Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 44 (1903)
- Issue
- Heft 12 (12.2.1903)
- Date
- 1903-02-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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44. Jahrgang. - ZWeite Aeilage zu des „Israelit.^ "' rin lalnjiiiKiiiluin! Lin Wort zur Verständigung. Von Raphael Breuer. (Fortsetzung.) Einige kurze, abgerissene Gedanken, flüchtig hingeworfen, — aber sie genügen vollständig, um die weite, unüberbrückbare Kluft zu beleuchten, die zwischen unserer tausendjährigen jüdischen Anschauung und der zionistisch-nationaljüdischen gähnt, die es wagt, nur um eine allgemeine Betheiligung des jüdischen Volkes an dem „nationalen" Hilfswerk zu erzielen und die wie Tag und Nacht, wie Sein und Nichtsein einander schroff gegenüberstehenden Ueberzeugungen der Orthodoxie, der Reform und des „jüdischen" Atheismus unter einen Hut zu bringen, das vom Sinai bis auf uns hinabgeerbte Judenthum auszuhöhlen und es zu dem inhaltlosen Schemen eines ohne Thauroh bestehenden Zusammenhanges mit Zion und Jerusalem zu verflüchtigen. Wie können wir gemeinschaftlich für das Judenthum leben und wirken, wenn w i r unter Judenthum Thauroh verstehen und Ihr Religion, Erfüllung der Thauroh, als Privatsache erklärt? Eine jüdische Hochschule wollet ihr gründen? Das hieße ja die Errichtung des Zukunftsbaues mit dem Dache beginnen! Habt ihr denn schon genügend - Schulen für die kleinen Kinder, die auf weiten Gebieten des westlichen Europas in schmählicher Unkenntniß ihrer jüdischen Bestimmung, ihres jüdischen Berufes aufwachsen? Jüdische Hochschulen? Was soll denn gelehrt und gelernt werden auf dieser jüdischen Hochschule? Die Thauroh, der Talmud? Ei, dann wäre ja Hoffnung vorhanden, daß sie wieder aufblühten, die Jeschiboth alle, und daß es auf weitem Erdenrunde keinen jüdischen Jüngling mehr gäbe, der nicht wallfahrte nach dieser jüdischen Hochschule, um mit durstigeM"Eiser aus dem Borne des Talmud zu schlürfen! Und soll jüdische Wissenschaft gepflegt werden aus dieser jüdischen Hochschule, und soll das Mauscheh kibbel Thauroh misinai, die am Sinai beginnende Tradition, die Göttlichkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre als erstes, heiligstes, unverrllck- und unverschiebbares Grundprinzip dieser jüdischen Hochschule anerkannt und consequent durchgeführt werden? Und soll es von vornherein klar und unzweideutig ausgesprochen werden, daß diese jüdische Hochschule nicht Ziel und Zweck, vielmehr Mittel zum Zweck, daß das lau hamidrasch ikkor elo ham a a s s e h noch eine Wahrheit sei? Seht, über alle r SL diese Punkte müßtet ihr uns vor allen Dingen in unverhüllter Wahrheit und Redlichkeit Auskunft ertheilen, wenn wir uns für das Projekt einer zu gründenden Hochschule erwärmen sollen, und soll die Auskunft zu unserer Befriedigung ausfallen, solltet ihr — zufällig — über diesen Punkt genau so denken, wie wir, solltet ihr auch unter einer jüdischen Hochschule dasselbe verstehen, wie wir: eine Stätte der Thauroh, wo man das jüdische Gesetz kennen und verstehen lernt, um es draußen im Leben praktisch verwirklichen zu können, -- seht, so müßten wir ja irre werden an eurer Redlichkeit, an eurem Charakter und an eurer Conseguenz, wenn ihr nicht jenen verhängnißvoll ominösen, Sah von der Privatsach-Religion für einige Zeiten aus eurem Agitations- und Bekenntnißprogramme streichen wolltet. Denn seht, uns ist jüdische Wissenschaft nicht ein von der Religion losgetrenntes Gebiet und ihr Studium nicht Beschäftigung einer Gelehrten¬ oder Priesterkaste. — „Höre Israel, die Gesetze und * Rechtsaussprüche, die ich heute vor euren Ohren ausspreche, und lernt sie, und achtet sie zu vollführen." — „Siehe, ich habe euch gelehrt Gesetze und Rechtsaussprllche, wie mich verpflichtete Haschem, mein Gott, daß ihr also aus fü hret in Mitte des Landes, dahin ihr kommet, es zu besitzen. So achtet denn und vollführet; denn das ist eure Weisheit und euer Lebensverstand vor den Augen der Völker, daß sie hören den Inbegriff dieser Gesetze und sprechen: Ist doch eine weise und lebensverständige Nation dieses große Volk. Denn welches Volk ist groß? Dem Gott nahe ist wie Haschem, unser Gott, in allem unserem Flehen zu Ihm. Und wiederum, welches V o l k i st groß? Das gerechte Gesetze und Rechtsaussprüche hat, wie diese ganze Thauroh, die ich euch heute vorlege." — „Und es feien diese Worte, zu denen ich dich heute verpflichte, auf deinem Herzen." — »Nur sei sehr stark und fest, achtsam*zu handeln nach der Thauroh Inbegriff, zu der dich mein Diener Mauscheh verpflichtet. Weiche nicht davon ' rechts und links, damit du vernünftig handelst in Allem, was du erstrebest. Es weicht nicht dieses Buch der Thora von deinem Munde und sinne darin Tag und Nacht, damit du achtsam handelst nach Allem, das darin geschrieben steht. Denn dann beglückst du deine Wege und dann handelst du vernünftig." — Denn diese Pflicht, zu der ich dich heute verpflichte, nicht wunderhoch ist sie dir und nicht fern ist sie. Sie ist nicht im Himmel, daß du sprächest: wer stiege uns gen Himmel und erwürbe sie für uns, daß er sie uns verstehen lehre, so wollten wir sie üben. Und nicht jenseits des Meeres ist sie, daß du sprächest: 020100320000