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Der Israelit · 1903-03-12 · Heft 20 (12.3.1903) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 20 (12.3.1903)
Date
1903-03-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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einfach, ohne jede Effekthascherei, ohne Gefallsucht, zwingt er den Betrachter zu voller Anerkennung, zu aufrichtiger Bewunderung. So beispielsweise in jenem Bilde, das einen jüdischen Knaben darstellt, fein und zart, in der ganzen Holdseligkeit. Lieblichkeit und Frische seiner Jugend, oder in dem anderen, das einen über den Talmudfolianten gebückten Greis uns zeigt, mit tiefsinnigem Blick in die Ferne der Zeiten blickend, träumerisch, ernst und in Gedanken vertieft. Und schließlich soll auch derjenige, der hier das undankbarste Geschäft besorgt hat, das des Uebersehens, nicht unerwähnt bleiben, nicht ohne Dank verabschiedet werden. Nur wer den Jargon kennt, dieses Sammelsurium aller Sprachen und Zungen, weiß, welche Schwierigkeiten derjenige überwinden muß, der, wie Feiwel, das Original getreu, mit allen NLancen und Klängen, mit allen Bildern und Tönen wiedergeben will. Sollten wir etwa mit ihm darum rechten, weil da und dort seine Mühe nicht so belohnt worden, wie er es gewünscht und angestrebt? Im Großen und Ganzen darf man seine Nebersetzung als eine treffliche und wohlgelungene betrachten. Für seine feinsinnige Einleitung, die zum besseren Verständniß der Gedichte ein Wesentliches beitragen dürfte, wird ihm jeder Leser Dank wissen. Möchte dieses in jeder Hinsicht prachtvolle Buch in weitesten Kreise die Anerkennung finden, die es voll und ganz verdient. Zeitungsnachrichten rmd Corresponderrzen. Deutschland. Berlin, 11. März. Am Sonntag, den 16. März 1903, Vormittags 11 Uhr, findet im Bureau des „Deutsch - Israelitischen - Gemeindebündes", Berlin W., Steglitzerstraße 86 I, die erste Mitgliederversammlung des „Vereins jüdische Arbeiterkolonie und Asyl" statt. .Hannover, 10. März. Am Sonntag, den 1. d. Mts. (2. Adar), waren 100 Jahre verflossen, seit Professor Dr. Salomon Frensdorfs bis zu seinem Ableben (1880) Leiter der von dem sel. Landrabbiner Dr. Meyer und ihm im Jahre 1848 begründeten jüdischen Lehrer-Bildungsanstalt zu Hannover das Licht der Welt erblickt hatte; unser verehrter Landrabbiner Dr. Grone mann nahm Veranlassung, in seinera-pr rsrs Predigt der versammelten Gemeinde zu schildern, was sie selbst und was ganz Israel an "dem ausgezeichneten Manne, vortrefflichen Juden und hervorragenden Gelehrten besessen. Am 2. Adar selbst fand in der Aula der Lehrer- Bildungs-Anstalt die eigentliche Gedenkfeier statt, zu welcher außer den Familienmitgliedern, dem Landrabbiner und dem Lehrer-Kollegium eine Anzahl Vorsteher und Repräsentanten der Synagogen'gemeinde, sowie Vorsteher des Seminaristen-Unterstützungs-Vereins u. A. erschienen waren. Die Feier wurde eingeleitet durch den Vortrag eines von Chordirektor Herrn Rose hierzu componirten hebräischen Gesanges, auf welchen die von dem Abiturienten, Herrn Lehrer K ö rb e r, sehr stimmungsvoll vorgetragenen Gebete: -jr.s n na cn# ne folgten. Hierauf bestieg Herr Seminar-Direktor Dr. K n o l l e r das Rednerpult, um in einer formvollendeten, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Rede den Lebenslauf, die Verdienste und das vorbildliche Wirken des sel. Prof. Frensdorfs zu schildern. Hatte am Sabbat Herr Dr. Grone mann hauptsächlich die wissenschaftliche Bedeutung, seine Verdienste um die Bearbeitung der Maßorah geschildert und die Gediegenheit und Lauterkeit Frensdorff's mit der goldenen Menorah der alten Stiftshütte verglichen, so entrollte Herr Dr. K n o l l e r ein getreues Lebensbild Frensdorff'S als Mensch und als Lehrer und Leiter des Seminars an der Hand des Lebens'motto's des Gefeierten: 12" nx*n cn ncer. Dieses Psalmistenwort gab der Redner auch den Abiturienten der Anstalt mit auf den ferneren Lebensweg und ermahnte sie zu eifrigem Wirken im Frensdorff'schen Geiste, treu sich selbst und der Religion der Väter. Nach der alljährlich zu dieser Zeit st'attfindenden Verkeilung der Prämien aus der Prof. Frensdorfs und Landrabbiner Dr.. Samuel Meyer-Stiftung für die besten Preisarbeiten, schloß die. allen. Theilnehmern unvergeßliche Feier mit dem Chorgesang: „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." Literarisches. Esther, Fragment von Franz Grillparzer. Ergänzt und vollendet von R u d o l f Krauß. — Franz Grillparzer, bei Lebzeiten vielfach verkannt, ist von der Nachwelt als der größte österreichische Dichter anerkannt. Nachdem seine Dichtungen jetzt frei und Gemeingut des deutschen Volkes geworden sind, wendet sich erfreulicherweise wachsendes Interesse seiner ^Person und seinen Werken zu. Von letzteren hat sich außer den großen Dramen „Sappho", „Goldnes Vließ", „Des Meeres und der Liebe Wellen" u. a., namentlich das wundervolle Fragment „E st h e r" eine unverwüstliche Zugkraft auf der Bühne bewahrt. Dasselbe reicht bis zur Vereinigung des auf seiner Höhe einsamen und mißtrauischen Königs mit der liebreizenden Jüdin Esther. Kein Wunder, daß der herrliche Torso gleich dem Schiller'schen Demetrius manchen zur Vollendung

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