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Der Israelit · 1904-02-08 · Heft 11 (8.2.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 11 (8.2.1904)
Date
1904-02-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Ich habe es ja gewußt, daß Du spotten wirst — nun, da erspare ich die Fortsetzung meiner Erklärung." Sie kräuselte abermals die Lippen und schien reden zu wollen, doch er wehrte es ihr. „Nein, nein, ich bin schon ruhig, bringe Deine Erklärung zu Ende." „Ich habe nur wenig hinzuzufügen. Also wie gesagt, ich fühle mich als Jude und wenn ich auch nicht in jeder Beziehung als Jude lebe, so will ich doch als Jude sterben." „Warum?" fragte sie. „Warum? — Ja sieh' — ich weiß sehr wohl, es gibt darüber verschiedene Ansichten. Aber die meisten Menschen, sowohl Juden als Christen, glauben an ein Jenseits." „Lass', lass', alles, was Du dagegen sagen kannst, weiß ich, aber es ist nun einmal so. Die meisten Menschen glauben daran. Viele allerdings glauben nicht daran. Keiner kann es beweisen, aber Keiner kann das Gegentheil beweisen —* „Und Du? — Glaubst Du daran?" Er zuckte die Achseln. „Ob ich mit Bestimmtheit daran glaube, das weiß ich selbst nicht. Aber mit Bestimmtheit glaube ich an die Möglichkeit einer Fortdauer der Seele nach dein Tode. Und um dieser Möglichkeit willen will ich's nicht verschweigen, dereinst meinen dahingeschiedenen Eltern wieder begegnen zu können. Darum will ich als Jude sterben." „Und Du glaubst —" „Was ich glaube, habe ich Dir jetzt gesagt, ein für alle Mal, und ich bitte dieses Thema jetzt fallen zu lassen. — Es ist ein wunderschöner Abend heute —" „Freilich," entgegnete sie lächelnd, „es ist ein wunderbar schöner Abend und es war ein wunderbar schöner Tag heute, und es wird vermuthlich morgen wieder ein wunderbar schöner Tag sein. — Oder meinst Du, daß vielleicht ein Gewitter kommen wird?" Sie lachte hell auf. „Ist Dir dieses Thema recht?" Er trat zu ihr und schlang den Arm um sie. „Du machst Dich über mich lustig, aber das schadet nichts, wir verstehen einander doch." „Freilich, verstehen wir einander." entgegnete sie, indem sie den Kopf gegen seine Schulter lehnte, „nie werde ich Dich wieder auffordern, die Religion Deiner Eltern gegen eine andere zu vertauschen." Er zog ihre Hand an seine Lippen. „Dank Dir, Geliebte. Es hätte allerdings auch keinen Erfolg, aber besser ist es doch, wir ersparen einander die unangenehmen Erörterungen." „Der Ansicht bin ich auch. Trotzdem, aus Scheu vor unangene.-men Erörterungen dürfen wir das Wohl unserer Kinder nicht aus den Augen lassen." „Selbstverständlich nicht, aber was willst Du wieder damit sagen?" „Nichts anderes, als was ich bereits wiederholt gesagt habe.-Nein, ziehe die Stirne nicht in Falten, ich wiederhole, nie wieder werde ich Dich auffordern. Dich taufen zu lassen. Aber Du kannst es doch nicht in Abrede stellen, daß es für unsere Kinder von größtem Vortheil wäre, wenn sie zur herrschenden Ki-che gehören würden —" „Behaupten läßt sich das nicht geradezu." erwiderte er. bedächtig den Kopf wiegend, „aber unmöglich wäre es nicht/' (Fortsetzung folgt.) Wochen-Kalenöer. Freitag. 12. Februar. 26. Schebat. Sabbat-Anfang in Mainz n. Frankfurt a. M. 5 Uhr 15 Min. Samstag, 13. Februar. 27. Schebat. Sabbat.AuZgang in Mainz"». Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min. — Berlin 5 Uhr 50 Min. — München 6 Uhr) 13 Min. — Stuttgart 6 Ubr 19 Min. —1 Strahburg!6 Uhr 30 Mim — Posen 5 Uhr 46 Min. — Stettin 5 Uhr 50 Min. — DreSlau 5 Uhr 42 Min. — Wien 5 Uhr 57 Min. — Paris 0 UhrZ 20 Min. — Prag 6 Uhr 00 Min. Mo atag, 15. Februar, 20. Schebat. p? a's. D cnstag. 16. Februar. 30. Schebat. n“*n 'h ai\ Mittwoch, 17. Februar. 1. Adar. n“-n '2 oi\ Der „Israelit" ec scheint wöchentlich zw v> i ma I, SSonfaga nud jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Pc-stämtcr nehmen Bestellungen an. — Dev Buchhandel verkehr! durch V. S. Sl rinackrrv, Deiprig, Doßplatz jb. — Inserate 25 Psinnig die viergrspaltene Nonpareillezeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Neclamethe»! ~5 Pfennig. — Dirccte Francozusendung, unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen östcrr., für's Ausland 16 Mark, an dir Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Stellesuchende und sonstige Interessenten können auf Wunsch die jeden Dienstag und Freitag erscheinende »Kleine Ausgabe des Aöraelit" vier Wochen lang gratis und franco erhalten. Wünscht man den Empfang d.r »Kleinen Ausgabe" längere - Zeit, so kann man sich für 25 Pfennige das Vierteljahr, indeß ausschließlich bei der Post auf dieselbe unter Nr. 3933 abonntren Auf Wunsch stunden wir die Zahlung deS JnsertionSbetragS au außer Stelle Befindliche bis »ach *' Erlangnng einer solchen. Inhalt <r)anp1b1ct0: Tie etbischen Strömungen der (Gegenwart und das Judenthum. (Fortsetzung). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Teutsckland: Posen. Danzig. Dresden. Oesterreich: Wie». Ungarn: Lipta-Szt.-Wiklos. Tokai. Argentinien: Äueno» Aires. — Feuilleton: Wahrheit und Dichtu-a. (Fortsetzung). Fn::aU der DeULLe: Indeiihctze in Marokko. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschlandr'Eydtknhnen. Oesterreich: Wien, Nutzland: Petersburg. Palästina-. Jerusalem. — Sprechsaal: Soborten. — Literarisches. — Vermischtes. DeUetristUHr Der Jnde. (Fortsetzung). Verantwortliche Ltcdactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition de» ^JSraelit". SchottstraßeVtr- 2. Mainz. Druck und Verlag der 2 ob. Wirth'schen Hofbuchdruckerel Actien-Gesellschast in Match». Hierzu zwei Beilage«.

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