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Der Israelit · 1903-03-16 · Heft 21 (16.3.1903) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 21 (16.3.1903)
Date
1903-03-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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455 F e 1t r r l e t o «. Von Wobert Säntern. m In der That erwachte der Baron etwa nach einer Viertelstunde wie aus einem tiefen Traume. Der Arzt hatte die Diener vorher abtreten lassen, so daß der Patient mit seinem Pflegesohne und dem Arzte allein war. „Danke, Herr Doktor, es ist nichts, nicht wahr? Ein Schwindelanfall? Me war es doch eigentlich, ich rang nach Athem, und dann —" „Regen sich der Herr Baron nicht auf, denn es war in der That nichts," entgegnete beruhigend der Arzt „Sie hatten Ihren Aether nicht zur Hand, sonst wäre das gar nicht vorgekommen. Den lassen Sie aber jetzt nicht mehr von der Seite, dann haben Sie nichts zu furchten; und nun riechen Sie einmal recht herzhaft daraus Der Patient folgte der ärztlichen Weisung, und sichtlich kehrten die geschwundenen Lebensgeister wieder. Wer den Baron eine halbe Stunde später gesehen hätte, konnte keine Ahnung von dem Vorgefallenen haben. Eine Stunde später unterhielten sich die Herren über politische Tagesfragen, und der Arzt selber sagte, daß sein Verbleiben jetzt durchaus unnöthig sei, und verabschiedete sich.- Abraham war bei seinem Pflegevater allein und konnte nur mit Mühe durch eine Unterhaltung über gleichgilti'ge Dinge seine Wehmuth über den bedenklichen Zustand seines Wohlthäters unterdrücken. «Ich habe Dir," Hub plötzlich der Baron an, „schon heute gesagt, daß ich Dir noch einige wichtige Mittheilungen zu machen habe, und Du wirst es jetzt auch einsehen, daß es bei meinem Zustand nicht rathsam ist. das allzulang hinauszuschieben. Fürchte nicht, daß mich diese Mittheilungen aufregen, ich glaube eher, daß sie mir Erleichterung bringen. Ich beginne zuerst mit Dir. So lange Du mein Sohn bist, habe ich mit Dir über Deine Herkunft nicht gesprochen. Ich wußte von Dundukoff, daß Du durch Deinen früheren Pflegevater über alles ganz genau unterrichtet bist. Meinem Bruder und meiner Schwägerin hielt ich mich verpflichtet, das allcL:mitzutheilen; Kathinka weiß von alledem nichts. Sie hält Dich für meinen leiblichen Sohn und braucht auch für's erste nichts davon zu wissen. Solltest Du es. spater für gut finden, ihr darüber klaren Wein einzu¬ Erlaß als mein rechtsmäßiger Sohn anerkqzint unh däs genügt. Zum Erben meines Vermögens.dassich in Immobilien, Staatspapieren u. s. w. älss etwas über acht Millionen Silberrubel beläuft, habe ich Dich allein eingesetzt. Das ist. schon seit dem Tode Deinerseligen Mutter testamentarisch festgesetzt. Sie r'wollte./'däß unser Vermögen Euch beiden gemeinschaftlich. /zugeschrieben werden soll. Ich war. aber aus' einem.'Gründe dagegen, den ich ihr nicht sagen konnte, den ich Dir aber sofort sagen will: Deßhalb verschob ich die testamentarische Verfügung, die beimAmt depynirt'isß'his nach ihrem Ableben. Ich Habe dagegen aus Billigkeiksrücksichten meinen Bruder veranlaßt/ dqß >t ^ein' Vermögen, das ich auf nahezu zwei Mlfionen.'schä^e, ebenfalls ausschließlich an Kathinka testamentarisch, überlasse. Wie Ihr Euch beide später darüber einigen wösst, das bleibt Eure Sache. . Mir war es darum zu . thnn, daß Du und Du allein jederzeit über das' Vermögen verfügen kaünst; und zwar, aus, folgendem-Grslnde: Nach gewöhnlicher, menschlicher Auffassung bist Du mir zu großem Danke verpflichtet. .Wenn man -abe.r.däs Leben von dem Standpunkte aus betrachtet, auf dem ich jetzt stehe, ist das Gegentheil der Fall. Ich schulde Äir viel größeren Dank, als Du mir. Dü hast Dich von mir aus dem Kreise von fanatischen Juden losreitzen lassen, die im Begriffe waren, Dich zu einem der-.Ihrigen zu machen, und bist ein treuer Sohn unserer alleinseligmachenden Kirche geworden.. Du.hast alle Hoffnungen mehr als erfüllt, die wir auf.Dich gesetzt. .Und wirst nün durch die Verbindung mit? meinersNjchter auch thatsächtich einer der Unsrigen. — Glaubst' Dü 'übet wirklich, mir trotzdem einigen Dünk schuldig zu sein, so kannst Du ihn abtragen, wenn Du mir an Eides statt die Erfüllung folgender Bitte nach meinem Tode versprichst." Abraham wollte den Baron unterbrechen, um ihn seiner Bereitwilligkeit zu versichern, aber der Baron wies ihn zurück. , „Würdest Du mir eine Bitte erfüllen, die Dich die Hälfte Deines ganzen Vermögens mit einem . Schlage kosten würde?" . - . ' . / . ' . . H' „Meines Vermögens? Es ist und bleibt das' Teinige, auch wenn-Du es nicht mehr selber verwalten solltest, nicht mein halbes,' mein gaNzes. Vermögen steht allen Deinen Wünschen jederzeit rückhaltlos, zur-Ver^ fügung." . . . ' '; -Hl. 3'': "’i „Wenn ich aber .die paradoxe Idee hättetDlj solltcst mit der ganzen Kraft Deiner Seele/mit-dem Scharfsinn Deines Geistes mit -dem Schatz/Deincs Wissens selber danach unablässig trächieu,-.pi'e'Hälfte Deines Vermögens'zu' verlieren, würdest Dü 'mir auch schenken/?'so bleibt' das Deinem -Ettnesseü überlassen; lchn^ zivfitged^aWrMWMv' yalre^ich e» jur unnöthig. Dü ' bist durch einen besonderen ministeriellen dasversprechen.?^ zeugen, dann: oö^er bei'vollem Vewüßtse^'rede^ü

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