Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 4 (14.1.1904)
- Date
- 1904-01-14
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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80 deswegen allein sofort sein Anrecht darauf verlieren sollte. Wahrscheinlich wird jetzt der Unterrichtsminister das Verbot der Ausfuhr von Kunstwerken recht streng auf das Landau'sche Erbe anwenden. Der merkwürdige und vielseitige Mensch, der sich auch litterarisch mit einer Komödie und mit Studien über. Boccaccio und Petraca versuchte und in seinen Gewohnheiten ein Sonderling war, hinterläßt ein Vermögen von etwa hundert Millionen Franken; hunderttausend Franken vermachte er frommen Stiftungen. Rußland. Wilna. Die halbamtliche „Rust. Telegr.-Agcntur" verbreitet von hier, datirt vom 22. Nov., Folgendes: „Ein heute veröffentlichter Tagesbefehl des Kommandanten der Truppen des Wilnaer Militärbezirks theilt folgenden Vorfall mit: In der Stadt Orscha wurden am 19. Nov. elf Häftlinge unter Bedeckung von sechs Untermilitärs und einem Gefreiten aus dem Gefängniß abgefertigt. Unterwegs wurde die Bedeckung von einer großen Schaar Juden umringt, welche die Arrestanten zu befreien versuchten und mit Knütteln und Steinen warfen. Die Menge mit den Gewehrkolben abwehrend. setzte das Kommando seinen Weg fort und erreichte seinen Bestimmungsort. Ter Tagesbefehl lobt das Verhalten der Soldaten." Nach dieser Darstellung liegt ein unwesentlicher Lokalfall vor. bei dem nur das eine bemerkenswerth, daß die ruffische Telegraphenagentur sich bewogen fühlt, die ganze Welt davon in Kenntniß zu setzen. Darin liegt System. Man will die Fernstehenden glauben machen, daß nicht die Juden von den russischen Behörden, sondern umgekehrt, die russischen Behörden von den Juden bedrängt werden. Die verelendeten' Hebräer werden eben als die Karnickel hingestellt, die den Streit beginnen, in welchem sie. wie sich's gebührt, todtgeschlagen werden. In dem Falle von Orscha w'äre vor allem wünschenswerth gewesen, daß der Truppenkommandant auch die Gründe angegeben hätte, welche die Juden zu dem Versuche einer Befreiung der Häftlinge veranlaßt haben. Doch wie immer es sei. die schwere Blutschuld, die auf den russischen Behörden lastet, kann durch Darstellungen, wie die obige, nicht abgewaschen werden. Wie übrigens die Verhältnisse in Wilna, sowie in Grodno und Kowno liegen, ergibt sich aus einem in den letzten Tagen veröffentlichten Ukas des Generalgouverneurs Fürsten Swjatopolk-Mirski, der folgendermaßen lautet: .,1) Alle Versammlungen, zu denen die gehörige Erlaubniß nicht eingeholt worden ist. sind verboten. 2) Zusammenrottung zu Handlungen und Verathungen. die gegen die öffentliche Ordnung und Ruhe gerichtet sind, sind verboten, ebenso jede Störung der Ordung an öffentlichen Orten oder in Versammlungen. 3) Es ist verboten, sich an einer Menschenansammlung zu betheiligen, die Gewaltthaten verübt oder die Ruhe stört. 4) Es ist verboten, ohne die gehörige Erlaubniß Schußwaffen, Hieb- und Stichwaffen. Schlagringe u. s. w. zu tragen, ebenso Waffen und Patronen solchen Personen zu verkaufen, die keine Erlaubniß zum Besitz von Waffen haben. 6) Es ist verboten, falsche Gerüchte zu verbreiten, die in der Bevölkerung Unruhe oder Befürchtungen hinsichtlich der persönlichen Sicherheit oder der Sicherheit des Eigenthums wachrufen. 6) Es ist verboten, sich fälschlicherweise als Angehöriger eines anderen Standes auszugeben, eine Uniform. die einem nicht gebührt, eine unerlaubte Kleidung oder Abzeichen zu tragen, die einem nicht zukommen. Wer diese Vorschriften verletzt und zu ihrer Verletzung an stiftet, wird — abgesehen von seiner Verantwortlichkeit vor Gericht — auf administrativem Wege zu Gefängniß bis zu drei Monaten oder zu einer Geldstrafe bis zu 500. Rubel verurtheilt." . Amerika. F. Newyork. (Jüdische Wohlthätigk e i t.) Welche große Summen die reichen Juden in den Vereinigten-Staaten für jüdische Zwecke noch übrig haben, beweisen nachstehende, von Ende August 1902 bis Ende August 1903 von jüdischen Wohlthätern bewilligte Beiträgen und Spenden. Für das jüdische Theologische Seminar von Amerika sind in diesem Zeitraum 300,000, für das Hebrew Union College 280,000, für Kischinew bis zum 25. August 100,000, für das geplante Krankenhaus zu Louisville 30,000 und für das zu St. Louis 18,000 Dollar eingegangen. Daneben haben 156 Wohlthäter zu den verschiedensten Zwecken zusammen nicht weniger als 1,975,000 Doll, gespendet. Unter andern haben 7 Angehörige der Familie Gugaenheim in Newyork 70.0000 Doll, gespendet. Jakob Hecht in Boston hat 165,000 und Elias Jacob in Visalia (Ealifornien) 920,000 Dollars zu wohlthätigen Zwecken vermacht. Die Kinder des Leonard Lewisohn in Newyork spendeten 125,000 Doll, zur Errichtung eines jüdischen Nachtasyls; Salomon Loeb in Newyork schenkte 8500 Doll, an jüdische Institutionen und 25,000 Mk. der jüdischen Gemeinde zu Worms. Die bekannt gewordenen Spenden des Newyorker Philanthropen Jakob Schiff beliefen sich für diesen Zeitraum auf 44,000 Dollars. Sprechfaal. Fürth, 7. Januar. Im Anschlüsse zu Ihrer Notiz von Frankfurt a. M. in Nr. 1 theile Ihnen mit, daß in einer hiesigen Schürzen- und Wäschefabrik, die selbstredend am Sabbat geschlossen ist, nicht nur wie in Frankfurt die Hälfte, sondern das ganze männliche Personal am lebten m#y nuon gefastet hat. Emil Oberndorfer.