Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 13 (16.2.1903)
- Date
- 1903-02-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Excellenz Bin ich uberzeugt, daß mir in der ganzen Angelegenheit keine unwürdigen Bedingungen anferlegt werden, u. man weder durch offene, noch durch versteckte Drohungen mir zu nahe tritt. Was ich an meinem Abraham gethan habe, will ich vor dem höchsten Richter einst verantworten, wenn selbst irdische Richter meine Handlungsweise für strafbar halten sollten. Ich habe von keinem Menschen einen Dank oder auch nur eine Anerkennung erwartet, aber Undank und Drohungen glaube ich deßhalb nicht verdient zu haben. Wenn Excellenz sich mir dafür verbürgen, daß unsere Abmachung so eingehalten wird, wie wir sie vereinbart haben, so kann Abraham mit dem Herrn Baron von Korff gehen, im anderen Falle nehme ich ihn wieder mit nach Hause und sorge nach Meinem Ermessen und Vermögen für seine Zukunst, wie ich für meine anderen Kinder sorge." „Latz den Juden mit dem Kinde abtreten," wandte sich der Baron an den Grafen, „damit wir die ganze Angelegenheit noch einmal unter uns besprechen können." Als.Feiwel mit Abraham das Zimmer verlassen hatte, fuhr der Baron mit gedampfter Stimme fort: „Dieser Jude mißfällt mir im höchsten Grade. Er will mir entweder noch einige Tausend Rubel abpressen, oder er handelt unter der Maske edler Selbstlosigkeit, um sich irgend ein anderes Hinterpförtchen zu sichern, von dem ich zur Zeit selbst keine Ahnung habe. Der erste Fall wäre der einfachere, und wenn es sein mutz, zahle ich noch gern einige Tausend Rubel mehr. Hat er aber Hintergedanken, die er mit seinem selbstlosen Edelmuthe versteckt, so ist der ganzen Sache nicht zu trauen. Item, ich will von Juden nichts geschenkt haben, denn ich fürchte sie, wie die Danaer, auch wenn sie schenken, und dann erst recht. Noch weniger will ich von dem Juden moralisch abhängig sein. Die Beziehungen, die ich heute mit ihm anknupfe, müssen heute auch wieder gelöst werden. Es darf zwischen mir und ihm keinerlei Beziehung bestehen, sonst nutzt er sie aus. um das Kind zu beeinflussen. Ich furchte, der Jude ist uns an Schlauheit überlegen." „Kurt. Du siehst zu schwarz." entgegnete Graf Dundukof. „Ich kenne Feiwel Schick schon zwanzig Jahre als einen redlichen Mann, und hatte ihn als Verwalter meines Gutes in den verschiedensten Lagen zu beobachten Gelegenheit. Es ist nichts Schlechtes, was er an dem Kinde gethan hat, er hat im Gegentheil christlicher an dem Kinde gehandelt, als es mancher Christ gethan hätte. Auch ist cs ihm ohne Zweifel ernst mit seiner Ablehnung deS Geldes. Den Eindruck habe ich schon vor acht Tagen gewonnen. Andererseits jedoch kann ich es Dir nicht verdenken, daß Du mit dem Knaben keine jüdischen Familienanhängsel Dir in's Haus ziehen willst. Aber er hat es ja bündig versprochen, jede Beziehung zu dem Knaben abzubrechen, und wie ich ihn-' kenne, wird er sein Wort halten." . „Wie naiv Du bist, dem Wort eines Juden so ohne weiteres zu trauen!" entgegnete der Baron. „So ver- : trauensselig bin ich allerdings nicht, und ich möchte Dir; daher, um sicher zu gehen, folgenden Vorschlag machen: . Der Jude soll gar nicht erfahren, wohin das , Kind - kommt. Du erklärst ihm, daß ich von der Sache ab-? stehe, weil der Jude mein Geld verschmäht. Er soll .. ruhig nach Hause reisen, der Junge sollte bei Dir hlei- ) ben. Du wolltest schon anderweitig für ihn. sorgen.? Wenn ich nun, nachdem der Jude nach Hause gefahren. ' ist, mich doch entschließe, den Jungen mit ngch Hause ' zu nehmen, so wird Dein Verwalter niemals wissen.; wo er ist, und nicht in die Lage kommen, mit ihm anzu- - bändeln." - - / 7 Graf Dundukof blieb einige Augenblicke seinem, j Freunde die Antwort schuldig. Er nahm sein Lorgnon \ ab und putzte es mit einer Sorgfalt, als ob es gar kein V wichtigeres Geschäft für ihn gäbe, so daß der Baron- - nochmals die Frage stellen musste:; „Was hältst Du von meinem Vorschlags" t v „Was ich davon halte? Ich will Dir^. und^Du verzeihst mir hoffentlich die Freiheit, erst einmal sagen, \ was ich von meinem Juden sowie vom Grafen Dundu-; kos und seinem Freund, Baron Korff, halte. Der Jude « hat sich in der ganzen Affäre bis jetzt wie ein Edelmann ■ comme il faut benommen, aber wir haben nicht wie I Edelleute gehandelt. Und wenn wir Deinen Vorschlag'?- annähmen, würden wir wahrhaftig auch, keine edel-- ' männische. Gesinnung bekunden. Lasse Du mich nur .. ruhig für Dich verhandeln. Ich werde die Sache'sofort in Ordnung bringen." " . - Der Graf klingelte und ließ , den Verwalter rufen/ „Feiwel," sagte in seiner herzlichen, leutseligen - Weise der Graf, „Ihr müßt meinen Freund entschuld!- 7? gen, wenn er mit einem gewissen Mißtrauen den gan-- zen Handel ansah, da er Euch als Ehrenmann nicht so gut und so lange kennt, als wir uns kennen. .- Ihr .7. überlaßt also Euren Abraham dem Herrn Baron als ■][*• seinen zweiten Pflegevater. Ihr verpflichtet Euch für . Euch und Eure Familie, daß keine Verbindiing? mit^ 7 Euch, welcher Art sie auch sein möge, mit dem Knaben - unterhalten wird, und der Herr Baron gibt Euch dafür: V. 40,000 Rubel. Da Ihr Euch aber edelmüthiger Weise . . weigert, das Kind gegen Geld hinzugeben, und audererseits der Herr Baron das Kind nicht geschenkt von Euch hinnehmen will, so legt der Baron den Betrag uw? soliden, zinstragenden Papieren bei einer Bank am Ihr- : könnt den Betrag dort jederzeit erheben oderihn. stehen<7> lassen, das bleibt ganz Eurem Ermessen überlaffen<7.^ Seid Ihr so einverstanden?^ / „Jawohl, Excellenz!" ' ' ' .. / ..., „Wollt Ihr mir das durch Handschlag auf Euer Ehrenwort versprechen?"