Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 10 (4.2.1904)
- Date
- 1904-02-04
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2449997--60035-2520887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
45. Jahrgang >müs IM« zu M10. Zettungsnachrichte« urrd Corresyondenzen.! Deutschland. Berlin. Ueber die Juden in Japan, das durch die ostasiatische Krisis wieder einmal die Öffentlichkeit stark beschäftigt, erhalten jetzt verschiedene Blätter folgende sehr interessante Mittheilungen: „Während wir mit Bestimmtheit annehmen dürfen, daß in China schon in den frühesten Zeiten Juden gewohnt haben, die sich aber im Laufe der Zeit mit den Eingeborenen so vermischt haben, daß es jetzt schwer ist, sie herauszufinden, so haben wir dagegen über Ansiedlungen von Juden in Japan in früheren Zeilen nicht den geringsten Anhaltspunkt. Der Grund, daß fast gar keine Einwanderungen selbst aus den nächsten Nachbarländern in Japan stattgefunden haben, wird wahrscheinlich in der Lage des Landes zu suchen sein. Erst seitdem Forscher und Missionäre die Wege nach Japan ebneten, sind auch einzelne Juden eingewandert. Die ersten, deren Namen bekannt sind, kamen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts nach Japan; diese waren englische Juden, welche in Folge der Geschäftsverbindung zwischen England und Japan dort hinkamen. Ein Mann aus der Familie Salomon war der erste, der größere Geschäfte mit Japan machte, und später ließ er sich dort ganz nieder und ließ auch seine Bekannten und Verwandten zu sich kommen, hellte sie als Beamte in seinem Geschäfte an und bildete in seinem Hause ein eigenes Minjan. Außer den englischen Juden finden wir jetzt auch einzelne französische Juden. In Tokio waren im Jahre 1880 ca. 20 jüdische Familien, indessen haben sie keine eigene Gemeinde gegründet. Die meisten sind nicht religiös, und deßhalb liegt ihnen nicht viel daran, eine Gemeinde zu gründen, obwohl ihnen seitens der Regierung kein Hinderniß in den Weg gelegt wurde. Denn seit 40 Jahren sind alle gesetzlichen Unterschiede zwischen den Angehörigen der verschiedenen Religionen geschwunden. Zwar gibt es noch politische Ausnahmen für die Ausländer, besonders in den Hafenstädten, doch in religiösen Fragen herrscht dort völlige Freiheit. Aber die Aufhebung selbst dieser politischen Einschränkungen ist nur noch eine Frage der Zeit. In Tokio und Pokohama finden wir gegenwärtig eine ansehnliche Zahl jüdischer Kaufleute, die das Recht und auch die Mittel dazu haben, Gemeinden zu gründen, aber der innere Trieb fehlt ihnen. Als Ansiedlungsland für die Juden ist Japan nicht geeignet, weil das Land so klein ist, daß es kaum die Eingeoorenen fassen kann. In der letzten Zeit hat Japan sich mehr der Industrie zugewandt und könnten daher jüdische Unternehmer dort ein Arbeitsfeld finden; aber es dürfte doch sehr schwer halten, den tüchtigen und auf der Höhe der Zeit stehenden Japanern Konkurrenz zu machen. Dagegen gibt es dort ein großes Gebiet für Handeltreibende, und in den Grenzstädten, wie Korea etc. können auch jüdische Handwerker Beschäftigung finden. In Korea sind nur wenige Juden, welche in den letzten Jahren eingewandert sind. Auch in Söul . gibt es einzelne Juden, aber in Folge der seit Jahren y herrschenden Unruhen ist die Thätigkeit dort gehemmt." Frankfurt a. M. Bekanntlich hatte Justizrath H i r s ch s. A. mit der Herausgabe der gesammelten Schriften seines großen Vaters s. A. begonnen. Leider hat er nur die Freude gehabt, den ersten Band selbst herausgeben zu können. Wie wir nun mit großer Ge- * nugthnung erfahren, fanden sich in seinem Nachlaß Plan und Anordnung zu allen künftigen Bänden gänzlich ausgeführt vor, so daß das segensreiche Werk ungestört seinen Fortgang wird nehmen können. Schon in nächster Zeit soll der zweite Band erscheinen. Frankfurt a. M. oaso ist? rtrcn Heute sind es 40 Jahre, daß Herr S. Königshöfer hier als Schochet thätig ist. Derselbe wurde am 1. Februar 1864 von der Gemeinde Sulzbürg (bay. Oberpfalz) als Schochet engagirt. Nach drei Jahren gab er diese Stelle aus und bekleidete provisorische Stellen. In Memmingen war er Schochet und ertheilte auch den Religionsunterricht mit solchem Erfolg, daß der Vorstand mit Hülfe der kgl. Regierung von Schwaben- Neuburg bewirkt hatte, daß er zur Seminar-Austritts- Prüfung des nächsten Sommers in Lauingen zugelaffen wurde. Kurze Zeit nachher war die zweite Schochetstelle der hiesigen Religionsgesellschaft vakant und meldete sich Königshöfer. gestützt auf drei flfc? der Capacitäten Bamberger-Würzburg, Weiskopf-Wallerstcin und Wißmann- Schwabach. Der Erfolg war, daß Königshöfer von mehr als 60 Bewerbern per 1. März 1868 als Schochet engagirt wurde. Die Gemeinde Memmingen ließ einen vereinbarten Vertrag auf drei Jahren sehr ungern fallen. I. E. Oesterreich. Wien. (Eine Prager Synagogenstiftung.) Der Verwaltungsgerichtshof unter Vorsitz des zweiten Präsidenten Freiherrn Dr. v.L emayer verhandelte heute über die Gebührenfrage, betreffend eine bei der Prager Kultusgemeinde bestehenden Joachim v. Popper'sche Stiftung, bestehend in Werthpapieren von 38,630 K. Der Stifter Joachim Edler v. Popper hatte in seinem Testament vom