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Der Israelit · 1903-02-19 · Heft 14 (19.2.1903) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 14 (19.2.1903)
Date
1903-02-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Loge, der jüdischen Haushaltungs schule, dem Gemein- 1 schaftsheim, der Pekleidungsabtheilung des „Israelin-! schen Unterstützungsvereins für Obdachlose." Die Be- I träge für Wohlthätigkeit und Stipendien zeigen im! Kassenberichte eine hohe Summe, die von dem Bestreben I des Vereins gerechtfertigt wird, eine physische und moralische Hebung überall eintreten zu lassen, wo sie Noth thut. Als neue Aufgaben des Vereins sind zu kennzeichnen: die geplante Gründung eines Kinderhorts und die Förderung des Zustandekommens von einem Bunde jüdischer Frauenvereine. Angesichts der Thatsache, daß I vielen jüdischen Kindern in Hamburg die behütende und erziehende Häuslichkeit fehlt, habe der Vorstand der Henry Jones-Loge und der Humanitäre Frauenverein die Beschaffung eines Kinderhorts beschlossen, für den die provisorische Leitung bereits eine pädagogische Kommission und eine Finanzkommission eingesetzt und Jahresbeiträge von 600 Mk. seitens des Vereins und 3000 Mk. seitens der Loge erwirkt hat. Auch die Gründung jüdischer Warteschulen ist bereits in's Auge gefaßt, für welche ein Gemeindeglied einst 66,000 Mk. festgelegt hat. Hinsichtlich des Zusammenschlusses der jüdischen Frauenvereine in Deutschland zu einem Bunde setzte Fräulein Werner Folgendes auseinander: Im Jahre 1900 regte Herr Dr. Leimdörfer zuerst den Gedanken eines Bundes an, von der Erwägung ausgehend, daß die ethische Gemeinschaft die Erfüllung der sozialen Aufgaben fördere und das planvolle Zusammengehen auch die Erreichung größerer Ziele ermögliche. Der Israelitische -humanitäre Frauenverein in Hamburg und der Israelit, weibliche Fürsorgeverein in Frankfurt a. M. gaben der Anregung zuerst Folge, und dank ihrer Propaganda haben sieben jüdische Vereine bereits ihren Beitritt zum Bunde erklärt. Es wurde sodann zur Wahl geschritten und es erfolgte eine Wiederwahl des Vorstandes. Als Revisorinnen des Rechnungsabschlusses wurden für ein Vierteljahr Frau W. Levinsohn-Varmbeck und Frau Eduard Levy gewählt. Fräulein Werner ergriff hierauf das Wort zu einer kleinen Ansprache folgenden Inhalts: Im Sinne aller Damen wolle sie Herrn Gustav Tuch den herzlichsten Dank aussprechen, daß er seit zehn Jahren dem Vorsitz im Verein führe, daß er mit einer seltenen Hingabe und mit seinem Idealismus und Optimismus dem Verein einen stets neuen großen Ausblick erschlossen habe. Unbeirrt von aller Zaghaftigkeit und allem Widerstand eroberte er dem Verein den Boden für wichtige, soziale Aufgaben, deren Erfüllung die schönste und erhebendste Genugthuung gewähre. Auch der Vorsitzenden der Wohlthätigkeitsabtheilung gebühre der wärmste Dank für ihre taktvolle und umsichtige Wirksamkeit. Herr Gustav Tuch richtete noch einen Appell an die Anwesenden, das Interesse an der humanitären Arbeit wach zu halten und es Lei andern zu wecken^ und schloß die Versammlung gegen 8 Uhr. - . Oesterreich. Wien, 16. Febr. Vorige Woche fand in der Minoritenkirche die Trauung der Tochter des Dr. Anton Loew mit einem Sohne des Kommerzienrathes Sigmund Eisler Edler von Terramare statt. Diese Ehe erweckt vor allem Interesse bei dem Rassenpsychologen: ein getaufter Jude heirathet eine getaufte Jüdin; es ist hübsch vom Herrn Eisler, daß er wenigstens in der Rasse bleibt und für eine unverfälschte semitische Rach kommenschaft Sorge trägt. Der Kulturhistoriker wieder würde in dieser Trauung einen neuen Beweis für den Satz erblicken, daß der Glaubenswechsel hauptsächlich in den Kreisen der reichen Juden heimisch ist, die heute die Kultusgemeindr beherrschen. Der Lokalhistoriker wieder würde dankbar anerkennen, daß die Wiener Hochfinanz wenigstens für Abwechslung bei ihren Abfällen sorgt. Der Sohn des Bankdirektors Feilchenfeld, gebürtig aus dem Posen'schen, heirathete in der protestantischen Kirche, ein Verwandter des Direktors Ritter von Tauffig in der Churkapelle der Stephanskirche u. s. w. ohne Grazie. Den Trauungsakt vollzog Bischof Marschall mit zahlreicher Assistenz; Bischof Marschalls Spezialitäten sind bekanntlich die Judentaufen. „Unter den Priestern befanden sich auch mehrere frühere Lehrer des Bräutigams vom Schottengymnasium," meldet die „R. Fr. Pr." mit Stolz. Das ist | charakteristisch. Herr Sigmund Eisler ist sicher ein strammer Deutschliberaler und unentwegter Anhänger der interkonfessionellen Schule. Aber seine Kinder schickt er zu den P. P. Schotten. Daß sich eine größere Anzahl noch nicht getaufter Juden das Schauspiel ansahen, wollen wir nur kurz berühren; von dieser Schichte der Wiener Judenschaft nähme uns nichts Wunder, als wenn sie Spuren von Selbstachtung zeigte: vielleicht wollten sie sich auch langsam an die katholischen Gebräuche gewöhnen. Daß aber der Kultusvorftand Emil Horner nicht einsieht, daß es seine Würde verlangt, wenigstens offiziell nicht den Satzungen des Judenthüms Hohn zu sprechen, ist allerdings ein starkes Stück. Mer vielleicht glaubt er durch ein solches Auftreten die Anwartschaft auf das Präsidium der Kultusgemeinde zu erlangen. Wenn der Prokurist des Hauses Rothschild das Fest verschönte, durfte der Direktor des Rothschildspitals, Prof. Oser, natürlich nicht fehlen, vielleicht wollte er dem Dr. Loew den Dank dafür erstatten, daß er den Neubau des Rothschildi spitales mit einer Ansprache beehrte. Die Satire ist bei r der Schilderung Wiener Verhältnisse der einzige Trost, denn wellten wir solche Zustände ernsthaft besprechen, so würden uns die Ausdrücke der Entrüstung fehlen. Denn alle Feinde des Judenthums entehren das Judenl thum nicht so, wie seine berufenen Vertreter.

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