Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 19 (9.3.1903)
- Date
- 1903-03-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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für das Aötthodoxe MuderrthumÄ 9. Mär, 1903.1 l«r. ll. MC aa® ZeitgeinÄde von I. I. Uraszewssu in antorisirter Uebertragung n« Jakob machte hier eine kurze Panse, wie um seine Gedanken zu sammeln und suhr dann wieder fort: „Einige Mal berührten wir im Gespräche auch uns näher angehende Gegenstände, wie das Geschick der Juden, ihren gegenwärtigen Zustand, und das Erlöschen alles religiösen Geistes. Der Vormund neben ihm lachte mich aus, als einen fanatischen Talmudisi-n, obgleich ich ein solcher weder damals war, noch jetzt bin. Wir sprachen, also hierüber genug mit Moses, und ich war, wie gewöhnlich, vielleicht etwas zu offenherzig und beichtete ihm meide Ueberzeugung und mein ganzes Programin. Ein Augenblick, in dem ich mich durch Spott gereizt fühlte, entriß meinen Lippen all meine Träume, Hoffnungen und Wünsche. Moses hörte mich aufmerksam an, sprach aber kein Wort. Wir sahen uns nicht einmal wieder, da er unerwartet abreiste. Man stelle sich also mein Erstaunen vor. als ich erfuhr, daß dieser mir fast ganz unbekannte Verwandte mich zu seinem Erben eingesetzt habe. Das Testament knüpfte an diese Verschreibung keine einzige Bedingung. Es war einfach und kurz. Alle Uebrigen jedoch konnten es nicht begreifen. Ich aber erkannte darin ein Opfer, dargebracht der Idee, welche er theilte. Mein Vormund, der wahrscheinlich selber auf diese ansehnliche Erbschaft gehofft hatte, sprach mit Bitterkeit von dem Alten^ nannte ihn undankbar, und ließ kein gutes Haar an ihm. Ich begegnete an diesem Tage auch Vater Simon. „Wie schade," sagte er, „daß der brave Moses nicht so vernünftig war, einige Monate früher zu sterben! I Verstehst Du mich? Aber heute ist das — der Löffel nach dem Esten. Niemals aus der Welt geschieht et- I was zur rechten Zeit! Und es ist auch wohl so am besten. Ich wünsche Dir Glück. Zugleich aber warne ich Dich: Berausche Dich nicht am Gelde." In der That, ich fühlte selber, wider meinen Willen, daß mich dies berauschte. Aber sobald ich mir von dem neuen Standpunkte aus die Menschen ansah, erfüllte mich Abscheu wider sie, so gemein erschienen sie mir, weil sie mich jetzt ganz anders fanden, als da ich für sie noch der Arme war. Ihren Einladungen konnte ich kaum Nachkommen, ihrer Zärtlichkeiten mich kaum erwehren. Aber ich schützte mich vor ihnen mit innerer Verachtung. Sobald nur mein Vormund mich für frei erklärte, beschloß ich, im Interesse der Erbschaft, ungesäumt aufzubrechen. Dies mußte ich thun, und so verließ ich das Vaterland. Seitdem besuchte ich, außer ganz Europa. Aegypten, Palästina, die Türkei und Syrien, wanderte ich umher, um meine Glaubensgenossen zu beobachten. Und jetzt, wie Sie sehen, kehre ich in die Heimath zurück, ohne noch zu wissen, was ich mit mir beginnen soll, aber mit dem festen Vorsätze, meinem Vaterlande nützlich zu werden." Jwas seufzte. „Sie si'nd glücklich," sprach er. „Sie sind frei, reich, an nichts gebunden. Wie viel Gutes, in der That, können Sie thun bei Ihren Verbindungen, Ihrem Charakter und Ihren Geisteskräften!" .„Hören Sie mich an!" rief Jakob. Jwäs Hand ergreifend. „Lassen Sie vereint uns bestreben, uns nütz-