Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1904)
- Date
- 1904-01-28
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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45. Jahrgang. M 8 dss »• Samuel Straus TSI. Karlsruhe, 27. Januar. Auch zu Zchuen ist die Trauerkunde vom Ableben des Präsidenten unserer Religionsgesellschaft, des weithin bekannten und geliebten Mannes, der unser Stolz und unsere Freude war, gedrungen. Ein warmfühlender, uberzeugungstreuer, stets opferbereiter Jehudi hat uns leider allzufrüh verlassen, ein Wohlthäter im reichsten und schönsten Sinne des Wortes ist den Hilfsbedürftigen vieler Länder entrissen worden, ein Mund, der die Worte unserer heiligen Lehre den Lernbeflissenen mit tiefem Berständniß uud froher Begeisterung mittheilte. hat sich geschloffen. Kaum lassen sie sich aufzöhlen all die Tugenden und herrlichen Eigenschaften, die Samuel Straus s. A. zierten. Die große Welt weiß von seiner innigen Frömmigkeit, kennt sein unverdrossenes, staunenswerthes Gemilos Chesed; seine Kehiloh, der weite Kreis seiner Karlsruher Freunde, sie wissen noch weit mehr von ihm. Sie schätzten in ihm den tüchtigen Lamdon, den geduldigen Lehrmeister, der wiederholt in jeder Woche eine Reihe jüngerer und älterer Geschäftsleute um sich sammelte, um ihnen Bibel und Talmud klar und geistvoll vorzutragen. . Hier in Karlsruhe kann man sich in diesen schweren Tagen nicht genug thun, ihn im traulichen Gespräch als klarblickenden, besonnenen Rathgeber, als zielbewußten Kämpfer und Streiter für alles Wahre und Gute zu feiern. Die dichtgedrängte Leichenhalle vermochte nicht die Menge der Leidtragenden zu fassen, bis weit hinaus in's Freie standen die vielen Hunderte, die von Rah und Fern zum Friedhof der Israelitischen Religions gefellschaft geeilt waren, um dem Herzensfreunde die fetzte Ehre zu erweisen. Mit Anlehnung' an zahlreiche Bibelverse aus dem Buche Samuel und der kommenden Sidra suchte Herr Rabbiner Dr. Schiffer, selbst tieferschüttert, seine Gefühle der Trauer, Liebe und Bewunderung in Worte zu kleiden, die das hehre Lebensbild des Verklärten deutlich und scharf Umrissen uns vor Augen führte. Allenthalben sah man Weinende, hörte man aus der MiUe der Versammelten Schluchzen und Jammern. Run trat der Schwiegersohn des Verblichenen hervor und in einer Rede, von welcher jeder Satz ein Spiegel war des gewaltigen Schmerzes der Angehörigen des für die.große Welt soviel bedeutenden Mannes.. schilderte. Herr Jakob R o s e n h e i m den theuren Verwandten, wie er im Innern seines Hauses an Wochentagen und Sabbaten, beim Geschäft und bei Werken der Mildthätigkeit, im Verkehr mit seinen Kindern und beim Empfange Fremder, beim Thun und Lassen sich stets als begeisterter Jehudi, als edelster Menschenfreund offenbarte. Die beredten Worte, diese Träger tiefempfundenen Schmerzes ließen die Thranen der Versammelten auf's Neue fließen, und wer es bis jetzt vermocht hatte, laute Aeußerungen seiner Trauer gewaltsam niederzukämpfen, bei diesen herzerschütternden Worten mußte er in das allgemeine Wehklagen einstimmen. Nun setzte sich der Trauerzug zum Grabe in Bßwegung. Draußen sprach noch Herr Meier A l t - mann für die Religionsgesellschaft, Herr Dr. Brüller für einige Wohlthätigkeitsvereine, Herr Kaufmann Ettlinger für die Chewra Kadifcha. Nach der Rückkehr von dem schweren Gange hörten wir noch im Trauerhause die Rede des Herrn Stiftsrabbiner Dr. Blumengrund und des Herrn Provinzialrabbiner Dr. M. C a h n aus Fulda. Außer den genannten Herren Rabbinern bemerkten wir noch in der Traucrversammlung die Herren Rabbiner Dr. B o n d i - Mainz, Buttenwieser - Straßburg, Cohn- Basel, Jakob H o r o v i tz - Frankfurt o. M., Löwen st ein - Mosbach. Unna- Mannheim: außerdem eine Reihe von Deputationen auswärtiger Gemeinden. Herr Rabbiner Dr. Breuer- Frankfurt a. M. war zu seinem großen Bedauern wegen Unpäßlichkeit an der Herreise verhindert. In seiner Vertretung waren sein Sohn Herr Jsaac Breuer sowie Herr Rabb.-Affessor Gerson Posen- Frankfurt a. M. anwesend. Als vor bald siebenhundert Jahren um Rabbi Moses ben Maimon die Gemeinde von Jerusalem zur Trauerklage versammelt war, las man das vierte Kapitel aus den Büchern Samuel als Haphtara vor. man begann mit den Worten Sen ^xxtp nn. „Und es erging das Wort Samuels an ganz Israel und man endete mit dem Satze!?x-L"e mra r6i nennt en*?» pnn np^o ' „Und sie sprachen: Forkgeganaen ist die Herrlichkeit von Israel, denn die Lade Gottes wurde genommen." Der Anfang und Schluß dieses Trauerkapitels läßt sich auch heute als Widerhall unseres Schmerzes deuten. Das Wort unseres Samuel , und sein Wirken, sein Mitgefühl und seine Mithülfe waren nicht auf eine Gemeinde, auf einen Kreis beschränkt. sie ergingen an ganz Israel. Die Gemeinde Karlsruhe klagt um verlorene Herrlichkeit. Mit dem pn», mit der heiligen Lade, die ihr genommen wurde, ist. ihr Stolz und ihre Freude dahingegangen. Der Allgütige möge sich erbarmen und der Gemeinde, die einen Samuel Straus zu ihren Mitgliedern zählen dürfte, bald Trost und Ersah schicken, rcns*» pn* ns». Das Andenken des Gerechten wird Segen stiften.