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Der Israelit · 1903-11-02 · Heft 87 (2.11.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 87 (2.11.1903)
Date
1903-11-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. gabrga«-. - - ' M. 87. Es AenLrat-Hrgan für bas orthobo-ee JubenLHüm. Begründet von Dr. Vehnrann in Wroctnz. Montag, w 12. Cheschwan 5664. 2. November IvttS. •>-$$*. Post festum. <- Zn „Scheni—chatnischi-w'scheni". Von Sl. Mannheimer-D e 1 t e l b a ch Alljährlich, wenn Jsru-chag fchel Suckos. die Nachfeier des Laubhüttenfestes herannaht, beschleicht wohl ein elegisches Gefühl das Herz eines jeden wahren Jehudi. Vorüber ist die Frendenfeier, an der es uns nicht nur erlaubt, fröhlich zu sein, sondern wo dies gerade gottgebotcne Pflicht gewesen. „Und ihr sollt euch freuen vor dem Angesichte des Ewigen steben Tage."- (3. V. M., Kap. 23.) „Sieben Tage sollst du ein Fest feiern dem Ewigen, da dich segnen wird der Ewige, dein Gott mit all deinem Ertrag und in all deinem H'ändewerk, und du sollst nur fröhlich sein." (5. V. M.. Kap. 16.) Das Suckosfest wird stets gerade auf unser Gemüth von tiefer Einwirkung bleiben. Im Gewände des Schönen tritt es uns entgegen und Freude ist der Grundton seines innersten Wesens. In unseren Händen prangt der duftende Feststrauß, die zierliche Laubhütte ist unsere Festeswohnung. Ihren Gipfelpunkt erreichte die Freude im alten Israel, wenn jene feierlichen Ceremonien und Umzüge im Tempel stattfanden, von denen uns Mischna und Talmud erzählen. Auch wir fühlen in uns noch den Nachhall jener Volksstimmung, wenn wir im Gotteshausc den Palmzweig schwingen, wenn wir die „Bimäh" umkreisen, herrliche Hymnen auf den Lippen. Auch uns schlägt das Herz höher, wenn das Thorafreudenfest uns das Gottesbuch in den Arm drückt, wenn wir jubelnd das Endkapitel zur Verlesung bringen, um gleichzeitig und mit derselben Freude wieder von vorn zu beginnen. Mit der Thora im Arme vollziehen die gesetzestreuen Gemeinden die fröhlichen „Hakophaus", die Ründgänge im Gotteshause, mit der Thora im Arme, verlassen uns die schönen „Herbstfeiertage", um der w e r k t ä g i g e n Stimmung und Beschäftigung Platz zu machen. Der Wechsel der Stimmung, der Umschlag der Gefühle macht sich so recht am Jsru-chag bemerkbar. Die Hütte, deren Laubdach nach Gottes Wunsch und Wort uns sieben Tage schützend deckte, wird abgebrochen, wird eingelegt. Betrübten Gemüthes stehen die neugierigen Kleinen um den Vater, wenn er die zierlichen Hagebütteketten von der Decke herabnimmt, wenn die schon welken Blumensträuße sorglos und gleichgiltig dem freien Spiel, der Willkür der munteren Kinderschaar überlassen werden; ' die leuchtenden Glaskugeln, die kunstvoll geschnittenen Papierkörbchen, die bunten Papierketten werden sorgsam und vorsichtig in die alten Schachteln und Kästchen gelegt, um l'schonoh habooh wieder dem gleichen hehren Zwecke zu dienen, wie in den jüngsten Tagen. Auch der Mögen Dowid, der traditionelle „Davidsschild", um dessen schmuck- und geschmackvolle Ausstattung sich in hervorragender Weise die Tochter des Hauses verdient gemacht, findet den alten Ruheplatz wieder, von dem aus er dereinst wiederum zu Ehr und Würden gelangen soll. Bald ist auch die Laubdecke unten und des „Himmels Wolken schauen hoch hinein." Endlich — „vier Bretter seh' ich fallen," die Laubhütte ist nicht mehrj Die Strahlen der Herbstessonne spielen auf der leeren Stätte und wir selbst können uns einer gewissen Wehmuth nicht erwehren. Sic. transit gloiia mundi! Soll Festesstimmung und Werktagsernst fo unvermittelt aufeinanderfolgend Der eine Tag des Jsru-chag kann allenfalls nur eine schwache Ueber-, gangsbrücke bilden. Die hohe Bedeutung, die längere Zeitdauer der verlebten Feste bewirken eine tiefergehende Seelenstimmung, aus der. wir nicht so leicht in eine andere übergehen. Auch, die Ernüchterung will ihre Z e i t haben. Doch siehe, was diese psychologische Wahrheit allgemein ausspricht, das findet im jüdischen Festkalender seinen

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