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Der Israelit · 1904-01-04 · Heft 1 (4.1.1904) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 1 (4.1.1904)
Date
1904-01-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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45. Jahrgang. . . . . . @n AeuLrat-Hrg^n für das orthodoxe ZudenLßum. Begründet von - rtl;»;atr.» ui lätviitr*. M »r U g, den lo§ Ach. IHK1 (i(i;äütfd)c« ZMißie. Mairz, 3. Januar.?Gibt es überhaupt noch eine lüdische Geschichte? .Die Asjimilanten sagen nein, wir selbst gäben ja sofort in .der Ueberschrist einen Beweis für ihre Behauptung. indem wir nicht das Jahr 5663/64. sondern das Jahr 1903 behandelten, sie wollen höchstens noch -eine Geschichte der jüdischen Deutschen, Engländer, ^i^nzosen u. ftw. gelten lassen. D7e Ziw.istc:- f^.., es hat 2000 Jahre hindm , keine jüdische Geschichte gegeben, erst seit dem ersten Basler Kongreß gibt es wieder eine, da sei das jüdische Volk zusammengetreten, habe ein Parlament begründet und gezeigt, daß es gewillt ist, auch ferner eine Rolle zu spielen im Rathe der Völker. Die Gleichgültigen sagen, wenn es eine jüdische Geschichte von der Zeit nach der Verbannung noch gibt, so ist es höchstens eine Litteratur-Geschichte, denn was haben die Juden, außer für die Sorge um ihre Existenz, noch gethan, als geschrieben und nichts als geschrieben? Und was lagen wir, die Gesetzestreuen, die Strenggläubigen, die sich alltäglich freuen mit den Worten der heiligen Lehre? Wir sagen, die jüdische Geschichte hat durch die Verbannung weder aufgehört^ noch ist sie unterbrochen worden, noch ist sie zu einer bloßen Litteraturgeschichte herabgesunkem Die jüdische Geschichte lebt, sie ist da. sie spinnt sich kräftig in fortlaufender Kette von dem Auftreten unseres Vaters Abraham an bis zum heutigen Tage, cm aste cm wpftx cpc-n er# „Und Ihr, die Ihr anhanget an dem Ewigen, Eurem Gott, Ihr seid heute noch Alle am Leben." Wohl sind Jahrtausende vergangen, seitdem nur Selbstständigkeit und Vaterland verloren haben: aber 16. Lheb-t 5664. U Januar 1904. | bei ve.n Untergang aller , Jnstliution bli'eb die j Synagoge, meist zugleich tzäs £ e h.r h a u s, als cinziger Träger unserer Nationalität. Dorthin floh unser Glaube und von dorther, empfingen wir Belehrung für unseren irdi.chen Wandel, Kraft zur Ausda.'er in unerhörten Leiveu und Hoffnung auf eine künftige Morgenröthe der Freiheit. Der öffentliche Gottesdienst ward das Panier jüdischer Nationalität, die Aegide des jüdischen Glaubens und dort vollzog und vollzieht sich noch heute die Geschichte der Juden. Sind wir. auch genöthigt, im Verkehr mft der Außenwelt nach nicht- /ü-Hcb a Ja^.szuylr.t zu rechnen, nichtjübische ' Sprachen zu sprechen und sonst vielfach nichtjüdische Manieren anzunehmen, im Beth-ha-Knethet sind wir Juden ganz und voll. Wenn wir uns deßhalb anschicken, einem alten! Gebrauche gemäß in der ersten Nummer des Jahrgangs einen Rückblick auf die Geschicke der Israeliten in den verschiedenen Ländern und Erdtheilen zu werfen, so schildern wir damit nur die Geschichte, wie sie sich nach außen hin vollzogen hat. Die Vorgänge innerhalb des jüdischen Volkes sind und waren, nachdem das Staatsleben aufgehört hatte, dem Vet- und Versammlungshaus Vorbehalten geblieben. Dort vereinigt man sich zum Gebet, zur Belehrung, zu gemeinsamen ernsten Zwecken, und von unseren „kleinen Heiligthiimern" geht Leben und Lehre aus. wie einst von Zion, urmcw Ziehen wir zunächst Deutschland in Betracht, so vollzieht sich in demselben der seit Jahren beobachtete Vorgang: Der Gaffen- und Radau- Antisemitismus ist in ständigem Rückgang begriffen, während der gesellschaftliche Judenhaß, die Antipathie gegen Israel im Salon und an der Tafel, ständig zunimmt. Vorüber sind die Zeiten der Stöcker, Böckel. Ruppel, Henrici und wie sie alle hießen. Dagegen verschließen sich die Laufbahnen der Richter,

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