Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 14 (19.2.1903)
- Date
- 1903-02-19
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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den guten Knaben und zeichnet ihn aus. Darüber wird der böse Knabe neidisch und haßt seinen Bruder. Der Vater sieht dies und warnt den Knaben, er möge nur folgsam sein, dann würde er ihn ebenso lieben, wie seinen Bruder. Statt auf seinen Vater zu hören, schlägt und mißhandelt der böse Knabe seinen Bruder; deßhalb wurde er von seinem Vater streng bestraft. Ebenso verhielt es sich mit Kajin. Ein Verbot des Mordes war zu Kajins Zeiten noch nicht gegeben, aber das Ausüben einer bösen That war ihm untersagt, denn Gott warnte den Kajin, als er auf Abel neidisch war, mit den Worten: „Wenn Du Gutes thust, kannst du dein Angesicht emporheben., wenn du aber nicht Gutes thust, so lauert an der Thüre die Sünde und zu dir ist ihr Verlangen, du aber kannst sie beherrschen." Gott hat aber Kajin das Ausüben jeder bösen That untersagt. Statt aber auf die Warnung Gottes zu hören, führte Kajin seinen Bruder auf das Feld, wo er glaubte, daß ihn Niemand sehen würde, und erschlug ihn. Kajin vollbrachte also eine sehr böse That und mußte strenge bestraft werden. Hätte damals schon das Verbot des Mordes bestanden, so hätte Kajin sofort getödtet werden müssen, da dies aber nicht der Fall war, belegte ihn Gott mit anderen schweren Strafen." Die zweite Frage lautet: „Der liebe Gott weiß doch im Voraus alles, was in der Zukunft geschieht. Wozu brauchte dann der liebe Gott den Abraham auf die harte Probe zu stellen, ob dieser gehorchen und auf Gottes Befehl seinen Sohn opfern werde, da doch der liebe Gott im Voraus wußte, daß Abraham die Versuchung bestehen wird?" Als Antwort hierauf hätte dem Kinde zunächst ein ähnliches Gleichniß, wie bei der ersten Frage, erzählt werden müssen: Ein Vater besitzt viele Kinder, die meisten davon sind sehr böse und unfolgsam, nur einzelne davon sind gut. Unter diesen guten ist aber ein Kind, das ist dem Vater ganz besonders zugethan, deßhalb liebt er es am meisten. Um diesem Kinde seine Liebe zu beweisen, will er ihm ein sehr hübsches Geschenk machen. Da dachte aber der Vater, wenn ich dem Kinde das schöne Geschenk gebe, werden die andern sagen, warum bekommen wir das Geschenk nicht, wir sind doch auch gut zu unserem Vater. Deßhalb will ich den andern Kindern auch zeigen, daß es das schöne Geschenk auch wirklich verdient. Der Vater ' gibt dem Kinde eine sehr schöne, gute Frucht, wonach sich das Kind schon lange gesehnt. Das Kind freut sich sehr damit. Aber kaum hatte der Vater dem Kinde diese Frucht gegeben, so verlangte er auch schon wieder, es solle ihm dieselbe ungesäumt zurückgeben. Das Kind fragte nicht warum, sondern that es sofort, weil es der Vater befohlen hatte. Nun gab der Vater dem Kinde die Frucht zurück und das hübsche Geschenk dazu, und die übrigen Kinder konnten nicht neidisch sein. So' verhielt es sich auch mit Gott und Abraham. Zu Abrahams Zeiten gab es sehr viel böse Menschen auf Erden; einzelne davon waren nur gut, der Beste von allen war Abraham. Deßhalb wollte ihm Gott den großen Segen ertheilen, daß durch ihn alle Völker gesegnet werden sollen. Damit aber die übrigen Menschen nicht sagen konnten, Abraham wäre zu Unrecht bevorzugt worden, deßhalb zeigte ihnen Gott durch die schwere Probe, yrie würdig Abraham war. Erst im Alter hat Abraham den Isaak erhalten, er liebte ihn über alles, und dennoch zögerte er nicht. Gottes Befehl zu gehorchen, um ihn zu opfern, weil ihm die Liebe zu Gott noch höher stand, als wie zu seinem Sohne. Daraus mußten nun alle.übrigen Menschen sehen, daß Abraham der Würdigste von ihnen war, und deßhalb gab ihm auch Gott sofort den Segen. Lehrer G. in N. Also-Kubin, 6. Febr. Durch den liebenswürdigen Aufruf des ehrw. Herrn Rabbiners Galandauer ermuntert, erlaube ich mir, auf die gestellten zwei Fragen die Antworten mitzutheilen, die ich theils bei meiner lieben Mutter in der sabbatlichen Deutsch-Chumesch- Stunde, wie nicht minder durch die Aufklärungen des lieben Vaters gelernt habe. Das Verbot, einen Menschen zu tödten, war nach der überlieferten Lehre schon Adam ausdrücklich ertheilt, unter den sieben Pflichten, die im 16. Vers des 2. Cap. ausgesprochen sind. Deßwegen konnte auch Kajin mit Recht bestraft werden. Auch ist ja Brudermord ein solches Verbrechen, das einem im Ebenbilde Gottes erschaffenen Menschen nicht erst verboten werden müßte. Die Versuchung Abrahams sollte gewiß ein erhabenes Vorbild der Gottergebung für seine Nachkommen sein, hatte aber vielleicht auch den Zweck, um die heiligen Fähigkeiten unseres Stammvaters, durch seine opferwillige Hingabe, zur wahren Vollkommenheit herangedeihen zu lassen. Auch habe ich gelernt, daß der Allwissende mit dieser schwersten Versuchung den hingebungsvollen Gehorsam Abrahams reichlich belohnen wollte. Für jedes Wort, für jeden Schritt liebevolle göttliche Verheißung für Abraham und seine Nachkommen. Lea Horovicz. i - Verantwortliche Redaction: Oscar Leb mann in Mainz — Exoedition de« .Israelit". Schottstraße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der Job. Wirtb'scben Hoibuchdrnckerei Aktiengesellschaft in Mainz.