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Der Israelit · 1903-02-26 · Heft 15-16 (26.2.1903) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 15-16 (26.2.1903)
Date
1903-02-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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44. Ha-rgartg. Ei» K.utrat-Hrgan für das orthodoxe IudenIHuüt. Begründet vo» »r. ^mcmi tu Donnerstag, den Iudenthum und Viffenschaft. Je mehr sich in manchen Kreisen das Bestreben kund gibt, auch das Judenthum und seine Institutionen als einen überwundenen Standpunkt darzustellen und demgemäß auch so zu behandeln, je eifriger gewisse Professoren bemüht sind, göttliche Gesetze und Vorschriften in die Plunderkammer historischen Aberglaubens;ui verweisen, um so mehr ist. es die Pflicht eines jeden gesetzestreuen Juden, diesen „Fanatikern des Unglaubens" entgegenzutreten und ihnen das Falsche und Unrichtige ihrer Lehre zu beweisen. Hauptsächlich ist es das vielgebrauchte Wort von der Disharmonie zwischen „Glauben" und „Wissen", womit man Propaganda für den Abfall vom Gesetze zu machen sucht, und es ist eine traurige Thatsache, daß dieses Schlagwort bei der Menge Halbgebildeter oder auch Gebildeter, aber des Gesetzes Unkundiger, von ungeheurer Wirkung gewesen ist; aber wie gewissenlos leider auch jüd. Kämpen hierin verfahren, wie gerade das Judenthum, die Religion par exeellevee, in vollem Einklänge mit der Wissenschaft steht, und wie man nur durch einen unverzeihlichen Analogismus des Judenthums mit den andern „Religionen" dazu kam, auch es als menschliches Institut, und somit als reformbedürftig und unzeitgemäß, wenn nicht gar als abgethan und unbrauchbar zu bezeichnen, das nachzuweisen soll der Zweck folgender Zeilen sein: Was ist Religion? Die Römer verstanden unter religio die fromme Scheu vor den Göttern, die man zu ehren und zu fürchten habe. Aber ihre Götter waren keine Gesetzgeber, sie befahlen nicht, was der Mensch zu thun oder zu lassen habe, erst der Philosoph sann über das Wesen des Guten und Schlechten nach, woraus sich denn als Folgerung Gesetze über Mein 29. Schebat 5663 26. Februar 199s. und Dein, über die Stellung^ des Bürgers zum andern etc. ergaben, als deren Urheber man natürlich die Götter bezeichnet. Was die Römer unter religio, verstanden die Griechen unter dem Begriffe alStog Ehrfurcht vor den Göttern. Auch hier waren es wiederum Dichter und Philosophen, die die Stelle der seligen Bewohner des Olymp vertraten, und ihren Mitbürgern Gesetze und Rechte gaben. Und als das Heidenthum zerfiel und die christliche Kirche in die Arena der miteinander kämpfenden Religionen trat, da wurde der „Glaube" das Schibolet der neyMandenen Kirche, und wer nicht glaubte, derwarverdammt.- Jetzt standen sich Gläubige und Ungläubige einander gegenüber, ja innerhalb der neuen Kirche erhob sich über das Wie des Glaubens blutiger Streit, dessen Gegenstand 260 Jahre erforderte, um doch nicht zum Ausgleiche gebracht zu werden. So bildeten metaphysische Grübeleien den Hauptgegenstand der kirchlichen Lehre, die sich deßhalb mit Recht einen „Glauben" nannte. In der That war diese Lehre für den „Laien" doch nur ein reiner Glaube, er konnte und durfte sich nicht mit den tiefsinnigen Abstraktionen eines Plato befassen, die die Quellen der neuen Dogmen bildeten. Was so für den Priester und Gelehrten Gegenstand des Forschens war, das erwuchs später als unumstößlicher Glaubenssatz, woran zu zweifeln man nicht wagen durfte, wollte man nicht als Ketzer verschrieen und bestraft werden. Ja, um den Lasen (ein Begriff, den erst das Christenthum schuf) gar nicht zum Denken zu bringen, wurde er grundsätzlich in völliger Unwissenheit erhalten, und seine Vernunft, um ganz sicher zu gehen, noch obendrein mit einer Reihe von Dogmen in Fesseln geschlagen. Auf einem solchen Fundamente erhob sich das stolze Gebäude der Hierarchie, das erst zu wanken anfing, als die Vernunft, nach langen, langen Jahren ihr usurpirtes Recht geltend zu machen versuchte. .

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