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Der Israelit · 1904-01-07 · Heft 2 (7.1.1904) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 2 (7.1.1904)
Date
1904-01-07
Page
– (sequence 25)
Language
German
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5. s»«. »«Os.] MkkMsttKchr KsLlM «* W. L. i»*. t It esusa. Lin Märchen. Es war wohl die traurigste Erfahrung ihres Lebens, welche die alte Mesuso heute gemacht hatte. Wohl war es ihr schon langst zur traurigen Gewißheit geworden, daß eigentlich nur noch ihr Körper hier an den Türpfosten haftete, ihr Geist aber schon langst aus diesen Raumen entwichen war. Aber daß man ihr diese Schmach antun konnte, die man ihr heute angetan hatte, das hätte sie doch nie und nimmer für möglich gehalten. Einen stechenden Schmerz empfand sie heute auf einmal an ihrer äußeren Hülle, wie Nadeln schlug es ihr in's Gesicht, aber was war das alles gegen den Schmerz im Innern, wo der alte Geist sich aufbaumte und rebellierte gegen die Schmach, die man ihm antat. Fast konnte sie es selbst nicht glauben, aber was man heute über diese Schwelle trug, das war ein wirklicher Tannenbaum gewesen, und was sie über dessen Zweck hörte, das machte es ihr klar, daß er dazu diente, den fremden Göttern zu huldigen, die nach und nach, langsam aber sicher, sich Eingang zu verschaffen wußten in diese Raume. Sie wollte den Baum aufhalten. ihm zurufen, daß hier nicht seine Stätte sein solle, sein könne, wo nur Nachahmungs- und Anpassungssucht ihn hergebracht, daß er lieber dahin solle, wo schon seiner Kinder und Enkel Bestimmungsort gewesen. Aber der Baum verstand sie nicht. Und als sie ihn aufhallen und mit Gewalt ihm den Eintritt verbieten wollte, so daß seine Zweige an ihr hängen blieben, da wurde man mit einem solch altmodische« Hindernis bald fertig. Ein kleiner Ruck — die Bahn war frei für dm Tannenbaum, die Mesuso aber hatte auch ihren äußeren Halt verloren und fiel mit einem Schmerzensseufzer zu Boden. Da lag fle nun achtlos, unglücklich und in tiefster Seele betrübt in einer Ecke und ließ ihr ganzes Leben an ihrem inneren Auge vorüberziehen. Sie brauchte ja nur einen Blick in sich selbst zu tun. um zu wisse», zu wie Erhabenem, Großem sie geboren war. Ewige, göttliche Wahrheiten sollte sie dokumentieren, eine Stätte sollten diese finden, wo man ihr eine solche einräumte. Welcher peinlichen Sorgfalt verdankte sie ihre Entstehung, behutsam ging sie von Hand zu Hand, bis sie. zum Antritt ihrer Lebensbahn fertig und mit einer schützenden Blechhülle umgeben, dem Orte ihrer Bestimmung zugefuhrt werden sollte. Worin diese ihre Bestimmung bestand, das wußte sie ja aus sich selbst. „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig!" Das sollte und wollte sie jedem sich ein Haus bauenden und gründenden Juden zurufen, sie wollte ihm helfen, dessen stets eingedenk zu sein und deshalb trug sie in sich das Gebot, diese ewige Grundwahrheit an die Türen und Pfosten deS HauseS zu schreiben, sie wollte ihn erinnem, sich mit dem Göttlichen zu beschäftigen beim Niederlegen und Leim Aufstehen, zuhause und unterwegs, sie wollte ihn mahnen, seine Kinder zu belehren und zu unterweisen auf den Pfaden des göttlichen GesetzeSbodenS. Sie barg in sich die Verheißung des Segens für diejmigen, die

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