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Der Israelit · 1903-02-16 · Heft 13 (16.2.1903) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
44 (1903)
Issue
Heft 13 (16.2.1903)
Date
1903-02-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IS.Febr. 1903.] LN [9lt* 8. 1« Zeitgemälde ^von I. I. Kraszewski in. autorisirter Uebertragung^ Jakob machte hier eine kurze Pause und fuhr dann wieder fort: „Da ich Herrn Louis Mann näher kennen lernen wollte, ging ich Tags darauf voll Ehrerbietung zu ihm. Er wußte schon, wer ich war; denn er hatte mich bei meinem Vormunde einige Male gesehen und mit mir gesprochen.-Aber ich konnte mich ihm dort nicht nähern, denn er erschien mir hochmüthig, unzugänglich und aufbrausend. Nachdem ich eine Stunde gewählt, in der ich sicher war, ihn zu treffen, begab ich mich in seine Behausung. Sie befand sich in einer ziemlich prächtig eingerichteten Velletage, welche er mit Frau und drei Töchtern bewohnte. Der Sohn besaß schon ein eigenes Haus. Ich klingelte an der Thür. Eine Diener öffnete mir und meldete mich im benachbarten Salon, wo die Fräulein und einige Herren sich amüsirten, lachten und fröhlich plauderten. Herr Mann, nachdem er mich jedoch ein gute Viertelstunde hatte warten lassen, und da er es nicht für geeignet hielt, mich in seine Gesellschaft einzuführen, trat in das erste Zimmer und empfing mich hier, etwa wie Einen, der nur Geschäfte mit ihm hat, ziemlich höflich, aber mit Protektormiene, und als wenn er mich, so schnell als möglich, wieder los sein wolle. Augenscheinlich gab er mir zu verstehen, daß er zwar die ihm gebührende Huldigung von einem Glaubensgenossen annehme, aber keine Lust habe, sich ihm allzusehr zu nähern. Meine Lage war ziemlich peinlich. Durch die geöffnete Thür sah ich die geputzten Fräulein vorüberschweben, auch Frau Mann selbst in prächtiger Toilette und endlich einige Elegants. Ich aber stand da, wie ein Bettler, und wurde von Herrn Mann nicht einmal gebeten, Platz zu nehmen. Er selbst stemmte den einen Fuß an das Kanapee, steckte die Hände in die Taschen, brummte etwas vor sich hin, stocherte unwillig in den Zähnen und sah aus dem Fenster. Wollte er mit dieser Aufnahme mir zu verstehen geben, daß ich für ihn eine überaus kleinliche Figur sei, so erreichte er nicht, was er wünschte. Denn ich besaß, trotz meiner Armuth, Nichtigkeit und Kleinheit. das Vollgefühl eigener Würde und hatte für ihn daher nur — Mitleid. Ich war nicht einmal verletzt oder erzürnt. Mit Seelenruhe beobachtete ich diesen ungeschickten, Hochmuth des Emporkömmlings. Vom ersten Worte an begann er mir Lehren und Warnungen zu ertheilen, in die etwas wunderbarlich die Ermahnung bald israelitischer Autoritäten, bald vaterländischer. Würdenträger, bald hoher Personen vom Hofe gemischt wurden, mit denen er in vertrauten Beziehungen stand. Was konnte mich dies angehen? Er wollte durchaus glänzen. Für mich aber, war dies Flitter, nicht Glanz. An seinem Morgenrocke bemerkte ich -drei Ordensbänder. „Junger Mann," sagte er zu mir, „ich freue mich sehr, daß mein wackerer Freund Ihnen die Hand' gerncht. Machen Sie ihm Freude mit Ihrer Arbeit,

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