Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 6 (21.1.1904)
- Date
- 1904-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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45. Jahrgang. Eentrat-chrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Pr. Urhmanrr in Dttttnz. Donnerstag, ve« 4. Schebat 5664. 21. Januar 1904. Für 3wti MlAVk abonnlrt man bei allen Postanstalten für die Monate Feteuas? und. Osiffa auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSfchalter des Wohnsitzes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegebe« werden. Die Briefträger sind berechtigt. den Abonnements-Betrag in den ersten 25 Tagen deS Monats gegen Quittung in Empfang zu nehmen. Ausland entsprechend höher. p;3" Auf Wunsch Ermäßigung auf den Abonrrementspreis. Die Erpeditton -es «Israelit." Zir tthWri Ztröinllligeil d» Ek-emsart »»d dir Iidwthilm. Von Dr. Hermann Klein^Frankfurt a. M. (Fortsetzung.) Dem Vorwurf, daß die jüdische Ethik nicht autonom im Sinne Kant's sei, dachte Lazarus in seiner «Ethik des Judenthums" in der Weise zu begegnen, daß er eine Behauptung aufstellte, die, bei Licht besehen, wohl geistreich ist, aber nicht wahr sein kann. Er sagt nämlich, daß auch wir Juden die Sittengesetze nicht aus dem Grunde befolgen, weil sie Gott geboten, sondern Gott hat sie geboten, weil sie Sittengesetze sind. Es ist also nicht etwas sittlich, was Gott befiehlt, sondern Gott befiehlt, was sittlich ist. Praktisch kommt im Grunde genommen nicht viel dabei heraus, aber die Theorie steht im Widerspruch mit dem, was das Judenthum über das Wesen der Gottheit lehrt. Wenn ich sage, Gott will etwas, weil es gut ist, so muffen wir eine Instanz und ein Kriterium des Guten und Sittlichen annehmen, die unabhängig von Gott bestehen, nach denen sich Gott richtet. Eine derartige Instanz des Sittlichen über Gott existirt aber nicht. Gott ist nicht nur Offenbarer der Sittlichkeit, sondern auch ' Urheber derselben. Sodann wäre noch Folgendes zu erwägen: Wenn wir sagen, daß das Gute etwas ist, was ohne den Willen Gottes und sogar für Seinen Willen bestimmend gewesen ist, also das Gute gewissermaßen nur Gott zur Sanktion Vorgelegen hat, so konnte man ja das Gute üben, auch wenn man auf die Sanktion seitens der Gottheit verzichtet. Es gäbe also eine Sittlichkeit ohne Gott. Daß dieser Standpunkt unjüdisch ist, haben wir bereits nachgewiesen, daß er auch unmöglich ist, wollen wir nun Nachweisen. Lazarus sagt, daß der Mensch gut sei. nicht weil es Gott will, sondern weil das Sittengesetz es will, das ursprünglich ist und das auch von Gott gutgeheißen wird. Er denkt hier an ein Sittengesetz ähnlich dem Kant'schen,' an einen kategorischen Imperativ, der uns innewohnt, der zu unserem Wesen gehört, der in uns wirksam ist und der uns das Gute unbedingt üben heißt, ohne Rücksicht auf Neigung oder Abneigung. Wir möchten nun fragen, wer es denn eigentlich ist, der uns erschaffen, der uns so erschaffen, daß wir das Gute erkennen? Haben wir uns nicht selbst erschaffen, so haben wir auch das Sittengefetz in uns nicht erschaffen. Die Fähigkeit. das Gute zu erkennen, haben wir von Gott, und es ist daher selbstverständlich, daß Gott uns unsere Fähigkeit in der Weise gestaltet, daß wir, wenn auch nicht immer und nicht immer gleich, so doch in den meisten Fällen und nach reiflicher Ueberlegung, das Gute in dem Zustande oder in der That erblicken sollen, die Er als gut uns empfiehlt und befiehlt. Es ist selbstverständlich, jro 2ns w v'pbru en"m cyw npu „daß, sobald Eure Augen aufgehen, Ihr w i e