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Der Israelit · 1904-02-04 · Heft 10 (4.2.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 10 (4.2.1904)
Date
1904-02-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. e Asilage zu JA 10 dss „ VeltMUt mM ilfs ZilSkiltliMs. (Fortsetzung.) ,(T3 vo w) .fißX cp N'2 n:n: cnja ra NV21.1 Sowohl zeitlich am frühesten, als auch überhaupt am schärfsten ausgeprägt finden stch die von uns geschilderten chamitischen Stammeseigenthümlichkeiten im Pharaonenreiche. In ihm war mit idealer Meisterschaft der'Mensch entweder zum Lastthier oder zum — Gott gemacht. Seine Herrscher waren nicht nur von „Gottesgnaden", sondern waren selbst inkarnirte Götter. In Aegypten wurden keine Menschen geboren, sondern nur Bauern, Handwerker. Soldaten, Priester. Könige traten in's Leben. Eine eiserne Nothwendigkeit umklammerte einen jeden, u. die Heiligsprechung dieser Kasteneintheilung bannte jeden Versuch einer Umstürzung. Und so schien diese Menschenpyramide, die so klug berechnet und so künstlich ausgeführt, von ewiger Dauer zu sein. Selbst die geographische Beschaffenheit des Landes legt die materielle Blüthe jeiner Bewohner fast ganz in die kundige Menschenhand. Außer der jährlich regelmäßig wiederkehrenden Nilüberschwemmung war jeder andere Entwicklungsfaktor von der Klugheit und dem Fleiß des Menschen abhängig. Und doch sollte der ganze ägyptische Staatenbau an einem inneren Widerspruch verbluten, ein Widerspruch, der im tiefsten Grunde seine Ursache in den ewigen Satzungen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, die Gott nicht ungeahnt mit Füßen treten läßt, findet. Es lassen sich nämlich wohl zeitweise Menschenklassen knechten, sich aller ihrer Menschenrechte entäußern, um nur im Dienste fauler Prasser ein Leben zu führen, das schlimmer, als das thierische ist. Aber für immer völlig rechts- und besitzlos zu machen, ist bis jetzt noch keinem Tyrannen gelungen. Um also die wohlgefügie Ordnung zu erhalten, hatten die Pharaonen nur zwei Auswege. Der eine war. eine letzte Pariaklaffe zu schaffen, die auch noch von der untersten Volksschicht mit süßem Selbstgefühl getreten werden konnte. Zu solch' einer Pariaklasse hat man die Iakobsfamilie degradirt. doch seit jener Zeit verging den Pharaonen die Lust dazu, nachdem Gott sich der unterdrückten Zieqelbrennerhorde angenommen und sie an den Unterdrückern und Peinigern gerächt hatte. Es blieb jet-.t nur noch der zweite Ausweg: Dadurch „das Volk" im Zaume zu Hallen, indem man seine Kraft, die man fürchtete, auf kriegerische Unternehmungen ablenkte, und die Waffen sich vom eigenen Körper'abhielt, indem man sie auf fremde lenkte, und durch berauschenden Nationalruhm etc. es die große Masse vergessen.lassen, wollte, daß alle Eroberungen und Siege ihr nicht das. Geringste nützten, solange ihr Dasein kein menschliches, genannt zu werden verdiente?) . . Andererseits aber — und das bedachten die ägyptischen Diplomaten kaum — gab es für das ganze agyp'-: tische Staatenleben keine größere Gefahr, als irgend welche Berührung mit nichtagyptischen Völkern» dennnur durch die Abschließung gegen das Auslandundhie dadurch begründete nationale Jsolirung konnte, sich . das eigenthümliche, in festen Formen sich bewegende,, ägyptische Kulturleben entwickeln, und mit der Zeit solch starren, typischen Charakter annehmen. . Wenn aber fremde Staaten mit Aegyptern in Berührung kamen, so waren auch fremde, geistige, revolutionäre Ideen zu fürchten, die unausbleiblich über kurz oderlang dem blinden Volk die Augen öffnen mußten, und: dem ganzen Pyramidenbau ägyptischer Staatskunst': mit Einsturz drohten. In diesem Dillemma befanden sich die Pharaonen. Entweder sie sperrten das Land gegen jeden äußeren Einfluß ab und schafften dadurch/ die Unmöglichkeit, für die unteren Volksklaffen irgendeinen Prügelknaben hinzustellen, der die überschüssigen Kräfte ableitete, oder aber sie schafften einen solchen. Prügelknaben in Gestalt eines fremden Volkes, es war/ aber dann wiederum der ideale Einfluß des fremden Geistes zu fürchten. Aegyptens Herrscher wählten.von den beiden gleich großen Ueheln das letztere, und zwei-: mal wiederholte es sich in der ägyptischen Geschichte,/ daß die Aegypter zuerst Fremde unterjochten, . dann aber von ihnen -rden Fremden — unterjocht wurden? Diodor wie Strabo berichten einstimmig,'daß. der.'- ägyptische König S e s o st r i s Aethiopien bekriegt und . bezwungen habe; zu bestimmten Zeiten mußten die Fürsten der besiegten Länder nach Aegpten kommet?. und den Tribut bringen, und außerdem zu je vleren üch vor den Wagen des Sesostris spannen?). Waswar das für eine Augenweide und Entschädigungfür alle Mühe und Last auch des geplagtesten ägyptischen : Steinmetzen. Was war die Folge?! - - - Die 25 Dynastieen der Pharaonen waren keine Aegypter, sondern äthiopische Herrscher,' welche ver- / heerend in Aegypten eingedrungen waren .und die Herr-.? schaft an sich gerissen halten?).. . . , . >>.« Doch war in Wirklichkeit für die Sache-der -.). Menschlichkeit wenig damit gedient, auch die Aethiopser. - waren Chamiten, und aus den. noch vorhandenen- Denk- . ‘ 1) E>ii in manchen B-zlebungen nicht »«ninterewinte- Analogon -'' Au dieser ägyptischen Staatsweiöheit, bietet Inder ReuzeiL Rapple»« / -1».,-der durch bei« .Moire* »»vi'd^n Eroberungen Up« Algier it.n> . Jujiii die Aufmerksamkeit her. JrgyzoLen Po«: ihrem eigenen Lande nblenken wollte. 2) S. Herodot ii I lä. Diodor». 53—58. 3) Herodot a. a. O.137.

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