Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 8 (28.1.1904)
- Date
- 1904-01-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. 3«$tgewt _ (JH 8. G» __ ... Aentrat-Hrgan für das orLyodore Iudenthurtt. Id» Lehmann in Oainj. - Donnerstag, den 11. Sch-bat 5664. 2«. Januar 1904.. um Line Betrachtung zum Sabbat Schirah. 'jvotti T*rts nx <mi nmon uwa yba-t njrn d .JT1X3 *]KTÖ1 21S *3 nx „Meine Taube im Felsengeklüft, im Winkel deS Abhangs, laß mich schauen dein Antlitz, laß mich lauschen deiner Stimme! — Deine Stimme so süß, dein Antlitz so lieblich!* - Wenn die Dichter fingen und sagen von Israels unverwüstlicher Kraft, dann hören wir von Juda's Leu, dem König der Thiere, den keines Bogens Pfeil verwundet, kein Stich der Lanze durchbohrt. Aber treffender ist doch kein Bild als das des königlichen Sängers: Israel eine Taube. Was könnte auch schöner die Scmftmuth und Milde zeichnen, die Güte und Barmherzigkeit, die in einem jüdischen Herzen lebt, die eine jüdische Brust beseelt. Und nun dies Bild: 'wa vbon eine Taube im Felsengeklüft, wo der Adler sonst horstet, hier die Sonne versendet den glühendsten Strahl, dort die Stürme aufführen den wilden Neigen. Und diese Taube, emporgehoben auf schwindelnde Höhe, ausgeschlossen von all den Freuden, die da winken in lachender Ebene, hier oben selbst nicht sicher vor der Mordgier des Verfolgers nrmi ihm geduckt in einen Winkel des Abhangs, versteckt dem spähenden Blicke des Räubers, das Köpfchen gesenkt, als wollte es nicht schauen das drohende Verderben, verharrend in lautloser Stille, daß die Stimme nicht werde zum Berräther. Könnte in einem Bilde lebendiger vor unser Auge treten das jüdische Volk und seine Geschichte, ist hier nicht jeder Zug gezeichnet mit göttlichem Griffel? Doch besonders nahe gerückt erscheint dies Bild der Bedeutung des Sabbat Schirah nach der Auslegung unserer Weisen: »pv rm nrot bt idxj n? pwu bot cnnnx rar®. Der Schriftvers soll uns Israels" Lage vor Augen führen, da Pharao's Kriegswagen es aufscheuchen aus feinem Lager am Schilfsmeer. Von Todesangst getrieben, schießt die Taube durch die Lust, wenn sie den Sperber erblickt, dort winkt ihr eine rettende Spalte, die sie zu bergen vermöchte vor dem erbarmungslosen Jager. Da zischt ihr aus dem Felsen eine Natter entgegen, voll Lust sich entgegenbaumend der nahenden Beute. Siehe da, Israel am Schilsmeer, den rachsüchtigen Feind im Rucken, vor sich die wogende Fluth. . .Doch horch» wrlchL.TLue.Zn.den-,Höhen: m wv*- li>Y vx ww Txio : Jetzt möchte ich wohl schauen Dein Antlitz, wohl lauschen Deiner Stimme. Und an Israel waren nicht spurlos vorübergegangen die letzten Tage Aegyptens, sie wandten ihr Antlitz gen Himmel, sie sandten den Hilferuf empor zum Ewigen. Und Er hörte in Seinen Hallen diese Stimme, die Erde erbebt und erschüttert, es wanken die Grundfesten deS Himmels, er neigt den Himmel, fährt hernieder^ düsteres Gewölk unter Seinen Füßen. Und da wird sichtbar des Wassers Urquell, aufgedeckt des Meeres Boden vor dem Drohen des Herrn, vor dem Odem Seines Hauches. Was ist dir denn Meer, daß du seitwärts dich wendest, zur ragenden Mauer thürmest die flüchtige Welle?! Dem Willen nur folge ich des Herrn, dem Geheiße des Gottes Jakobs, der mir zu retten befahl Seine Erwählten, für immer zu befreien gebot Sein Volt. Doch die Stimme, die Gott vernommen hatte, daS war keine liebliche Stimme, es war der Schtei der Verzweiflung, der grause Schmerzensruf, der sich der gequälten Menschenbrust entringt. Als 'sie nun aber rückwärts schauten in die dem mütterlichen Boden'wie-- der zurückgegebenen'Wasser, sich für alle Zeit gebürgen wußten vor der Rache des mächtigen Reiches, da fand ihre Brust einen anderen Ton zrr jenem Gesang, der so alt und doch ewig jung, dem unsterblichen Gesang