Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 5 (18.1.1904)
- Date
- 1904-01-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2449992--59896-2520743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
91 «Ich habe ein gutes Geschäft gemacht, indem ich Sie als Wirthschafterin engagirt habe, aber seien Sie überzeugt. Frau Müller. auch ©k werden es nicht bereuen.'* Sie hatten den Rundgang beendet. Der Gutsbesitzer hatte sie. mit allen seinen Leuten bekannt gemacht und hatte allen erklärt, daß sie der Wirthschafterin ebenso Gehorsam schuldetru, wie dem Verwalter. Dann hatte er ihr ihre Hauptaufgabe nochmal an's Herz gelegt, nämlich die Uebcrwachung des Verwalters, und hatte ihr die Schlüffe! Wergeben von allem zum Haushalt Gehörigen. - «Nun aber mutz ich vielmals um Entschuldigung bitten, daß ich Sie so lauge aufzehalten habe. Sie haben noch nicht gegeffen und »och nicht gekocht und —* «Ach. das hat nichts zu sagen. Sie haben uns so reichlich mit Proviant versorgt — ich habe meinem Manne gleich Eier gekocht und meine kleine Leutchen nkhmen's nicht so genau, die sind mit allem zufrieden.* «Das haben sie von der Mutter gelernt,* versetzte er lachend. «Aber nun ist es höchste Zeit, daß ich mich auf den Weg mache und daß Sie in die Küche kommen, um rasch etwas zu kochen und zu essen. Und dann. Frau Müller. Ihren Posten treten Sie erst morgen an, heute beschäftigen Sie sich nur mit Ihren Angelegenheiten. Lassen Sie sich von meinen Leuten helfen, da wird es doch etwasrascher gehen, als wenn Ihnen nur Ihre Leutchen zur Hand gehen, obgleich dieselben den besten Willen haben. Aber ich mutz fort. Leben Sie wählt* Er reichte ihr die Hand, zog grüßend den Hut und entfernte sich eilends. Frau Müller begab sich in den inneren Hof. zu dem Eingang zu ihrer Wohnung. Ihr Mann war noch draußen vor dem Hause, saß zuruckgelehnt im Rollsessel und schlummerte. Die Aufregung des Tages, die unvermeidliche Erschütterung beim Fahren und zudem der längere Aufenthalt im Freien hatten ihn ermüdet; er sah vielleicht noch etwas bleicher aus als gewöhnlich, aber er schlief ruhig bereits seit einer Stunde. Sein Töchterchen saß zu seinen Füßen, ihn beobachtend und die Fliegen verscheuchend, die hin und wieder ihm zu nahe kamen. Als sie die Mutter erblickte, erhob sie sich lautlos und eilte ihr entgegen. «Ach. Mutter, Mutter, hier ist's so schön und der Vater schläft so gut, und wir haben so viele gute Sachen gegefse»^ ‘ - - «Hat der Vater auch geges^n?* . -«Gewiß, der Vater M die* Eierspeise geaeffen und Mnu Weintrauben, wir Haben auch welch;'ge-' gessen. dir sind -so gut. Du kannstMr gar nicht denken «Wo Pnd Max ünd Paul?* «Die sind drinnen in der Küche, die Leute haben unsere Sachen in's Haus getragen und der Daser hat gesagt, Max soll ihnen zeigen, wohin sie alles stellen sollen, und nachher hat Max gesagt, Paul soll ihm helfen, alle Küchengeräthe auszupacken, weil D>,l die zuerst gebrauchen wirst und ich soll hier beim Vater bleiben.* ' "7.'^ „Ihr seid meine braven Kinder,* eytgtgnele die Mutter, dem lieblichn Kinde die Wangen.streichelnd. ..Bleibe nur weiter hier und wenn der Vater aukwacht. so komme hinein und sage es mir. dann könnt' Ihr wieder zusammen den Vater hincinfahren.^ - „O, dazu brauche ich die Jungen. nicht,: däs^käuÄ ich ganz allein.* - ' - „Nein, nein Selma, daß Du nicht den Verbuch machst, den Vater allein zu fahren, sonst würde ich mjch sehr über Dich ärgern.*'A; ' 4 ■ •; ■ . ./i: r, . 'V „So werde ich's nicht allein versuchen,* versicherte die Kleine, „sowie der Vater die Augen aufmacht, werde ich Max und Paul rufen.* ^' Die Mutter nickte ihr freundlich zu und begab sich in das Haus. Hier aber war sie geradezu überrascht von der Ordnung, die sic fand. Ihre gescheidten Knaben hatten die Möbel in möglichst derselben Weise stellen, lassen, wie sie in der früheren Wohnung gestanden, Koch- und Speisegeschirr hatten sie ausgepackt und ge? ordnet, vorläufig konnte alles so bleiben, wie es war und die Knaben waren überglücklich, der Mutter Arbeit erspart zu haben. „Und sieh nur. Mutter, diese große Kanne ist voll Milch.* - v;'; . v::h:r- „Schade, schade, daß ich nicht beim Melken gewesen bin.—* „Das macht nichts,* rief Max. «ich'bin däbe'f'gewesen. Vorhin ist nämlich eine Magd gekommen und hat gefragt, ob wir Milch haben wollten, weil, sie'gleich die Kühe melken wird. Ich Habe gesagt, daß' DÜ--.mit; dem Herrn Krawanni fortgegangen bist, daß ich aber : glaube, daß Du wohl Milch haben möchtest. Und dann . - habe ich gesagt, daß ich gern Zusehen möchte, wie sie. melkt, ob sie's erlaubt. Da hat sie gelacht und hat ge-. sagt, ich soll eine Kanne nehmen und mit ihr kömmefl7-i". Das habe ich gethan und hier ist die Milch.* . „Das hast Du gut gemacht,* lobte die Mutter, 7 «überhaupt muß ich Euch'sagen,' daß ich sehr ' zufrieden bin. Und alles geht so glatt, wi^arsr.Schyijs^ chen, so habe sch mir's gar nicht vorgestellt. Aber,jetzt-..: will ich rasch eine Milchspeise kochen, die'ißd d<r.P.yker"' gerne, und^ weil so viel.Milch,da^ist,.kann-ich.sie-süi—„ uns alle kochen,"' i]'*? ■*»'-'; .Der Herd m der Küthe war klein, «lber/M'^/hst!,.^ Knaben hatten schon BrenßKüterial zurecht gelegt, : brannte"' ein Wes Feuer und in sehr kurzer Zeit war; die einfache Mahlzeit bereitet. Inzwischen hatten dle^