Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1904)
- Date
- 1904-02-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. M IS Gentrak-Hrgan für das orthodoxe Iudentyum. Begründet von Ihr. TrHrrrann in Hnfiti. Donnersta 25. BtitDat 5664. 11. Kebrua* 1904. Unsere nächste Nummer, eine Doppeluummer, erscheint Mittwoch, den 17. Fevruar. Vas sind Juden? ffitöncgroplil f^-ont^ropol ag! f(3e 5tnö le oo a Pt. T. g. Kttatz. Besprochen von Lazor. Schön Stuck. pdil.—Würzburg. Unter diesem Titel hat der rühmlichst bekannte Anthropologe Dr. C. H. Str a-tzeine Studie veröffentlicht, die der Beachtung der Leser dieses geschätzten Blattes werth ist. Stratz geht, wie er mit Glaubwürdigkeit versichert, ohne vorgefaßte Tendenz in einem wie im anderen Sinne an die Lösung dieser Frage. Für die Wahrheit aber gilt der alte Spruch der anrea mpdiocrita>bcr goldenen Mitte. Diese mittlere Linie einzuhalten, ist Stratz wohl im Allgemeinen, nicht aber in allen Punkten gelungen. Wir werden versuchen, den Beweis hierfür anzutreten. Die beiden ersten Seiten seiner Studie wie ihre letzten Zeilen hat der Verfasser den Antisemiten gewidmet. Er beantwortet demzufolge die Frage nach dem Wesen der Jude»» im Sinne eines wüthenden Judenfressers. „Die Juden sind ein gehaßtes und verachtetes Volk semitischer Rasse und mosaischen Glaubens, das sich durch lange Nasen und zahlreiche körperliche Gebrechen, wie „runde Rücken, krumme Beine, platte Füße u. a. m. auszeichnet." „Die Judenfrage ist so alt, als das Volk der Juden selbst. Seit drei Jahrtausenden wandert sie von einem Geschlecht zum andern,- seit drei Jahrtausenden wird sie in einem für die Juden ungünstigen Sinne beantwortet. Alle Lösungen bargen, und bergen unbewußte und bewußte Unwahrheiten. Aber eine Lüge wird dadurch nicht zur Wahrheit, daß sie Jahrhunderte hindurch immer neu aufgelegt wird/ Die dieser Frage gegenüber geübte kulturhistorische Brunnenvergiftung hat die bedauerliche Erscheinung gezeitigt, daß nur die edelsten Geister die Wahrheit über die Juden suchen und finden, wahrend die ganze große Masse der Gebildeten, Halbgebildeten und Ungebildeten der Frage mit verletzender Gleichgültigkeit, scepiischem Spott und tödtlichem Hohn gegenübersteht. Man kann eine Frage, die nicht heute oder gestern aufgetaucht ist, nicht wie Stratz gethan hat, mit Vor-. führung einiger Bilder, die jüdische Gesichtsbildung bei Richtjuden und umgekehrt zeigen, und daraus gezogenen Schlüffen der Nichtberechtigung, die Frage mit den Eingangsworten zu beantworten, kurzer Hand abthun. ES ist nöthig, tiefer in die Dämmerung der Geschichte zur Quelle hinabzusteigen. Wir werden dann zu etwas anderen Schlüssen gelangen, als Stratz und schließlich auch das Recept verwerfen können, das er den Juden als eonckitio sine qua non ihrer Weiterexistenz verschreibt: die gänzliche Vermischung, oder, wie er sagte, die somatische, vollständige Assimilation mit den sie umgebenden Völkern germanischer und romanischer Herkunft. Der Haß gegen die Juden wäre seinem Ursprung noch leichter erklärlich, wenn er nur den ungebildeten Massen eigen wäre. Da er aber latent, wie eingeimpftes Gift, von vorneherein auch in den höheren Schichten der Gesellschaft frißt und nur von edlen, geistig hochstehenden Naturen ausgemerzt wird, bevor er zu wuchern beginnt, ist es nothig, tiefer dem Grund dieser eigenthümlichen Erscheinung nachzugehen. Eine gute Erklärung finden wir in dem Umstande, daß in der Geschichte der.christlichen Religionen, beziehungsweise i»