Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1904)
- Date
- 1904-01-11
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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iß : 4 r/+ sÄtthodoLe MudemhumZZW Z^-/V. O bVs AtlON>p, II. Ja«. 19«4.| | Kev Äuöe. Zeitgemälde von I. I. Arsszkwsl'u in autorisirter Uebertragung. 55) Jakob bereute fast seinen Gedanken, als Jankiel, nachdem er den schwarzen Oberrock angezogen und die Mütze zur Hand genommen, langsam hinunterschritt und fich durch einen Soldaten melden liest, als Wirth des Hauses. Der Oberst ruhte sich gerade ein wenig aus. ließ ihn aber doch eintreten. Er lag ausgestreckt auf dem Kanapee mit der Cigarre im Munde. Seine Stirn war umdüstert. Jankiel blieb an der Schwelle stehen und verneigte sich tief. „Was willst Du?" fragte der Oberst. „Nichts, gnädiger Herr! Ich wollte mich nur erkundigen. ob hier auch nichts fehlt!" „Nein! Und fehlte ja etwas, würd' ich's mir schon allein nehmen, ohne erst lange zu bitten. Dafür ist's Kriegszeit wie Du weißt." „Ich weiß. Herr Oberst." „War hier nichts zu hören von Insurgenten?" „Gar nichts." „Sind keine hier durchgekommen?" „Nein." „Ja! So sagt Ihr alle! Denn Ihr haltet es mit ihnen! Auch Ihr Juden! Wir kennen Euch Kanaillen!" „Wir waren immer dem Monarchen treu!" „Warum faßt Ihr aber nicht die Aufruhrer und liefert sie uns aus?" „Das ist nicht unsere Sache, Herr Oberst. Wir Juden sind ruhige Leute! Wir verabscheuen den Krieg." Der Oberst erhob sich vom Kanapee und schritt auf und ab. Jankiel verneigte sich vor ihm und sprach leise: „Herr Oberst! In unserer Religion ist es Gebrauch, daß wir, wenn wir Jemanden in dem Orte, wo wir wohnen, verlieren sollen, ihn speisen müssen." „Wie? Was?" entgegnete der Oberst. „Wo ist das Gebrauch? Was schwatzest Du da? Solchen Gebrauch gibt es gar nicht! Du lügst! Was geht Dich dieser Gefangene an?" Wie?" - Drohend trat er ihm näher und schrie: „Wie kannst Du es wagen, mich so zu belügen! Du weißt recht gut. daß es solchen Gebrauch nicht gibt!" Es gab wirklich keinen solchen. Jankiel hatte eine fromme Lüge gesagt. Aber woher konnte Herr Tendemann dies so bestimmt wissen? Jankiel blickte ihn lange forschend an. „Was glotzest Du mich so an?" fuhr ihn drohend der Oberst an. „Was soll das heißen?" «Ich? Ja. Ich dachte so bei mir: Wie gelehrt ist der Herr! Er weiß sogar, daß es solchen Gebrauch nicht gibt bei uns Juden! Das hat aber der Herr gewiß nicht gelesen, was Rabbi Josua sagt von den Kriegsgefangenen." Der Oberst stand erbleichend dem Alten gegenüber. Es war. als ob ein innerer Kampf in ihm tobe; seine Lippen bebten, die Augen waren ihm wie umnebelt; er blickte sich ringsum. Die Stimme des Alten schien einen wunderbaren Eindruck auf ihn zu machen. Er wollte aufbrausen, aber eine innere