenslänglichen) Jahresbeiträge, bei abgekürzten Versicherungen außerdem noch 1.5V» der Summe der gezahlten Zusatzprämien; b^im Dividendenplan B gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung adgestufte Dl» videndensätze. die die Leioziger Gesellschaft in der von Anfang an 8 in Aufsicht gestellten Höhe fortaewährt. während viele andere Ge» lellschasten sich gezwungen gesehen haben, ihre steigend» Dividend« herabzusetzen. t